Erst andere, dann das eigene Haus

Hagel und Hochwasser: Ein Rekordjahr wars für die 26 Feuerwehren der Kommunen im Landkreis. An 5274 Einsatzstellen waren sie allein deshalb aktiv - und kümmerten sich ums eigene Haus erst später.

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Aufmerksam und kritisch blicken Wolfram Auch und Gunter Hespeler (links) nach vorn. Die Zahl der Jugendlichen in der Bevölkerung nimmt ab. Foto: Jürgen Herdin

"Dienstbesprechung" samt Verbandsversammlung nennt sich das Treffen, wenn der Kreisbrandmeister seinen Jahresbericht abgibt. Dann sind neben den Vertretern aller kommunalen Wehren auch die Bürgermeister dabei, ebenso andere Wehren wie die Werksfeuerwehr von Bosch und Repräsentanten aller Rettungsdienste - samt Vertretern der Polizei. Auch der Feuerwehrverband im Kreis erstattet dann Bericht.

Rund 350 Gäste durften Kreisbrandmeister Wolfram Auch und der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbands Gunter Hespeler am Montag in der Lichtensteinhalle begrüßen. Der gastgebende Lichtensteiner Bürgermeister Peter Nußbaum kam dann auch gleich zum Thema: "Das Jahr 2013 bleibt uns allen in lebhafter Erinnerung", so auch den überwiegend ehrenamtlichen Kräften, die es mit insgesamt 12 766 Einsätzen zu tun hatten. Im Jahr davor, 2012, waren es 6327. Und so sagte dann auch Landrat Thomas Reumann über das "Jahr der Extreme" und die insgesamt 3013 Frauen und Männer in den Einsatzabteilungen: "Es ist beruhigend zu wissen, dass es Sie gibt, mit Ihrer hohen Professionalität und gelebter Solidarität."

Diese "stillen Heldinnen und Helden des Alltags" hätten selbst nach dem verheerenden Hagelschlag am 28. Juli "das eigene Haus allein gelassen, um anderen Leuten zu helfen."

In einigen Fällen, so auch beim Jahrhundert-Hochwasser Anfang Juni, hatten sich in vielen Fällen selbst die Ehepartner auf den Weg gemacht, um vor Ort zum Beispiel Essen zu bereiten. Reumann verwies jedoch auch auf die demografische - und damit unverrückbare - Tatsache, dass der Personalstand bei der Jugend so niedrig sei wie zuletzt vor 15 Jahren. "Wir müssen dieses Thema konsequent angehen", so Reumann. Und zwar jetzt sofort, denn "wir brauchen einen zeitlichen Vorlauf." Vor allem junge Menschen mit Migrationshintergrund und noch mehr Frauen als bisher sollten integriert werden.

In diesem Zusammenhang lobte der Landrat die Reutlinger Feuerwehr, die eine Kindergruppe auf die Beine stellen konnte, die mittlerweile schon 50 Mitglieder zählt. Und auch Zwiefalten gründet Ende des Monats eine Jugendfeuerwehr.

Der Kreisfeuerwehrverband Reutlingen ist die Interessenvertretung der Feuerwehrangehörigen im Landkreis. Im Kreisfeuerwehrverband sind alle Freiwilligen Feuerwehren, die Berufsfeuerwehr Reutlingen und die anerkannten Werkfeuerwehren des Landkreises Reutlingen Mitglied.

Der Kreisbrandmeister wiederum untersteht als Beamter der Landkreisverwaltung. Er erledigt alle Aufgaben, die sich beim Landratsamt in Zusammenhang mit der Feuerwehr ergeben - und führt die Aufsicht über alle Gemeindefeuerwehren des Kreises.

Vor allem hat er die Aufgabe, einen umfassenden Jahresbericht zu erstellen. In ihm findet sich die "statistische Pflichtaufgabe", aber es bleibt ebenso Platz für Fotos von den Einsätzen. Auch brauchte in Sachen Hagelschlag nicht ins Detail zu gehen, er zeigte einen kurzen Ausschnitt des Wetterfilmers Marco Kaschuba vom katastrophalen Spätnachmittag des 28. Juli 2013. Auch lobte den darauffolgenden Einsatz von 4250 Kräften an 5274 Stellen.

Der Kreisbrandmeister hofft, dass es positive Auswirkungen haben werde, dass Jugendliche nun schon ab dem 17. Lebensjahr in die Aktivenabteilungen wechseln können. Insgesamt waren es 502 junge Leute im Kreis, die 2013 übertraten. Allerdings haben drei von den insgesamt 26 Wehren im Kreis immer noch keine Jugendabteilung. Und bis zumindest 2030 ist mit einer deutlichen Abnahme des Anteils junger Leute in der Gesellschaft zu rechnen, so Wolfram Auch, der die Zahlen vorliegen hat.

Und dann ist da die Technik "als elementarer Baustein der Gefahrenabwehr". 93 Prozent der Kräfte hätten bereits digitale Meldeempfänger, jedoch benötige die Integrierte Leitstelle nun eine neue Technik.

Verbandsvorsitzender Gunter Hespeler stellte fest, dass bei allen überragenden Leistungen es bei der Fortbildung auf Kreisebene "noch Nachholbedarf" gebe. Zu Ehrenmitgliedern ernannt wurden an dem Abend August Herb, Reiner Rehm und Werner Hager.

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