Fliegende Lichtblasen, singende Roboter

Mediale Lichträume und pochende Clubbeats - das Duo Hammerhaus und Moritz Geists "Sonic Robots" waren zu Gast bei Fried Dähns und Thomas Maos' audiovisueller Reihe "Sonic Visions" im franz.K.

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Klingende Maschinen: "Sonic Robots" im Kulturzentrum franz.K.  Foto: 

In der Clubszene wird schon seit längerem gemunkelt, dass die Zeit des Techno sich dem Ende zuneige. Gebeutelt von Diskussionen über Kommerz und Müll beklagt sie den Ausverkauf ihrer musikalischen Ideale und erinnert sich wehmütig an den Beginn der 90er Jahre. Damals brachte elektronische Musik nicht die Masse zum Raven, sondern blieb Zuhörern des Underground vorbehalten.

Der Dresdner Moritz Geist hat aus dieser Not eine Tugend gemacht und den aus dem Industrial entwickelten Techno wieder zu seinen Wurzeln zurückgeführt. Dazu hat er aus Recycling-Material kleine Roboter aus elektromagnetischen Schaltern, Motoren, Festplatten und Magnetspulen gefertigt.

Mitten im Saal steht eine lange Tischplatte, auf der diese mechanischen Kunstwesen ratternde und hämmernde Sounds kreieren, die - möchte man sie mit irgendeinem Musikstil vergleichen - Techno- und Clubbeats am nächsten kommen. Visualisiert werden die Bewegungen dieser künstlichen Geschöpfe, indem sie mit Minikameras auf eine Leinwand projiziert werden. Moritz Geist nennt das im Gespräch mit den beiden "Sonic-Visions"-Machern "elektronische Musik ohne Elektronik".

Er versteht sich als Künstler, der mit eigenwilligen Maschinen-Sounds unterhält. Dabei wird nicht getanzt, sondern zugehört. Das Auffälligste an den Stücken ist, dass die pochenden Elektrobeats durch das Zusammenspiel von mechanischen Roboterärmchen, Effektgeräten, Mikrocontrollern und Magnetspulen erzeugt wird. Heraus kommt dabei ein sich langsam aufbauendes Soundgewitter aus bizarren Zivilisationsgeräuschen, verbunden mit rhythmischen und hämmernden Drumbeats. Basswellen rollen heran, eingespielte Stimmen und Sirenengeheul brechen sich in vielwandigen Rhythmuskammern, verhallen in dunklen Schächten und werden nur von den präzisen Beats der "singenden Roboter" in Schach gehalten. Das also ist die Initialzündung für Moritz Geists Musik: "Es wird nicht improvisiert, ich sage den Robotern genau, was sie machen sollen."

Während Geist mit Robotern tanzbare Clubbeats erzeugt, kommt die Musik des Stuttgarter Duos Hammerhaus aus analogen Loopgeräten und Computern. Kurt Laurenz Theinert (Visual Piano) und Axel Hanfreich (Sounds) illustrieren zum Auftakt in einer 45-minütigen Live-Performance, wie Computersysteme das VJing in den 90ern revolutioniert haben.

Programmierte Clubsounds und elektronische Klanggebilde treffen auf 360-Grad-Panorama-Projektionen, die als grafische Muster, bunte Linienelemente und fliegende Lichtblasen an die Wände des Saals und auf das Publikum selbst geworfen werden. Elektronische Musik ist auch hier der Ausgangspunkt, von dem aus die Beiden ihren Sound entwickeln. Dabei gibt es "keine technische Verbindung zwischen Klang und Visuellem", wie der Licht- und Medienkünstler Laurenz Theinert vor der Performance erklärt.

Dennoch erlebt das Publikum eine überwältigende Interaktion zwischen akustischem und optischem Echtzeit-Austausch, auf den Punkt gebracht und mit einer ganz eigenen Intensität.

Noch verstärkt wird diese fast schon rauschhafte Kraft durch den live eingesungenen Obertongesang von Axel Hanfreich. Eine Besucherin vergleicht die Wirkung dieser Performance danach "mit einem Joint, der ein wenig zu stark geraten ist". So, als hätte Piet Mondrian elektronische Musik gemalt.

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