Freiheit für die Zehen!

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    Geerdet: Barfußlaufen regt den Stoffwechsel an und stärkt die Muskulatur. Foto: 
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    Sabine Bürkle geht in ihrem Laden ganz schuhlos über Holz und Stein. Foto: 
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Barfuß auf die Achalm? Über Stock und Stein, über Wiesen und Kies, über Asphalt und Baumstämme – und dann noch mitten durch eine Viehtränke? Was manchem schon beim Lesen Schmerzen bereitet, ist für Sabine Bürkle ein Genuss. Ein Sinneserlebnis. Es gibt ihr das Gefühl, ganz nah dran zu sein am Boden. Geerdet ist sie dann. „Barfußlaufen“, sagt sie, „das macht ganz viel mit dem Körper“. Es regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung, stärkt das Immunsystem, kräftigt die Fußmuskulatur und wirkt ähnlich stimulierend wie eine Reflexzonen-Massage. „Immer mehr Orthopäden empfehlen es inzwischen“, weiß sie, die in der Barfußinitiative Reutlingen engagiert ist.

Gegründet hat die Initiative im Jahr 2016 Bernd Gerber, ein Marathonläufer, IT-Berater und zertifizierter Gesundheits-Coach. „Er geht sogar barfuß zur Arbeit“, erzählt Sabine Bürkle, die, als sie Gerber kennenlernte, so beeindruckt von dessen Ideen war, dass sie selbst zum Barfuß-Fan wurde. Seitdem bieten die beiden in ihrer Initiative Impuls-Vorträge, Workshops und Wanderungen wie die Ende Mai auf die Achalm an. Zu beinahe noch nachtschlafender Zeit um 5.30 Uhr hat sich die kleine Gruppe im Reutlinger Stadtgarten getroffen, um auf den Hausberg hinaufzusteigen. „Wir hatten schönes Wetter und es war ein Erlebnis“, berichtet die 54-Jährige, die allerdings auch erschrocken darüber war, wie viele Glasscherben auf den Wegen lagen. „Zum Glück sind wir alle wieder heil zurückgekommen.“ Weshalb der nächsten Tour auch nichts im Wege steht. Am 25. Juni um 10 Uhr geht es von der Lauterquelle in Offenhausen hinauf auf den Sternberg.

Aber was fasziniert die Reutlingerin so sehr am Gehen ohne Schuhe? „Im Schuh“, sagt sie, „ist alles glatt. In ihm bekommen wir Informationen, die uns unser Körper barfuß geben kann, nicht“. Deshalb geht es in den Seminaren der Initiative auch darum, die Faszien zu lockern oder die Frage zu klären, ob das Gewicht auf den Füßen richtig verteilt ist. „Viele stehen eher auf den Fersen“, weiß Bürkle. „Und oftmals verkümmern die Zehen“. Vor allem deshalb fordert sie „Freiheit für die Füße“. Und natürlich für die Zehen, die sich ohne Schuhe nach Herzenslust bewegen und ausbreiten können. Sie wieder einzusperren, kommt für die Reutlingerin fast schon einer Sünde gleich. Zumal der Mensch eigentlich nur im Extremfall Schuhe brauche. „Aber sie anzuziehen, ist eben die gesellschaftliche Norm“.  Sich der zu widersetzen, ist vielleicht nicht die leichteste Übung, entspricht aber durchaus alten Sitten. „Schuhe konnten sich früher nämlich nur reiche Menschen leisten. Barfuß zu laufen, war ein Zeichen von Armut“. Wobei die Armen in diesem Fall wahrscheinlich diejenigen mit den gesünderen Füßen waren.  „Zwischen Haut und Knochen bildet sich dadurch nämlich eine Fettschicht, die gut durchblutet wird und wie eine Art Dämmung wirkt“.  Weshalb barfuß unterwegs zu sein, auch ein bisschen Übungssache und schon für Kinder äußerst ratsam sei.

Bürkle selbst läuft jeden Morgen gut eineinhalb Stunden mit ihrer Hündin Zina schuhlos, bevor sie in ihren Laden geht. In dem sie was verkauft? Schuhe! Allerdings sind die, die bei Bürkle über die Ladentheke gehen, allesamt Barfußschuhe. Ein Widerspruch in sich. „Aber nur eigentlich“, sagt sie. Denn ihre Schuhe geben dem Fuß „das Gefühl von Freiheit und Flexibilität“. Vorn sind sie extrem weit geschnitten, damit die Zehen auch genügend Platz haben, die Sohlen sind so gestaltet, dass sie sich rollen lassen und der Untergrund gut spürbar ist. Für Absätze ist da freilich kein Platz. „Unsere Schuhe sind ganz flach“, sagt die Reutlingerin, die ihr Geschäft im vergangenen Jahr eröffnet hat und überrascht ist, wie gut es angelaufen ist.

Zusammen mit einigen anderen Experten wird Sabine Bürkle, die sich beim Eninger Gesundheitsforum engagiert, am 19. Juli beim Fußgesundheitsabend des Forums sprechen. Womit sie wahrscheinlich ihrem großen Ziel einen Schritt näher kommen dürfte: „Barfußlaufen in die Welt zu tragen.“

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