Es ist nie genug

Über Romy Schneider, Autismus, das Nirvana, Sterbebegleitung oder Schillers "Räuber" in der Box: Beim fünften "Monospektakel" der Tonne mit sieben Beiträgen ab 22. Januar gibt's wieder viel zu erzählen.

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Um dem Monolog als spezieller Theaterform eine Bühne zu geben, veranstaltet die Tonne nun schon im fünften Jahr ihr Festival "Monospektakel". Das hat nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Künstlern einen so guten Ruf erarbeitet, dass viele mitmachen wollen und sich bewerben. Und so sind auch dieses Jahr wieder Produktionen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum zu sehen, alte Bekannte, aber auch ganz neue KünstlerInnen.

Neu setzt sich auch jedes Jahr die kunterbunte Jury zusammen, die bewusst nicht mit Theaterprofis besetzt wird, sondern aus Theatergängern, und so ist auch dieses Mal jeweils jemand vom Theaterverein, vom Tonne-Jugendforum, aus der integrativen Theatergruppe dabei, so wie ganz normale TheatergängerInnen. Zu gewinnen gibt's wieder den Tonne-Oscar: eine Skulptur namens "Tonnella".

Den Auftakt gestaltet am Donnerstag, 22. Januar, Chris Pichler aus Wien mit ihrem biographisch-dokumentarischen Stück "Romy Schneider", deren "zwei Gesichter" sie beleuchtet: Karriere und Privatleben. Den "Sissi"-Mythos konnte Romy Schneider ja nie ganz abschütteln, obwohl sie in Frankreich versuchte, ganz andere Rollen zu spielen, was man ihr in Deutschland wiederum übel nahm. Auf der anderen Seite stehen ihre zahlreichen Affären, Süchte und Schicksalsschläge, die Chris Pichler mithilfe zahlreicher Original-Quellen kommentiert. Wer noch Karten für dieses Stück will, sollte sich schleunigst ranmachen, meint Tonne-Dramaturgin Sandra Omlor. "Romy Schneider" ist offenbar heute noch sehr beliebt.

"Es hackt" heißt dann am Freitag, 23. Januar, der nächste Beitrag mit Jan Mixsa aus Berlin, der in seiner One-Man-Show einen kleinen Ausverkauf ostalgischer Gegenständen vornimmt. Um an Geld für eine Therapie zu kommen, versteigert sein Protagonist skurrile Erinnerungsstücke aus DDR-Zeiten und erzählt damit auch ein klein wenig ostdeutsches Zeitgeschehen, und zwar "mit viel schwarzem Humor".

Weil Jan Mixsa gerade da ist, zeigt er am selben Tag, 16 Uhr, auch noch sein Mitmach-Kinderstück "Fritz Rasselkopf", das außer Konkurrenz läuft und in dem er aus allem, was er an Töpfen, Sieben und anderem Krachmachzeug auftreibt, Blechmonster bastelt. Für Klassiker- und Popmusik-Fans spielt Bridge Markland, die beim "Monospektakel" auch schon mit Goethes "Faust" lustige Sachen trieb, am Samstag, 24. Januar, Schillers "räuber in the box", die sie mithilfe von diversen Ken-Puppen aus der Barbie-Welt zum Besten gibt und dabei Schillers altehrwürdigem Text jede Menge Pop-Songs unterjubelt.

"Paula" wiederum heißt das Tanztheaterstück der Editta Braun Company aus Salzburg, das am Sonntag, 25. Januar, zur Aufführung kommt. Inspiriert ist das Stück von den beiden Romanen "Die Wand" und "Ein Gott der Frechheit", es geht um Einsamkeit, Begrenzung und Unbehaustsein. Ein Gewirr aus Metall bestimmt das Bühnenbild. Und Iris Heitzinger wird tanzen.

"Ben X" von Nic Balthazar am Donnerstag, 29. Januar, ist ein noch ganz "frisches" Stück, das erst Ende 2014 seine Deutschsprachige Erstaufführung hatte. Es handelt von einem autistischen Jungen, der vor lauter Ausgrenzung und Mobbing sein Heil in der virtuellen Welt der Onlinerollenspiele sucht.

Die Produktion kommt aus Hannover, Jonas Vietzke spielt den Jugendlichen, Karin Drechsel führt Regie, sie wird auch das Tonne-Sommertheater inszenieren: "Glaube, Liebe, Hoffnung".

Das "Nirvana sehen" kann man am Samstag, 31. Januar, bei Meyer & Kowski aus Hamburg, die mit ihren Doppelmonologen schon mehrfach Tonne-Gäste waren. Regisseur Marc von Henning hat bereits den Ruhrfestspielbeitrag der Tonne 2014 inszeniert, und mit dem "Houdini-Gen" gewann er im Vorjahr die begehrte "Tonnella".

Dieses Mal schlüpft die Schauspielerin Ute Hannig - prägendes Ensemblemitglied unter Friedrich Schirmer am Staatsschauspiel Stuttgart und bis heute am Schauspielhaus Hamburg - nacheinander in die Rolle zweier Frauen, die beide Extremes erleben: ein berühmte Gehirnerforscherin hält einen Vortrag darüber, wie sie an sich selbst die Folgen eines Schlaganfalls erforscht, die andere Frau bekommt im Krankenhaus gerade beide Beine amputiert.

Ums Leben am Rande des Todes geht auch Petra Afonins Theater- und Chanson-Abend "Es ist nie genug" am Sonntag, 1. Februar, in dem das "Sterben - Begleiten - Zurückbleiben" thematisiert wird, Susanne Hinkelbein wird die Vorpremiere (die eigentliche Premiere findet in Bochum statt) am Klavier begleiten.

Teilnehmer und "Tonnella"-Bewerber im Überblick

Festival "Monospektakel V" am Tonne-Theater

Reutlingen - von 22.

Januar bis 1. Februar.

· Donnerstag, 22. Januar, 20 Uhr, Planie 22 Reutlingen: "Romy Schneider" von Chris Pichler;

· Freitag, 23. Januar, 16 Uhr, Spitalhof: "Fritz Rasselkopf" von Jan Mixsa für Kinder ab vier Jahren (Beitrag außer Konkurrenz);

· Freitag, 23. Januar, 20 Uhr, Spitalhof: "Es hackt" von Jan Mixsa;

· Samstag, 24. Januar, 20 Uhr, Planie 22: "räuber in the box" Bridge Markland;

· Sonntag, 25. Januar, 18 Uhr, Planie 22: "Paula" mit der Editta Braun Company Salzburg;

· Donnerstag, 29. Januar, 20 Uhr, Planie 22: "Ben X" (DSE) von Nic Balthazar;

· Samstag, 31. Januar, 20 Uhr, Planie 22: "Nirvana sehen" Meyer & Kowski;

· Sonntag, 1. Februar, 18 Uhr, Spitalhof: "Es ist nie genug" von Petra Afonin.

Karten Telefon: (07121) 93770, www.theater-reutlingen.de.

SWP

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