Erstes Hochschulkonzert in der Stadthalle

"Hochklang" heißt die neue Konzertreihe, die nun Orchester der Musikhochschulen des Landes in der Stadthalle präsentiert. Erster Gast: das HochschulSinfonieOrchester Stuttgart unter Leitung von Per Borin.

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Solo für zwei Hörner: Felix Baur und Deborah Brehm. Foto: Susanne Eckstein

Als die "Hochklang"-Reihe konzipiert und genehmigt wurde, konnte keiner wissen, dass zwei der beteiligten Musikhochschulen in ihrem Bestand bedroht sein würden. Umso deutlicher das Zeichen, das damit gesetzt wird. Den Anfang machte das Orchester der Musikhochschule Stuttgart, seit 2000 dirigiert von Prof. Per Borin, der auch die Kapellmeisterklasse der Hochschule leitet, als erstes auswärtiges Orchester im akustisch exzellenten Großen Saal.

Ob nun "Hochschule" oder "Hochgefühl" Pate gestanden haben für den Titel - hoch war auf jeden Fall die gebotene Qualität, etwas schwächer der Zulauf des Publikums, bei dem sich die Attraktion wohl noch herumsprechen muss.

Ein beliebter "Aufreißer" ist Leonard Bernsteins Ouvertüre zu "Candide": Hier kann ein Orchester zeigen, wie sicher es die Achterbahnfahrt der gegeneinander anspielenden Gruppen meistert. Wie eine Eins gingen diese in die Kurven, unspektakulär geleitet von Dirigent Per Borin, dem offenbar Präzision und Präsenz oberstes Gebot sind. Der volle Tuttiklang glühte geradezu vor Spielfreude.

Wie auch anderswo hat die Fluktuation in den jungen Orchestern den Nebeneffekt, dass diese die Partituren immer wieder neu angehen. Ihre Neugier führt sie aber auch zu komponierenden Altersgenossen, in diesem Fall zu der Engländerin Sophie Pope und zu dem Frankokanadier Symon Henry, von denen Werke uraufgeführt wurden, jeweils für zwei Hörner und Orchester, wobei die Hörner eng ins Geschehen eingebunden sind.

Solisten waren Felix Baur und Deborah Brehm, die übrigens ab und zu bei der Württembergischen Philharmonie Reutlingen aushilft. Zunächst Sophie Popes "Lichtung", auf der sich zahllose Zikaden und Grashüpfer tummeln, deren vielfältig tönende Welt nicht abgebildet, sondern orchestral weitergedacht und zu einem vielschichtigen Klangraum aus instrumentalem Prusten, Schrappen, Knarzen und Zischeln ausgebaut wird - eine faszinierende, hochpräzise ausgeführte Klangmalerei, die mit viel Beifall bedacht wurde.

Dann Symon Henrys "Principe de délicatesse", der sich mit "Feingefühl als Leitprinzip" auf den Arabischen und den Québecer Frühling bezieht. Über die Entwicklungen in Québec wurde hierzulande kaum berichtet; was sie jedoch für den jungen Komponisten bedeuten, wurde expressiv zur Sprache gebracht. Das Stück kulminiert in einem elementaren Doppel-Solo zweier riesiger Gongs, das die feinsinnige Kommunikation der Orchesterinstrumente brutal krachend in den Schatten stellte.

Spätromantischer, wunderbarer Tiefklang wurde mit dem "Divertimento concertante" für Kontrabass und Orchester von Nino Rota geboten. Die Kontrabass-Solistin Hyojeong Choi lotete das Stück auf ihrem altertümlichen, gambenähnlichen Bass mit viel Gefühl und ausdrucksvoller Tongebung aus, großer Jubel belohnte ihre so virtuose wie tiefgründige Darbietung.

Maurice Ravels zweite Suite aus "Daphnis et Chloé" bildete den Schluss- und Höhepunkt des Programms. Hier führte das Orchester vor, wie man aus der diffizilen Partitur arkadische Klanglandschaften von üppiger Farbigkeit zaubert, stets fein ausbalanciert, gekrönt von makellosen Soli und einem ekstatisch aufgeheizten Final-Tanz. Die Zugabe drückte die Zuhörer fast in die Sitze: Wagners Lohengrin-Vorspiel, kraftvoll aufsteigend wie ein startender Düsenjet. Lang anhaltender, jubelnder Beifall.

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