Frauenkreis: Hexenprozesse im Mittelalter

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Hexenprozesse, Todesstrafe durch Verbrennen: Heutzutage kann man sich das gar nicht mehr vorstellen. Aber im 16. und 17. Jahrhundert suchte dieser Irrsinn, ausgehend vom Alpenraum, weite Teile Europas heim. Es war damals eine Zeit des Umbruchs. Die fest gefügten religiösen Regeln des Mittelalters galten nicht mehr uneingeschränkt, aber man durchschaute auch noch nicht die Naturgesetze. Man konnte sich die Entstehung von Unwettern und die Verbreitung von Seuchen nicht erklären. Also suchte man nach Schuldigen und fand sie in den "Hexen". Pfarrerin i. R. Ursula Göggelmann hat beim Frauenkreis Pfullingen ihre Forschungen zur Hexenverfolgung allgemein und besonders in Reutlingen vorgestellt. Wie überall, waren es auch in Reutlingen ganz überwiegend Frauen und zwar hier meist alleinstehende, alte, arme Frauen, die beschuldigt wurden.

Die damalige Rechtspraxis ließ die heutigen Zuhörerinnen erschauern. Ein Gerücht reichte zur Anklage, Folter war rechtens, ein Verteidiger fehlte, Freispruch war kaum möglich. Die Referentin stellte erschütternde Schicksale vor. Eine ganze Familie, auch eine geistig und psychisch behinderte Frau, landeten auf dem Scheiterhaufen. Warum ebbte die Verfolgungswelle schließlich ab? In Reutlingen war recht bald Schluss, als die Anschuldigungen sich nicht mehr nur auf Angehörige der Unterschicht erstreckten, sondern sich auf die städtische Führungsschicht ausweiteten. Aber auch echte Einsicht scheint gegriffen zu haben: Ein Reutlinger Bürgermeister bereute öffentlich, dass durch ihn so viele unschuldige Menschen hatten sterben müssen, so Ursula Göggelmann am Schluss ihres bewegenden Vortrags.

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