Erholung ist intensiver

Viele Informationen, aber auch Anekdoten und eine Menge Wissenswertes gab es am Donnerstagnachmittag bei der Führung der Gemeinderäte durch den Reutlinger Wald mit den Forstfachleuten.

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Unschlagbar war Fair-Energie-Chef Heiko Suter beim Waldumgang im Reutlinger Stadtforst beim Kiefernzapfenzielwerfen. Foto: Norbert Leister

2000 Hektar Fläche umfasst das Reutlinger Waldgebiet. Eine ganze Menge Holz, die da im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür der Stadt steht. Dass so viel Forst geschützt, geordnet und bearbeitet werden muss, um eine sinnvolle Nutzung zu gewährleisten - das erläuterten Forstdirektor Georg Kemmner sowie die beiden Förster Georg Baumbusch und Johannes Schempp. Genutzt wird der Wald nach ihren Worten aber nicht allein durch den Einschlag und den Verkauf des Holzes. Das sei sogar ein vergleichsweise kleiner Teil - trotz eines angestrebten Einschlags von rund 11 000 Festmetern, erläuterte Schempp den Gemeinderäten und der Stadtverwaltungsspitze.

Die Erholungssuchenden und Sporttreibenden nutzen den Wald deutlich intensiver. Spaziergänger, Jogger und Walker tun dies auf rund 100 Kilometern Wegen im Stadtwald. Im Übrigen, so Schempp, hätten sich in den vergangenen Jahrzehnten eigens gegründete Vereine und zahlreiche Stadträte für die beiden Breitenbachseen stark gemacht. "Je nach Couleur der Initiatoren hießen die Wasserflächen zeitweise Rotes oder Schwarzes Meer."

Johannes Schempp hatte aber noch mehr Erstaunliches zu berichten: In Diplomarbeiten findet sich einiges über die Zufriedenheit der Besucher des Reutlinger Waldes: So dauert der durchschnittliche Aufenthalt im Forst 86,4 Minuten. "Männliche Besucher bleiben aber sieben Minuten länger." Eine erfreuliche Zahl folgte: "93 Prozent der Gäste im Reutlinger Stadtwald fühlen sich nicht durch die Bewirtschaftung gestört", so Schempp. Zwei Prozent empfänden die Waldarbeiten als störend - "fünf Prozent wissen es nicht". Allerdings standen noch jede Menge andere Programmpunkte auf dem Plan, nachdem sich die Gruppe beim Zentralen Omnibusbahnhof getroffen hatte, mit dem Bus zum Naturtheater gefahren und dann eineinhalb Stunden durch den Wasenwald gelaufen war.

Die Forsteinrichtung, die alle zehn Jahre vorgenommen wird, steht im nächsten Jahr wieder an. "Wir haben bereits mit der Inventur begonnen", sagte Georg Kemmner. Der Forstdirektor ging aber auch anhand von alten Fotografien darauf ein, wie sich der Wald innerhalb von 40 Jahren entwickelt hat. "Damals wurde ein Nadelholzbestand begründet", so Kemmner. Nach und nach kam immer mehr Laubholz hinzu, heute finde man dort einen Mischbestand.

Anhand eines weiteren "Waldbilds" beim Spaziergang entlang des Wasserfallwegs erläuterte der Forstdirektor den Begriff der "Zieldurchmesserernte": Dabei handle es sich um die gezielte Herausnahme von Buchen mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern und von Eichen mit 80 Zentimetern. Stämme mit einem größeren Umfang werden dort nicht mehr zu finden sein. Der Sinn dieser Maßnahme: Bei solchen Durchmessern der Bäume ist das Holz im Regelfall in einem besonders guten Zustand und lässt sich dementsprechend zu guten Preisen verkaufen.

An anderen Stellen im Wald wies Georg Baumbusch (einen passenderen Namen wäre für einen Förster kaum zu finden) darauf hin, dass ein großer Teil des beim Bau der Stadthalle ausgebaggerten Leber- oder Echaz-Kies im Reutlinger Wald für den Wegebau verwendet wurde. "Viele Böden sind hier sehr weich, der Kies soll dann verhindern, dass auf den Maschinenwegen zu große Flurschäden entstehen", sagte Baumbusch.

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