Fast wie im Kasperltheater

Mozarts "Zauberflöte" hat schon viel mitgemacht, auch in der Region: Wind und Regen im Naturtheater, Klamauk und Parodie auf der Bühne. Die Prager Kammeroper zeigte nun eine Kinderfassung in der Listhalle.

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Zauberflöte in der Listhalle. Foto: eck

Diese Aufführung schien tatsächlich kindgerecht zu werden; zumindest war in der Listhalle das ansteigende Zuschauerpodium aufgebaut. Was allerdings fehlte, war das Orchester: Dieses wurde ersetzt durch einen Keyboarder und eine Flötistin für die Zauber-Melodien.

Die Vermittlung zwischen dem Werk und den zahlreich herbeigeströmten Zuhörern jeden Alters übernahm Melinda Thompson, eine ausgebildete Opernsängerin, die die "Zauberflöte" als "Legende" nacherzählte. Als Priesterin "Isira" führte sie klar und lebhaft erzählend durch die Handlung, beteiligte sich zwischendurch auch daran, vor allem aber bezog sie die Kinder aktiv mit ein - fast wie im Kasperltheater, mit dem Mozarts Zauberoper ja verwandt ist.

"Wer weiß, was eine Oper ist?" Das erfuhr das junge Publikum hier, wenn auch - leider - ohne Orchester. Gebannt folgte es dem gesungenen Geschehen auf der Bühne unter Waldkulissen und vor einem Märchen-Tempel. Die Hauptdarsteller dieses Abends erwiesen sich als sehr präsent, vor allem Papageno (Tomá Bartunek). Der mimte den fröhlich herumhüpfenden Naturburschen, Pamina (Lucie Broiková) eine liebliche, gefühlvolle Prinzessin mit langem Blondhaar. Tamino (Thomas Andersson) war ein stimmlich zwar indisponierter und wohl deshalb auf die berühmte "Bildnis-Arie" verzichtender, doch ehrbarer Tamino.

Die beiden Gegenspieler Sarastro und Königin der Nacht wurden von Petr Poldauf mit sonorer Bass-Würde und von Anna Todorová herrlich böse und triumphal verkörpert; die extremen Koloraturen meisterte sie tadellos.

Anders als in der "Erwachsenen-Oper" war den Hauptfiguren ein kleines Dreier-Ballett beigesellt, das als Schlange, gezähmte Raubtiere oder Tempeltänzerinnen die Sänger umtanzte; dafür entfielen die "drei Knaben". Mozarts "drei Damen" jedoch waren dabei, sie beeindruckten mit ausgezeichnetem Ensemblegesang, und eine von ihnen (Marianna Pillárová) verwandelte sich am Ende in eine herzerfrischenden Papagena.

Überhaupt wurde mit der erwähnten Ausnahme gut gesungen, zwar mikrophon-verstärkt, doch natürlich im Klang und einigermaßen verständlich in der Aussprache. Ein musikalischer Höhepunkt: Paminas Arie "Ach, ich fühls", trotz E-Piano-Begleitung ausdrucksvoll und anrührend. Bei aller Routine prägte lebhafte Spielfreude die Aufführung, die reichlich Spannung und Dramatik, Jux und Tollerei bot und - während "Isira" erzählte - pantomimisch ergänzt wurde. Es krachte der Donner, die Prinzessin fiel in Ohnmacht, Monostatos (Bohdan Petrovic) schwenkte die Hüften, und die Königin der Nacht hob drohend die dunkel beschleierten Arme, um der Hölle Rache zu beschwören.

Mit Ernst und Würde betreute Sarastro die ungleichen Prüflinge Tamino und Papageno. Dessen Bestehen wurde dem Publikum anheim gestellt: "Genügt ein gutes Herz?" - "Ja!" riefen alle. Sein Leben wurde gerettet durch den Zuruf der Kinder, und am Ende bekam er doch noch seine Papagena und besang mit ihr vergnügt die "lieben kleinen Kinderlein" (auch die im Saal). Liebe, Freundschaft und Vergebung siegen, auf der Kulisse geht die Sonne auf, und am Ende dürfen alle jubeln und mitklatschen. Eine Prüfung besteht auch Wolfgang Amadé Mozarts Musik. Sie hält nicht nur Klamauk und Parodie aus, sondern auch gekürzte Aufführungen mit Keyboard. In der Pause sang ein kleines Mädchen ganz allein die Arie der Königin vor sich hin. . .

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