Fit werden aus eigener Kraft

Gegen die Stimmen der zwei Linke-Räte befürwortete gestern der Kreistag die Eckpunkte des Zukunftskonzepts Kreiskliniken 2018. Bis dahin sollte das Klinikum an drei Standorten eine schwarze Null schreiben.

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Seit Herbst 2012 wird am Zukunftskonzept für die finanziell und wirtschaftlich kränkelnden Kreiskliniken gewerkelt. Basierend auf den drei Säulen der nach innen wirkenden Organisation, der modifizierten Medizinstruktur an allen drei Standorten und der vom Träger Landkreis als Gesellschafter geforderten Finanzhilfe wurde das Konzept einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Mehr noch, in einer Bürgerwerkstatt wurden ausgewählte Menschen eingeladen, sich intensiv in das Thema einzubringen. Das Ergebnis wurde Ende Januar in öffentlicher Kreistagssitzung in Dettingen/Erms vorgestellt.

Gestern nun die Entscheidung über das weitere Vorgehen. Gegen die Stimmen der beiden Linke-Räte Petra Braun-Seitz und Thomas Ziegler - sie befürchten gravierende Einschnitte für die Bevölkerung, sehen im Medizinkonzept den "Einstieg in den Ausstieg", kritisieren die Vernichtung von Arbeitsplätzen und die Lohnsenkungen bis zu 30 Prozent durch Auslagerung von Reinigungs-, Wäscherei- und Küchenbereich - befürwortete der Kreistag die Eckpunkte des Konzepts. In die weitere Umsetzung der Projekte werden die Empfehlungen der Bürgerwerkstatt einbezogen.

Für FWV-Fraktionschef Otwin Brucker ist sich der Kreistag im Prinzip bereits seit Mai 2013 einig über das Konzept, "das uns aus der wirtschaftlichen Misere führen soll". Allein im organisatorischen Bereich sollen rund 4,5 Millionen Euro generiert werden. "Hoffentlich gibt es keine weiteren Hiobsbotschaften", kommentierte er die Enttäuschung, dass es mit der Vergabe der Speisenversorgung (dazu unser Info) nicht geklappt hat. Die FWV stehe nachdrücklich zum Konzept, "wir wollen keine Schließung der kleinen Standorte, keinen Verkauf und keine Beteiligung privater Investoren - die Entscheidung über das Wohl und Wehe unserer Kreiskliniken soll ausschließlich bei uns liegen". Dafür sei man bereit, einen hohen Preis mit dem Ausgleich von rund 15 Millionen Euro zu zahlen. Nun müsse das Konzept zeitnah konsequent umgesetzt werden, erst "wenn das nicht zur schwarzen oder wenigstens roten Null führt, müssen wir über weitere Projekte nachdenken".

"Das ist ein Versuch, die Zukunftsfähigkeit der Kliniken anders als andere zu erreichen", sagte CDU-Fraktionssprecher Florian Weller, "es ist der Versuch, fit zu werden im Wesentlichen aus eigener Kraft". Nun komme es "auf die Motivation der Mitarbeiter, auf die Managementfähigkeit der Geschäftsführung und auf die Bürger als potenzielle Kunden der Kliniken an".

Für SPD-Fraktions-Chef Mike Münzing stehen nun nicht nur der Kreistag, sondern auch die Bürger und die überweisenden Ärzte in der Mitverantwortung, das Angebot wahrzunehmen. Gegenüber den Unikliniken seien die Kreiskliniken konkurrenzfähig, weil sie den Vorteil der Patientenorientierung vor der Apparatemedizin haben.

Grünen-Fraktionssprecher Michael Hagel ist auch "der genaue Blick auf die Beschäftigten und die Beschäftigtenrechte samt gerechter Bezahlung" wichtig.

"Jetzt sind wir gefordert, einiges zu tun, aber auch Bund und Land", betonte Dr. Carl-Gustav Kalbfell für die FDP, schließlich sei "Gesundheit eine gesamtstaatliche Aufgabe".

Bis Ende April, so der Auftrag jetzt an die Geschäftsführung, soll ein detaillierter Projekt-, Maßnahmen- und Zeitplan ausgearbeitet werden. Welches Team dann die Umsetzung angeht, ist offen. Der Vertrag von Kliniken-Geschäftsführerin Dr. Rafaela Korte läuft Ende Oktober aus. Gespräche über eine Verlängerung stehen an.

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