Fenster aus der Dolmetsch-Ära strahlen wieder

Spätestens zum Weindorf präsentiert sich die Südseite der Marienkirche in neuem Glanz. Vor allem die sanierten Fenster werden dann wieder strahlen.

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Dass diese ganz besondere Altbausanierung nicht billig wird, wussten die Verantwortlichen  um Kirchenpfleger und Verwaltungsstellenleiter Herbert Märkle schon vorher. 370?000 Euro sind im Haushalt für den Unterhalt der Marienkirche jährlich vorgesehen. Allein die aktuell laufenden Arbeiten an den Fenstern der Südseite samt begleitender Steinmetz- und Schlosserarbeiten inklusive Gerüststellen innen und außen  schlagen mit rund 225?000 Euro zu Buche.

Doch die grundlegende Sanierung war dringend erforderlich. Bereits im vergangenen Jahr wurde bei eingehenden Untersuchungen festgestellt, dass die historischen Bleiglasfenster, mit der mittelalterlichen Schwarzlot-Technik konturierte mundgeblasene farbige Glasscheiben, durch die Sonneneinstrahlung und die damit einhergehenden hohen Temperaturunterschiede stark in Mitleidenschaft gezogen waren. Die aus der letzten großen Renovierung unter Oberbaurat Heinrich Dolmetsch stammenden Fenster wiesen zahlreiche kleine Risse und „Beulen“ auf. Es bestand sogar die Gefahr, dass bei starkem Sturm die Fenster aus den Jahren 1896 bis 1901 vollends zerstört werden könnten.

Architekt Albert Hörz vom Reutlinger Büro Riehle + Assoziierte wurde mit der Planung dieser sensiblen Arbeiten betraut. Über das Know-how für eine derart komplizierte Glassanierung verfügen in Deutschland gerade mal zehn Firmen, vergeben wurden die Arbeiten an den Münchner Spezialisten van Treeck. Erstaunlicherweise liegen solche Restaurierungen überdurchschnittlich oft in Frauenhand, berichtet Hörz: „Die verfügen einfach über die notwendige Präzision und Liebe zur Materie.“ Auch auf dem aufwendigen Innen- und dem Außengerüst an der Südseite der Kirche tummeln sich vier Spezialistinnen.

Abschnittweise wurden die sieben Fenster, bestehend aus bis zu 30 einzelnen Elemente, ausgebaut und in die Werkstatt in der bayerischen Hauptstadt gebracht. Dort wurden sie gereinigt, beschädigte Lötstellen in der Bleifassung repariert, defekte Gläser entweder geklebt oder ersetzt. Jedes Element bekam dann einen stabilen Messingrahmen und ringsherum einen Bleistreifen. Der soll den Spalt zum Mauerwerk abdichten, denn die historischen Fenster werden etwas nach innen versetzt. An ihrem ursprünglichen Platz wurde in Absprache mit dem Landesdenkmalamt eine Schutzverglasung vorgesetzt, sodass die restaurierten alten Fenster nicht mehr direkt Wind und Wetter ausgesetzt sind.

Auch die alten Fenstergitter wurden restauriert und transparente Edelstahlnetze davor gesetzt. Einige Elemente sind zu öffnen, statt Seilzügen übernehmen das nun kleine Elektromotoren, die mit Temperatur- und Feuchtigkeitsfühlern und der Heizung gekoppelt sind. Durch diese Lüftung wird die Bildung von Schimmel hinter der Schutzverglasung verhindert.

Die beiden Rosetten befanden sich in besserem Zustand, sie benötigen keine Schutzverglasung. Weil ihr Ausbau zu aufwendig gewesen wäre, wurden sie direkt vor Ort restauriert. Stolz ist Hörz darauf, dass „über 99 Prozent des Glasbestandes wieder verwendet werden konnten“. Damit sind die Fenster aus dem 19. Jahrhundert komplett erhalten. Ältere Fenster hat die Marienkirche nicht, sie wurden beim Stadtbrand 1726 komplett zerstört.

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