Fragen über Fragen

Für 750 Gäste bestuhlt, waren die Pfullinger Hallen zur letzten Kandidatenschau auch zur Länderspiel-Halbzeit noch fast komplett besetzt. Da hatten die Bürgermeister-Bewerber noch einiges vor sich.

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Am Sonntag ist Bürgermeisterwahl. Die drei Kandidaten bei der Podiumsdiskussion (von links): Michael Schrenk, Dr. Horst Raichle und Sabine Lauffer.  Foto: 

Die Fragerunde der Pfullinger Bürger stand noch an: Rektorin Irmtraud Beck-Awwad von der Laiblinschule wollte wissen, wo bei all den Investitionen in Pfullingen die Grundschule bleibt. Eine Frage der Priorität, meinte Bürgermeisterkandidat Michael Schrenk, "da steht im Haushalt schon sehr viel drin". Der Posten Bildung und Betreuung wird der größte bleiben, das ist für Kandidatin Sabine Lauffer selbstverständlich. Wahlkämpfer Dr. Horst Raichle fand im Regelwerk der Moderatoren von VfL und Generalanzeiger, die das Podium zusammen auf die Beine gestellt hatten, lange keinen richtigen Platz. Den forderte er rotglühend ein.

Sieger Maier von IKuh fragte nach dem künftigen Stellenwert der Pfullinger Kulturwege: "Mir ist wichtig, dass sich Pfullingen mittelfristig zur Kulturstadt entwickelt", betonte Sabine Lauffer. Sie sieht Pfullingen als Festivalstadt mit touristischer Ausstrahlung, die auch Wirtschaftskraft anzieht. "In Pfullingen ist unheimlich viel geboten", hat Michael Schrenk pilgernd recherchiert, "mit dem neuen Kulturhaus werden die Ideen zunehmen." Unter seiner Regie könnte es in Pfullingen ein Kulturamt geben.

GAL-Gemeinderätin Sigrid Godbillon mahnt an: Ehrenamt und privates Engagement gibt es nicht nur unter dem Vereins-Dach. Sabine Lauffer hat die Idee eines Ansprechpartners für karitative Gruppen bei der Verwaltung. Auch Michael Schrenk will die Fäden bündeln. Für seine Einsicht, "dem Ehrenamt muss die Last genommen werden, die Verantwortung ist viel zu groß", erhielt der Herbertinger kräftig Applaus. Dabei denkt er an einen "gemeinschaftlichen Geschäftsführer", der bei der Stadt angesiedelt ist.

"Vereinsarbeit ist essenziell wichtig", sagte Schrenk, "beim Sportvereinszentrum kommt es auf das Votum der Vereinsmitglieder an." Es wäre ihr eine Ehre, den VfL mit ihren Wirtschaftskontakten in Verbindung zu bringen, reagierte Sabine Lauffer auf Drängen von Co-Moderator und VfL-Vize Hans-Georg Finkbohner. Sie möchte der Jugend im Rahmen einer "Mitmachkultur Verantwortung und Gestaltungsmöglichkeiten" geben. "Jugendarbeit und Kultur befruchten sich gegenseitig, auf Basis von Kreativität."

Ein Disco-Club in Pfullingen? "Warum nicht?", so Dr. Horst Raichle. Seine Bürger will er einmal im Jahr öffentlich zur Stadtentwicklung informieren. Ein Jugendgemeinderat sei in Pfullingen bereits auf einem guten Weg, versicherte Schrenk. Das Thema Kulturhaus in Kombination mit einem Jugendhaus könne für ihn Vorrang haben: "Das entscheidet nicht der Bürgermeister allein." Schrenk zur Bürgerbeteiligung: "Es gibt Instrumente in der Gemeindeverordnung. Die muss man nutzen. Das kann uns nur gut tun."

Die Gewissensfrage von Pfarrer Hermann Friedl von der katholischen Kirche an die konfessionslose Sabine Lauffer: Wie wird sich das Verhältnis ausgestalten? "Die Kirchen leisten eine sehr wertvolle Arbeit. Ich stehe zu hundert Prozent hinter den christlichen Werten." Michael Schrenk zum Pfullinger Dauerbrenner Tempo 30 vor Kindergärten und an Schulwegen: "Es sind auch die Bürger der Stadt, die hier zu schnell fahren. Tempo 30 ist in der Genehmigung kein Wunschkonzert." Sabine Lauffer: "Schützenswerte Bereiche müssen sein. Das muss auch kontrolliert werden."

"Der Bauhof muss bleiben", konterte Sabine Lauffer auf die Frage von Helmut Bachschuster. "Professionelle Strukturen im Tourismus" will sie durch Studierenden-Praktika aufbauen. "Irgendwann muss Schluss sein mit dem Abbau", argumentierte Michael Schrenk, "der Bauhof leistet unheimlich gute Arbeit, auch für die Vereine." Beim Tourismus macht er sich fürs Destinationsmarketing stark. Dr. Horst Raichle träumt in Serie von der Outlet-City im Echaztal mit Hotels, sternförmiger S-Bahn-Anbindung, gehobenem Erlebniswert und der Boomtown Pfullingen als Konsum-Wehr vor den nahen Metropolen. "Beim Tourismus müssen wir große Cluster bilden bis nach Stuttgart runter."

Philipp Wolter brachte das Thema Schuldenabbau auf den Tisch: Kandidatin Lauffer will den städtischen Haushalt "durch ein maßvolles Wachstum bei den Steuereinnahmen," sanieren. Was den Einzelhandel anbelangt, fehlt ihr "ein attraktives Angebot, das zum Bummeln einlädt". Sie möchte Schulter an Schulter mit dem Gewerbeverein an ausgewählte Unternehmen herantreten. Die Vakanzen will sie mit einer Leerstands-Offensive angehen. Die Revitalisierung der Brachflächen am Südbahnhof im Zusammenhang mit der Öffnung des Scheibengipfeltunnels will Sabine Lauffer über ihre Wirtschaftskontakte stemmen. "20 Millionen Euro Schulden sind relativ", stellte Michael Schrenk fest, "für das Geld ist in Pfullingen auch was geschaffen worden."

Schrenk denkt über eine eigene Internet-Plattform für gezielte Wirtschaftsförderung nach, flankiert von Betriebsbesuchen und einem intensiven Dialog. "Die Inflation wird unsere Schulden zahlen", prophezeit Dr. Horst Raichle, eine Schuldenbremse hält er für überholt. "Soziale Errungenschaften wollen finanziert werden." Raichle möchte "das Wissen, das an den Hochschulen in Tübingen, Stuttgart und Reutlingen generiert wird", in Pfullingen in Arbeitsplätze umgesetzt wissen und regt ein Gründerzentrum an.

Das Pfund des Diplomverwaltungswirts Schrenk ist die fachliche Autorität und die Emsigkeit, mit der er seinen Wahlkampf bei Vereinen, Interessensgruppen und Bürgern betreibt: "Du musst wissen, was auf der Straße passiert." Für den Sozialmediziner Dr. Horst Raichle ist Kommunalpolitik "Medizin im Großen". Er sieht sich als Vertreter der großen schweigenden Mehrheit. Die Wirtschaftsförderin Sabine Lauffer steht mit ihrer Management-Kompetenz für ein lebenswertes Pfullingen auch in Zukunft.

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