Fest der Sounds und Farben "Rendez-vous à Paris": Alliage Quintett im Reutlinger Kammermusik-Zyklus

Vier Saxophone, ein Klavier: Das ist die Besetzung des Alliage Quintetts. Es lud im Kammermusik-Zyklus zum "Rendez-vous à Paris" - und zwar mit einem unterhaltsamen, sympathisch moderierten Programm.

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Adolphe Sax, dessen 200. Geburtsjahr 2014 begangen wurde, erfand das Saxophon als Orchesterinstrument zur Verstärkung des Holz-Registers. Dass es später Karriere im Jazz machen würde, konnte er nicht ahnen. Aber er konstruierte das Holz-Blech-Mischwesen gleich en famille, so dass alle vier Tonlagen besetzt sind und sich die Quartettbesetzung anbietet.

"Alliage" heißt Legierung: Die Saxophone bestehen aus einer solchen, und das Quartett besticht auch durch homogenen Klang. Und durch ansprechende Optik: Sebastian Pottmeier und der Quintett-Gründer Daniel Gauthier an Bariton- und Sopran-Sax nehmen Professor Gauthiers Erfolgs-Studentinnen Magdalena Lapaj und Asya Fateyeva an Alt- und Tenor-Sax in die Mitte, am Flügel begleitet Jang Eun Bae. Die Herren moderieren gut gelaunt; die Damen halten sich - auch musikalisch - eher zurück.

"Der Saxophon-Klang ist wie ein Chamäleon", sagt Pottmeier. Diese Wandlungsfähigkeit demonstrieren die vier in ihrem Programm, das kreuz und quer durch die Stile mit Schnittpunkt Paris führt, teils mit, teils ohne Klavier. Was Rossini wohl zu der Saxophonfassung seiner Barbier-Ouvertüre gesagt hätte? Für "klassische" Ohren gewöhnungsbedürftig, zu Beginn noch etwas tremolierend und unpräzis, wird daraus bald ein Fest der Sounds und Farben mit quiekenden Highlights und sonoren Bässen.

Es gibt auch Originalwerke, etwa das "Petit quatuor pour saxophones" (1935) von Jean Françaix oder die "Sérénade" (1976) von Germaine Tailleferre - das eine ein witziges Stück, das die Qualitäten des Saxophons vom Gackern bis zum expressiven Gesang kontrastreich auslotet, das andere innig verschlungene Linienkunst und anmutiger Spitzentanz.

Den Löwenanteil nahm im ersten Teil eine Bearbeitung von George Gershwins "Ein Amerikaner in Paris" ein. Der mit Straßengeräuschen garnierte, originale Orchesterklang wurde - nur zu fünft! - in üppiger Farbigkeit verstärkt und zugespitzt, so dass klar wurde, was Gershwin 1928 in der Metropole gehört haben mag: Hupen, Scheppern, Straßentreiben, aber auch Anklänge an den Jazz, dessen starker Bigband-Sound sich in der Alliage-Interpretation ankündigte.

Waren im Programmheft nur Winter und Frühling aus Astor Piazzollas "Cuatro estaciones porte·as" angekündigt, durfte man beim Auftritt alle Jahreszeiten durchleben. Nicht ganz so kantig und schlüssig wie im Original, dafür kontrastreicher: Ein Herren-Duett wechselte mit Damen-Soli, harte Rhythmen mit weicher, geschmeidiger Tongebung.

Ausgerechnet eine der "Gymnopédies" (die erste) von Eric Satie hat sich das Saxophon-Quartett vorgenommen - ein zartes Klavierstück, mit dem die vier Saxophonisten ihre exzellente Technik in Form ausgefeilter Piano-Kultur demonstrierten. Mit berührender Sanftheit bildete dieses Stück einen Ruhepunkt vor dem grandiosen Finale, einer Rhapsodie über Bizets "Carmen".

Auf in den Kampf, Torero! Hier entfachten die fünf Musiker(innen) mit staunenswerter Klang-Wandlungsfähigkeit ein Feuerwerk der Farben und Stimmungen. Jawohl, das Saxophon "kann" martialisch (es wurde früh für Militärmusik eingesetzt), es bezaubert mit unschuldigem Liebreiz, es tanzt, betört mit rauer Sinnlichkeit und magischer Verlockung. Das Quintett steigerte sich in beste Spiellaune, es sprühte vor Spielwitz, entfachte Glut mit spanischen Rhythmen, riss mit, die Luft wurde heiß im Saal - und das jubelnde Publikum ließ die fünf erst nach zwei Zugaben ziehen.

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