Erforschen, verstehen, vereinen

"Vom All in den Alltag": Prof. Ernst Messerschmid, der 1985 sieben Tage im All verbrachte, ist weiter vom Nutzen der Raumfahrt überzeugt. Davon berichtete am Freitag auf Einladung der CDU.

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Ernst Messerschmid: Nutzen der Menschen mehren - durch Forschung im Weltraum. Foto: Jürgen Herdin

"Beim Start der Raumfähre hat man das Gefühl, wie wenn man einen heftigen Tritt in den Hintern bekommt - nur dauert der acht Minuten an": Demnächst feiert Ernst Messerschmid seinen 69. Geburtstag - und er ist weiterhin vom wissenschaftlichen Nutzen der Raumfahrt überzeugt.

Doch während andere Protagonisten dieser Vorhaben bei der Begründung hierfür nicht selten im Ungefähren bleiben, zeigt Messerschmid gleichermaßen kompakt und eloquent auf, was die Menschheit künftig noch an Vorteilen zu erwarten hat, die Ergebnis der wissenschaftlichen Forschung im erdnahen All sein werden. Also in rund 400 Kilometern Höhe. 4,6 Millionen Kilometer haben sie dort bei einem Umlauftempo von 28 000 Stundenkilometern zurückgelegt.

Immerhin werden ja 200 Milliarden Euro in diese Vorhaben investiert, zwei Drittel davon ist aber privates Geld. Das will dann schon begründet sein. Verschleißfreie Keramik-Bremsen, nicht nur für Sport- und Rennwagen sind ein direkter Ausfluss der Flüge ins Weltall, auch neueste Scanner an Flughafen kamen dabei heraus, selbst Aluminium-Dosen sind heute ein Drittel leichter, und vielen Menschen tut das "Elektro-Doping", die elektrische Muskelstimulanz, gut. Und die Metallprothese, mit der so mancher Läufer bei den Paralympics schon erfolgreich war, ist ebenfalls ein Resultat der wissenschaftlichen Arbeit von Männern und Frauen, die in den diversen Spacelabs bereits geforscht haben. In der Osteoporose-Forschung sei man nun auch ein deutliches Stück weiter, müssen doch Astronauten auch eine Menge tun, um ihrem Knochenschwund auf Grund der Schwerelosigkeit im Weltall entgegenzuwirken. Mit dem nun doch begonnenen Projekt "Galileo" eröffneten sich zudem neue Märkte in Sachen Landvermessung, Kommunikation und Navigation. Auch an intelligenteren Ampelschaltungen werde gearbeitet. Vom All aus ausgespäht haben Messerschmid und seine Kollegen auch einen langen Grünalgenschleier im Süden Siziliens. "Das haben wir gemeldet, danach funktionierte die dort erst kurz zuvor gebaute Kläranlage", so Messerschmid.

Ernst Messerschmid, der auf Einladung des CDU-Stadtverbands ins City-Hotel Fortuna gekommen war, beließ es jedoch in seiner multimedialen Schau nicht dabei, den rein materiellen Nutzen der Raumfahrt zu beschreiben. Vielmehr fasste der ehemalige Chef der ESA (Europäische Raumfahrtagentur), der zuvor schon im europäischen Kernforschungszentrum CERN arbeitete, den Sinn all dieser Vorhaben zusammen mit "erforschen, verstehen und vereinen".

Der "Reutlinger Außerirdische", wie ihn vor bald 40 Jahren Kollegen der "Zeit" nannten, sieht hier zum einen die Chance der Ausweitung menschlicher Erfahrung, die Mehrung des Wissens und "die Fortschreibung und Bewahrung von menschlicher Erfahrung und technologischem Fortschritt".

Und der Völkerverständigung habe die Kooperation im Weltraum allemal gedient. Russen und Amerikaner haben so auch beigetragen zur "Wegbereitung für globale Unternehmungen", wie es Messerschmid unter seinem Imperativ "Vereinen" rubriziert.

Und wie verändert sich ein Mensch in einer Raumsonde?, so eine Frage zum Thema Glauben. Manche Astronauten würden religiöser, als sie es eh schon waren, "die anderen aber sehr viel weniger, als sie es eh schon waren", so Messerschmids Erfahrungen.

Da durfte die Sache mit möglichen Außerirdischen im Orbit und im Sonnensystem freilich nicht fehlen. Der bislang einzige Sondelfinger im All fragte - und antwortete selbst: "Gibt es Leben dort draußen? Ja, uns, die Astronauten."

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