Es gibt keine einfachen Lösungen

"Diakonie und Politik im Gespräch" lautete der Titel beim alljährlichen "Forum Diakonie". Neben Referent Mark Terkessidis sprachen auch Betroffene selbst zur Flüchtlingsfrage auf dem Podium.

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Auf dem Podium (von links): Michael Donth, Dolmetscherin Sigrid Godbillon, Ibrahim Karkour, Alieu Fatty, Moderator Thomas de Marco und Dorothea Scholl.  Foto: 

Eine Regierungskrise wegen der Flüchtlingsfrage? Ja, und zwar, weil die deutsche Regierung nicht merkte, dass in Syrien seit Jahren Krieg herrscht. Dass in Jordanien, in der Türkei und im Libanon Flüchtlingslager völlig überfüllt sind und die Länder "schon länger Überforderung gemeldet haben", sagte der Psychologe, Journalist und Migrationsforscher Mark Terkessidis. Am Freitag war er zu Gast im "Forum Diakonie" im Hohbuch-Zentrum und berichtete den anwesenden Gästen aus Diakonie, Kirche und Politik über die "Willkommenskultur zwischen Engagement und Rassismus".

Terkessidis sagte dazu: "Die ehrenamtlich Engagierten erwarten einen Plan von der Regierung, wie wir künftig mit Flüchtlingen umgehen sollen - es gibt aber keinen Plan." Der sei jedoch dringend erforderlich, "sonst gehen die Engagierten irgendwann nach Hause". In Deutschland gebe es momentan zwei Haltungen: Die eine sei geprägt von Kanzlerin Merkel, die die große Zahl der Flüchtlinge als Herausforderung betrachte. Die andere mache sich Horst Seehofer zunutze, der populistisch behaupte: "Notstand braucht Notwehr." Die "Obergrenzen-Idee, die Mia-san-mia-Haltung" sei völliger Blödsinn, "wir brauchen eine Demokratisierung der Grenzen, mit klaren Regeln", forderte Terkessidis.

Wolfgang Budweg vom "Forum Diakonie" hatte zu Beginn der Veranstaltung hinterfragt, dass einige Menschen in Deutschland derzeit befürchten, "die Werte des christlichen Abendlandes" seien in Gefahr. Statt Zäune zu ziehen, sollten sich alle Deutschen daran erinnern, was der Heilige Martin als Beispiel vorgelebt habe, so Budweg. Auf dem Podium waren am Freitagabend Betroffene des Themas "Flüchtlinge", zum einen Alieu Fatty, 33-jähriger Lehrer aus Gambia, der verhaftet und dann des Landes verwiesen wurde, nachdem er sich für Homosexuelle eingesetzt hatte. Er wisse nicht, ob sein Asylantrag anerkannt werde, gerne würde er in sein Land zurückkehren, momentan sei das aber nicht vorstellbar. Ohne Gefahr für ihn. Wenig Chancen auf Rückkehr hat auch Ibrahim Karkour, syrischer Flüchtling, 35 Jahre. Der Französischlehrer äußerte herzliches Beileid für die Opfer des Terroranschlags in Paris, aber: "So was haben wir in Syrien jeden Tag." Schwierig sei es für ihn in der Theodor-Heuss-Turnhalle, in der er zurzeit untergebracht sei. "Da sind 130 Menschen, ich kann dort nicht so gut schlafen", betonte Karkour. Dorothea Scholl aus Gomadingen engagiert sich zusammen mit rund 80 weiteren Ortsansässigen für die mehr als 120 Flüchtlinge im Feriendorf. "Die Frage muss nicht heißen, warum ich mich engagiere, sondern warum sollte man sich nicht engagieren", sagte die Telekom-Projektmanagerin.

"Die Welt ist in Bewegung, Flüchtlinge sind für uns als Gesellschaft eine Chance", so Scholl. Mit Leidenschaft engagiere sie sich für die Asylbewerber. "Nach dem Anschlag in Paris, waren unsere Flüchtlinge entsetzt, wir haben eine gemeinsame Aktion auf dem Friedhof am Volkstrauertag gemacht." Wenn es doch mal Probleme zwischen syrischen Jesiden, Schiiten, Sunniten oder Kurden gebe, legen wir ihnen den Artikel 3 des Grundgesetzes auf den Tisch", schmunzelte Schott. Michael Donth (CDU/MdB) äußerte Verständnis für die andere Seite: "Ich kann verstehen, dass die Deutschen Angst haben und sich einfache Lösungen überlegen." Aber: So einfach funktioniere die Welt nun mal nicht.

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