Flüssiges Spiel, füllige Klangpakete

Brüssel - Reutlingen - Paris: Das Lage Lund Trio ist derzeit auf Europatournee. Am Donnerstag machte es Halt im gut besuchten Pappelgarten.

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Grundlage ist und bleibt der Swing: Gitarrist Lage Lund.  Foto: 

Keine Schublade ist zu klein für die Fachwelt, die gerne nach Kategorisierung hechelt, wenn es darum geht, den atemberaubenden Stil des Norwegers Lage Lund zu beschreiben. Er gilt als einer der "feinsten Gitarristen seiner Generation". Und tatsächlich konzentriert der in New York lebende Jazzer seine explosiven Klänge und betont flüssige Gitarrenbehandlung deutlich auf den Swing.

Gemächlichen Schrittes schlappt der 37-Jährige auf die Bühne, lässt sich auf einen Barhocker fallen und nimmt sich erst einmal Zeit für das Stimmen seines Instruments. Dieses Instrument, das ihn schon seit seinem Studium an der Juilliard School of Music begleitet, wird an diesem Abend noch manches zu tun und zu hören bekommen.

Lage Lund wird das gute Stück nicht nur mit seinen wieselflinken Fingern bearbeiten, nein, er wird es auch streicheln und manchmal auch nur etwas darauf herumschrammeln. Er scheint mit seiner Gitarre im Geiste zu sprechen wie zu einer alten Freundin, er liebkost, aber tadelt sie auch, wenn sie sich wieder mal nicht so stimmen lässt, wie er will. Dann lächelt er.

Das Publikum spürt, das alles nur ein Spiel ist. Fast zwei Stunden lauschen die rund 80 Besucher konzentriert den variantenreichen Interpretationen, die tief in der amerikanischen Jazztradition wurzeln. Eigene Stücke von Lund - hauptsächlich seiner aktuellen CD "Idlewild" entnommen - wechseln mit Standardrepertoire.

Sein Ton ist klar, und die Melodiestrukturen werden in weiten Intervallen gesetzt. Wie er es schafft, die Konzertgitarre auch noch während des Spielens zu stimmen, bleibt sein Geheimnis. Mal trifft das balladeske "Novembery" auf das nervöse "Idlewild", dann wieder mündet traditioneller Swing in freie Improvisation. Ein beeindruckender Mix aus individuellen Solobeiträgen und homogenem Zusammenspiel.

Lage Lund und seine beiden Mitspieler harmonieren mit freundschaftlicher und ausgeklügelt arrangierter Eleganz. Bassist Matt Brewer glänzt mit kraftvollen Einwürfen, dann konzentriert sich das Ganze auf die rhythmische Feinarbeit von Justin Faulkner, der normalerweise die Schlagstöcke bei der legendären Branford Marsalis Band schwingt. Allerdings sei auch erwähnt, dass sich die feingliedrigen Arrangements allzu oft in voll beladenen Klangpaketen auflösen. Man muss sich hineinhören in diesen Wust aus Noten, erst dann offenbart sich dem Hörer ihr Geheimnis.

Manche bleiben auch nach einer Solozugabe noch eine ganze Weile sitzen. Selbst Lunds Gitarre liegt nun ganz still und vergessen auf der Bühne, erholt sich von ihrem Auftritt und denkt vielleicht schon über den nächsten in Paris nach.

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