Frauen und Gewalt: Der Statistik ein Gesicht geben

"Mein wichtigstes Anliegen war, zu einem sehr hässlichen Thema etwas Schönes zu machen", sagte die Kuratorin Annette Schiffmann zur Eröffnung ihrer Ausstellung "Die Hälfte des Himmels" in der VHS.

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Kuratorin Annette Schiffmann nähert sich dem Thema Frauen und Gewalt auf ungewohnte Weise. Foto: VHS

Die Ausstellung im Haus der Volkshochschule ist bis 17. November zu sehen. Sie nähert sich dem Thema Frauen und Gewalt auf ungewohnte Weise. Mit liebevollem Blick portraitiert sie 99 Frauen mit und ohne Gewalterfahrung, heißt es in einer Mitteilung der VHS. Die Frauen kommen aus allen Lebenslagen und Berufsfeldern. Gebürtige Deutsche und Migrantinnen, Ärztinnen, Kosmetikerinnen, Studentinnen, Ordensschwestern, Rentnerinnen sprechen über weibliche Lebensrealitäten in Deutschland und schlagen dabei gemeinsam den Bogen über fast ein Jahrhundert Frauengeschichte.

Gesine Hungerland, die Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf, hatte die Ausstellung nach Reutlingen geholt und war froh über eine so positive Möglichkeit, dieses Thema darzustellen.

Die erste Frage aller Interviews: "Worauf bist du in deinem Leben stolz?" rückt in den Vordergrund, dass es darum geht, Frauen mit ihrer ganzen Persönlichkeit zu zeigen, die selbst dann nicht verschwindet, wenn sie zum Opfer von Gewalt werden. Oder wie eine Frau es ausgedrückt hat: "Es hat mich zwar verändert, was mir angetan worden ist, aber ich lasse mich nicht darauf reduzieren, ich bin ja mehr als meine Verletzung."

Irene Köpf vom Frauenzentrum belegte in ihrem Grußwort eindrucksvoll die Zahlen, die eine solche Ausstellung unverzichtbar machen - auch heute noch. Seit der Gründung des Frauenhauses vor 35 Jahren haben über 2000 Frauen und ebenso viele Kinder dort Schutz und Hilfe gefunden, weit über 6000 Frauen sind beraten worden. Doch Zahlen sind immer schwer vorstellbar. Der Ausstellung gelingt es, der Statistik ein Gesicht zu geben. 99 Frauenportraits und die Hör-Interviews auf Audioguides machen die Kraft, Verletzlichkeit, Wünsche von Frauen wahrnehmbar. "Bist du mit Gewalt in Berührung gekommen?" ist erst die vierte Frage. Und zum Schluss die schönste: "Was wünschen Sie sich von der guten Fee für unsere Mädchen und Jungen?"

Das 100. Exponat ist übrigens ein Spiegel. Die Besucher werden Teil der Ausstellung. Gewalt gegen Frauen geht alle an, sie ist ein gesamtgesellschaftliches Problem. Es könnte jede treffen - und es sollte keine sein.

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