Finale bei Musica Antiqua mit Alfred Gross

Eintauchen in Musik von einst auf dem "Parnasse Français": Das konnte man bei barocker Cembalomusik aus Frankreich, dargeboten von Alfred Gross.

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Die gotische Kapelle im Garten des Heimatmuseums - heimelig, heilig, barrierefrei - hat es den Konzertbesuchern angetan. Auch Alfred Gross selbst schätzt die Räume, umso mehr, nachdem er sie bei seinem Studienaufenthalt in Kalifornien vermisste: "Es ist dort alles da, nur solche Räume nicht, und es ist wichtig, unsere Räume zu bespielen." Mit alten Instrumenten beispielsweise, etwa dem Nachbau eines französischen Cembalos nach Blanchet, auf dem Alfred Gross in dieser zweiten Herbstmusik vier Größen der Pariser Cembalisten-Dynastie als Vertreter des "Parnasse Français" versammelte.

Die gängige Standardform war die Suite in diversen Varianten, drei davon bildeten das Programm: Suiten von Jacques Champion de Chambonnières, Jean-Philippe Rameau und Louis Couperin. Die gezierte Majestät des Königshofes spiegelte sich in der Suite (in D) von Jacques Champion de Chambonnières. Gemessenen Schrittes und luxuriös garniert mit Ornamentik, erfuhr sie unter Gross' kundigen Händen eine seriöse Interpretation im Spannungsfeld zwischen Extravaganz und formelhafter Gestaltung. Eine interessante Idee, hier das "Tombeau de Mr. de Chambonnières" von dessen Schüler Jean-Henri d'Anglebert anzuschließen, das den würdevollen Stil des Lehrers auf seine Weise kommentiert.

Alfred Gross machte wie gewohnt nicht den Virtuosen, sondern arbeitete für jedes Musikstück dessen Struktur und Eigenart heraus, so dass das aufmerksame Ohr den Entwicklungen der Musik sowohl in den Sätzen wie den Stilepochen folgen konnte. Der Sprung zu Rameau machte deutlich, was dessen Musik neu aufgenommen hatte: Sanglichkeit und Dramatik, nicht zuletzt aufgrund italienischer Einflüsse. Das höfische Stil-Korsett wurde gelockert, es eröffnete sich Spielraum für Neues und vor allem für zwar immer noch ausgeziertes, doch kantableres Melos, das Alfred Gross auf den Cembalo-Saiten klangvoll zum Singen brachte.

Zeitlich einen Schritt zurück ging es mit einer Suite von Louis Couperin (Onkel des "großen" François Couperin), eingeleitet von einem "Prélude non mesuré": Hier obliegt es dem Spieler, aus den ohne Takt und Rhythmus notierten Akkorden ein Vorspiel zu improvisieren.

Alfred Gross' Improvisation überzeugte als so ausschweifender wie stilechter Klangrausch mit einem (von Couperin komponierten) fugierten Kontrastabschnitt mittendrin. In den übrigen Sätzen verband er Kraft und Strenge zu einer schlüssigen Darstellung. Aufhorchen ließ die exzentrische Harmonik der Sarabande und - als gelungener Abschluss - die klangvolle Chaconne. Als Zugabe für das wieder intensiv mitgehende und lebhaft applaudierende Publikum hatte Gross eine Sarabande aus den Cellosuiten Bachs mitgebracht - ein klingendes Aha-Erlebnis. Für 2016 plant Gross ein Programm um Johann Jakob Froberger.

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