Experiment mit viel Potenzial

Naturraumverbindung über Kontinente hinweg - ein einmaliges Projekt im Ländle. Know-how-Transfer und Erfahrungsaustausch zwischen Reutlingen und Ulundi sollen im Nachhaltigkeitsdialog stattfinden.

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Die Delegation aus Ulundi (Südafrika) mit den Gastgebern beim Empfang im Landratsamt. Foto: Anne Leipold

Eine Umweltpartnerschaft über Kontinente hinweg. Ist das möglich? Eine Naturraumverbindung zweier Regionen, Reutlingen und Ulundi, zwischen denen über 9200 Kilometer liegen? Es sei ein Experiment, sagt Landrat Thomas Reumann. Gute Chancen räumt Claus-Peter Hutter, Präsident von Nature Life, dem Vorhaben ein, denn Natur kenne keine Grenzen, sei darüber hinweg vernetzt, das demonstrierten die Zugvögel zweimal im Jahr.

Ulundi liegt in der Provinz KwaZulu-Natal, die seit 1996 Baden-Württembergs Partnerregion ist. Und hier liegen die südafrikanischen Biosphären: Das Weltnatur-erbe Greater St. Lucia Wetland Park und das Naturreservat Umfolozi-Park. Über diese Verbindung traten das Landratsamt, die Stiftung Nature Life sowie Umweltingenieur und Afrikakenner Ulf Doerner mit der Region Ulundi in einen Nachhaltigkeitsdialog. Jetzt war eine dreiköpfige Delegation aus Ulundi für drei Tage zu Besuch in Reutlingen: Bürgermeisterin Johanna Njingase Manana, Managerin Prinzessin Sbuyiselwe Angela Buthelezi und Verwaltungsdirektor Godfrey Nkosenye Zulu. "Die Akzeptanz hängt davon ab, ob es für die Menschen einen spürbaren Vorteil gibt", erläuterte Reumann den gemeinsamen Anknüpfungspunkt. "Nützen durch schützen" lautet das Motto zum Biosphärengebiet Schwäbische Alb, während das Weltnaturerbe und Naturreservat in Ulundi aus den Erträgen beispielsweise in medizinische Versorgung und Schulen investiert. Daran knüpft sich die Überlegung, wie die Gebiete in Wert gesetzt werden können. Unter ökologischen, ökonomischen und sozialen Aspekten wird der Nachhaltigkeitsdialog geführt, denn Umwelt, Naturschutz, Wirtschaft und Soziales greifen beim Thema Nachhaltigkeit ineinander. Know-how-Transfer und Erfahrungsaustausch auf Augenhöhe, überschreibt es Reumann. Ziel ist es, "konkret projektbezogen in kleinen Schritten voranzugehen", so der Landrat, "wir wollen mit ganz konkreten Projekten und Maßnahmen diesen Nachhaltigkeitsdialog führen." Ansetzen wird man zuerst im Bereich Soziales. Mit der Firma Rieber und der Kreisklinik als erste Partner sollen Küchenmodule, medizinische Geräte, Betten und Verbrauchsmaterial per Lufthansa nach Ulundi gebracht werden. Für den genauen Bedarf besuchte die Delegation die Firma Rieber und sprach mit Verantwortlichen der Klinik. Kein willkürlicher Ansatz. 2010 besuchte eine Reutlinger Delegation Ulundi und informierte sich über Bedarf und Ansatzpunkte für Nachhaltigkeitsprojekte, suchte nach Möglichkeiten für einen Dialog. Gerade auf sozialer Ebene zu beginnen, sieht Hutter als den richtigen Weg, denn "wenn es an vielem fehlt, kann beides nicht greifen". Es sei ein Experiment mit viel Potenzial, ist Hutter zuversichtlich.

Hierbei handelt es sich aber nicht um eine formelle Partnerschaft, sondern um eine freundschaftliche Verbundenheit, besiegelt mit einer Urkunde im Landratsamt. Es werden ganz neue Wege beschritten, die auf Interesse stoßen, so kamen zur Überreichung Abgeordnete, Regierungspräsident, Bürgermeister, Kreisräte sowie Vertreter von Behörden und Wirtschaft.

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