Für Schwerkranke und Sterbende da sein

Seit 20 Jahren begleitet der ambulante Hospizdienst Sterbende auf ihrer letzten Reise. In der voll besetzten Planie 22 gewährte der Verein Ein- und Rückblicke in seine ehrenamtliche Arbeit.

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20 Jahre ambulanter Hospizdienst: Michael Schneider (rechts) und Seyyah Inal thematisierten mit Gesang und Gitarre das Thema "Sterben".  Foto: 

Zahlreiche Ehrenamtliche, Unterstützer und Ehrengäste waren am Dienstagabend gekommen, um auf die wechselvolle Geschichte der Reutlinger Einrichtung zurückzublicken. War 1994 bei Gründung des Vereins das Sterben noch mit vielen Tabus besetzt, hat sich einiges in der öffentlichen Wahrnehmung verändert.

Nicht nur zu Hause werden Menschen - wenn sie dies wünschen - in ihrer letzten Lebensphase begleitet, auch in der Palliativstation des Klinikums am Steinenberg, in den umliegenden Pflegeheimen, im Hospiz Veronika und seit 2010 beim Kinder- und Jugendhospizdienst stehen helfende Begleiter Sterbenden und deren Angehörigen in schweren Stunden bei. "Vor zehn Jahren hat noch fast niemand in der Öffentlichkeit übers Sterben geredet - das hat sich inzwischen geändert", blickt Vereinsvorsitzender Ulrich Mack bei seiner Begrüßung zurück. "Dabei waren die letzten 20 Jahre nicht durch düstere und ernste, sondern gleichwohl auch durch lebensfrohe Ereignisse geprägt."

1994 war der ambulante Hospizdienst aus einer Sitzwachengruppe hervorgegangen. Inzwischen ist die Einrichtung die drittgrößte im Land. Im Verein sind vier hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt, er hat rund 300 Mitglieder, von denen 121 aktiv sind. Diese ehrenamtlichen Mitarbeiter sind unterschiedlichen Alters, und sie gehen verschiedenen Berufen nach. Was ihnen aber allen gemeinsam ist: Wenn sie gebraucht werden, sind sie für Schwerkranke und Sterbende da. Der Tod und das Sterben gehören für sie zum Leben dazu. "Gleichzeitig bewegen sie sich in den privatesten Bereichen der Betroffenen", weiß Eduard Becker von seiner Arbeit als Regionalleiter der Paul-Wilhelm-von-Keppler-Stiftung zu berichten.

Auch Oberbürgermeisterin Barbara Bosch verweist in ihrem Grußwort darauf, wie wichtig die Arbeit des Hospizdienstes ist. "Ihre Arbeit verdient allergrößten Respekt", lobt sie die Aktiven um Geschäftsführerin Silvia Ulbrich-Bierig. Denn nicht nur die Menschen, die Begleitung erfahren, profitierten davon, auch ihre Angehörigen, die Ehrenamtlichen selbst und nicht zuletzt das gesamte Gemeinwesen schöpften aus der Hospizarbeit eine große Kraft: "Man lernt zu schätzen, wie wertvoll das Leben ist", sagte die Oberbürgermeisterin. Pfarrer Lothar Bauer, Vorstandsvorsitzender der Bruderhaus-Diakonie, erinnert in seinem Grußwort daran, dass Sterben ein "vieldimensionales Geschehen" sei: Für die Zurückgebliebenen, bei denen Wunden zurückbleiben, aber auch für die Hospizbegleiter selbst.

Die Arbeit als Sterbebegleiter sei nicht einfach, denn es gelte, den Zerfallszustand eines Menschen auszuhalten. Viel Beziehungsintensität und Sensibilität sei bei der Hospizarbeit gefragt und gefordert: "Es ist aber auch eine große Aufgabe, bei der man die Kraft der Hoffnung und viele heilige Momente erfährt", so der Reutlinger Pfarrer, der von Anfang an die Arbeit des ambulanten Hospizdienstes begleitet und unterstützt hat. Gesellschaftspolitisch gehe es vor allem darum, "Sterbende zu begleiten und ihnen ein Zuhause zu geben", spricht sich Bernhard Bayer bei seiner Grußrede vehement gegen die derzeit diskutierte Sterbehilfe aus: "Wir müssen uns dem Sterben stellen", so der Erste Vorsitzende des Hospiz- und Palliativ-Verbands Baden-Württemberg e.V., "denn Sterben hat sehr wohl mit Würde zu tun". Für die musikalische Unterhaltung sorgten zwischen den Reden die beiden Tonne- Darsteller Michael Schneider und Seyyah Inal, die mit Gesang und Gitarre das Sterben thematisierten.

Außerdem gewährten Hospizdienst-Mitarbeiter Einblicke in ihre telefonische Beratungsarbeit, und Ulrich Mack präsentierte eine Bildergalerie verdienter Ehrenamtlicher. Die Feier endete nach einem reichen Buffet mit dem Solotheater "Die Unsterblichkeit des Sandkuchens" von und mit der Kölner Schauspielerin Annette Schramm.

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