Es platzt aus allen Nähten

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50 000 Besucher pro Jahr, fast 300 Veranstaltungen, ein Haushalt von round about 1,25 Millionen, ein überdurchschnittlich hoher Eigenfinanzierungsanteil (um die 60 Prozent) – das franz.K läuft und boomt und brummt. Kein Mensch hätte das so gedacht, als das soziokulturelle Zentrum Ende 2008 seine Pforten öffnete.

Denn zuvor hatte es langwierige 25 Jahre gedauert, bis der Traum eines solchen Zentrums endlich wahr wurde, für den sich das 1983 gegründete Cafe Nepomuk von Anfang an einsetzte.

Inzwischen bereitet das Team um Geschäftsführer Andreas Roth den fünften Geburtstag vor. Der will gefeiert werden – angedacht ist dazu seit längerem ein Open-Air-Festival. Wie auch immer: Das soziokulturelle Zentrum – 2006 als eine der drei Säulen in Reutlingens Kulturkonzeption ausgerufen (neben Stadthalle und Theaterzentrum) – gilt mit seiner Erfolgsstory heute als unumstritten. Selbst das anfangs noch skeptische „bürgerliche Publikum“, sagt Andreas Roth, „hat seine Schwellenangst abgelegt“.

Der Trägerverein zählt nun über 320 Mitglieder, auch der Förderverein floriert, der Ende 2012 als Reaktion auf die intensivierte Landesförderung soziokultureller Zentren formiert wurde. Insgesamt umfasst das franz.K-Team 25 Mitarbeiter, der engere Kreis teilt sich 7,8 feste Stellen. Um mit dieser Personalstärke ein solches Programm mit fast 300 Veranstaltungen pro Jahr und allem Drum und Dran organisatorisch zu stemmen, „braucht’s eine große Portion Enthusiasmus“, wie Claudia Heldt es formuliert.

Doch den spüren die Künstler, auch die Aufbruchstimmung, die das franz.K mit seinem breit gestreuten Publikum vermittelt. Der Deutsch-Rapper Casper, die Schweizer Songwriterin Sophie Hunger, die belgische Polit-Hardcore-Band Nations of Fire – sie alle sind bekennende franz.K-Fans.

Auch Gruppen wie Sportfreunde Stiller, deren Karriere längst bei Arenen gelandet ist, halten dem franz.K die Treue - indem sie nun halt als warm-up zu ihrer großen Tournee vorher in Reutlingen vorbeischauen. „Ein schnuckeliges kleines Hällchen“ habt ihr da, meinte der Techno-Musiker Gregor Tresher neulich übers franz.K.

Das Publikum kommt großteils aus dem Raum Reutlingen-Tübingen, den beiden Landkreisen, längst aber auch aus dem Zollernalbkreis und der Nürtinger-Kirchheimer Gegend. Markant ist, dass sogar aus Stuttgart einige Leute hier her fahren – bei Sophie Hunger etwa waren es rund 50 Fans aus der Landeshauptstadt. Denn das famose franz.K-Programm hat sich überregional herumgesprochen. Die Weltmusik-Reihen sind geradezu ein „Alleinstellungsmerkmal“ des franz.K geworden, aber auch im Rockpopjazz-Bereich bietet es immer wieder exquisite Glanzlichter. „Vielfalt, aber kein Allerlei“ hieß der Anfangsslogan. Der gilt im Grunde bis heute noch.

Doch eins ist klar: Bei einer derartigen Publikumsresonanz (2009 waren es 40 000, 2012 schon fast 50 000) ist nun die „Grenze des Machbaren“ erreicht, sagt Roth. Immer mehr, immer höher, immer größer: Ein derartiges Endlos-Wachstum ist weder angestrebt noch mit vorhandenen Mittel- und Personal-Ressourcen realisierbar.

Denn längst ist die Situation so: Das franz.K „platzt aus allen Nähten“, sagt Andreas Roth. Gut, bei wirklich großen Publikumsbringern wie Al Di Meola oder Hagen Rether muss das Kulturzentrum auch in Zukunft in die Stadthalle ausweichen. Doch das ist – bei den Mietpreisen der Stadthalle – finanziell nur mithilfe der Vereinsförder-Angebote der Stadt finanzierbar. Die aber sind begrenzt, und „sonst können wir uns die Stadthalle nicht leisten.“

Kurzum, „wir sind am Rande der Kapazität angelangt“, sagt Karl Grüner: „Viel mehr geht nicht.“ Auch räumlich wird es zunehmend eng. Andreas Roth konkretisiert: „Wir brauchen einen Anbau“, rund 25 Quadratmeter groß, zweistöckig – „Platz wäre da.“

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