Finanzanreiz als des Pudels Kern

Politiker Thomas Bareiß informierte am Mittwochabend bei der Hauptversammlung von "Haus und Grund" in der Betzinger Kemmler-Halle über die Energiewende. Und über die Folgen für Wohneigentümer.

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Haus-und-Grund-Vorsitzender Uwe Alle (rechts) zeichnete langjährige Mitglieder aus. Foto: J.Blum

"Ohne Alternative? - Die Energiewende und ihre Folgen für Haus- und Wohnungseigentümer." So lautete der Titel des Vortrags von Thomas Bareiß am Mittwochabend in der Julius-Kemmler-Halle vor rund 180 Mitgliedern der "Eigentümerschutz-Gemeinschaft Haus und Grund Reutlingen und Region". Natürlich gebe es Alternativen, betonte der Koordinator der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für die Energiepolitik - China etwa nehme jede Woche ein Kohlekraftwerk in Betrieb, andere Staaten setzen ganz auf Atomkraft. Was aber bekanntlich nicht mehr Deutschlands Weg ist. "Ich muss zugeben, dass ich mich anfangs schwer getan habe, mit dem schnellen Ausstieg aus der Atomenergie", so Bareiß.

Jedoch sei die Erkenntnis gereift: "Wer die besten Energietechnologien anbieten kann, wird wirtschaftlich in den kommenden Jahren die Nase vorn haben." Was der Politiker anschließend erläuterte, war ein Plädoyer für die regenerativen Energien, wie sie auch ein Grünen-Politiker kaum anders vom Stapel gelassen hatte: Alles werde gebraucht - Windkraft, Biogas, Wasserkraft, Photovoltaik ebenso wie die Geothermie. Kurz vor Ende seines Referats kam Bareiß dann doch noch auf den Titel seines Vortrags zu sprechen, nämlich auf die Folgen der Energiewende für Haus- und Wohnungseigentümer. Das knappe Fazit des Energiepolitikers: Gebäudesanierung und Gebäudedämmung seien ebenso wichtig wie die Gewinnung der erneuerbaren Energie. Für die Häusles- und Wohnungsbesitzer müsse aber die Devise gelten, dass mit Zwang gar nichts erreicht werde. Finanzielle Anreize und steuerliche Abschreibungen im Verbund mit einer Novelle des Mietrechts seien hingegen des Pudels Kern. In diesem Punkt stimmte Bareiß mit seinem CDU-Bundestagskollegen Michael Hennrich überein: Der Vorsitzende des Landesverbands "Haus und Grund Württemberg" hob hervor, dass die zwangsweise "energetische Gebäudesanierung im Bestand" sich zu einem "Rohrkrepierer" entwickle. "Das muss die Landesregierung bestätigen", sagte Hennrich. "Wir brauchen bessere Rahmenbedingungen für die Gebäudesanierung mit steuerlicher Förderung." Ansonsten erläuterte der württembergische Landesverbandsvorsitzende die Notwendigkeit, den demografischen Wandel in der Wohnungswirtschaft zu begleiten: Mit der alternden Gesellschaft werde es immer wichtiger, seniorengerechte und barrierefreie Wohnungen zur Verfügung zu stellen. Ansonsten könnten die Immobilienbesitzer durchaus zufrieden und positiv in die Zukunft blicken, denn: Während vor vier Jahren, vor der Finanz- und Staatenkrise, die Skepsis überwog, in Immobilien zu investieren, sei das nun komplett anders. "Alles prima, alles läuft", sagte Michael Hennrich mit Blick auf eine Mietsteigerung von bis zu zehn Prozent.

Uwe Alle verwies in seinem Jahresrückblick auf gestiegene Mitgliederzahlen des Reutlinger Wohnungseigentümervereins: Rund 3400 waren es im vergangenen Jahr, der Vorsitzende von "Haus und Grund Reutlingen" hofft auf einen weiteren Anstieg auf 3500 im Jahr 2012. Bei zahlreichen Aktionen, Aktivitäten und Veranstaltungen wie dem Neigschmeckt-Markt oder auch dem Ferienprogramm sei "Haus und Grund" 2011 dabei gewesen. Und Uwe Alle betonte ebenfalls mit Blick auf die Gebäudesanierung: "Die Energiewende ist nicht durch Vorschriften zu erreichen."

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