Entscheidend ist die Symmetrie

Beim Jahresempfang der Bibliotheksfreunde referierte der Grafikdesigner Christoph Dohse über die gute Gestaltung eines Buches.

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Christoph Dohse, Reutlinger Grafikdesigner und Vorstandsmitglied der Bibliotheksfreunde, sprach über die Gestaltung eines Buches.  Foto: 

Wenn man ein Buch liest, geht es den meisten um den Inhalt, weniger um die Form. Der Leser registriert kaum, in welcher Schrift der Text steht, auch interessiert meist weniger die Anordnung. Man achtet weder auf das bedruckte Papier, noch auf die Bindung oder den Geruch von Farbe und Papier. Und wer macht sich im Ernst Gedanken darüber, welche Symmetrie ein Buch ausstrahlt?

Christoph Dohse, Reutlinger Grafikdesigner und Vorstandsmitglied der Bibliotheksfreunde, gehört zu denjenigen, die sich beruflich damit beschäftigen, wie ein Buch schön gestaltet werden kann. Bei seinem aus Zeitgründen stark gekürzten Vortrag setzt er sich mit unterschiedlichen Buchformaten auseinander und erklärt, weshalb die Gestaltung eines Buches und die Schrift so wichtig sind: "Keine Schrift ist lesbar, wenn man sie nicht richtig setzt", zitiert er Paul Renner, deutscher Typograf und Erfinder der Satzschrift Futura.

Denn ein und dieselbe Schrift werde von verschiedenen Lesern unterschiedlich schnell erfasst, je nach ihren bisherigen Lesegewohnheiten. Zudem sei es ein Trugschluss, dass größere Schriften automatisch besser gelesen werden: "Größere Buchstaben verlangsamen eher die Aufnahme durch die Augen", führt Christoph Dohse aus. Entscheidend sei die Symmetrie, die ein Buch ausstrahle. Noch in den 1920er-Jahren tobte ein erbitterter Kampf zwischen Verfechtern symmetrischer und asymmetrischer Anordnung von Typografie, sowohl in der Werbung als auch beim Buch. Vor allem Jan Tschichold und seine Vorstellungen von funktionaler Typografie stellten 1928 die über 1500 Jahre praktizierte Buchgestaltung in Frage. Seine These: Weg von der Mittelachse, hin zu einer Gestaltung, die sich an der Funktion orientiert. Auf Schmuck und Ornamente verzichtete er, verwendete dafür serifenlose Schrift und erzeugte durch kräftige Kontraste und fette Linien Spannung. Zwar modifizierte er später seine Aussagen und ließ auch eine traditionelle Auffassung zu, die symmetrische Anordnung von Typografie setzte sich dennoch immer mehr durch. Dohse vergleicht die Abfolge in einem Buch heute mit dem Drehbuch eines Films: "Jedes Buch folgt einem Konzept, das durch den Inhalt bestimmt wird", so seine These. "Das Konzept bestimmt den gesamten Ablauf und nimmt Einfluss auf die Gestaltung".

Obwohl im Mittelalter in der Gestaltung mehr experimentiert wurde, galt früher wie heute: Der Buchgestalter muss auf die richtige Symmetrie achten. Was macht also ein gut gestaltetes Buch aus? Laut Dohse ist das Zusammenspiel von verschiedenen Parametern wie Buchformat, Seitengestaltung bis hin zu Papiersorte und Bindung entscheidend. Die Abstimmung und der Zusammenklang von Schrift und Bild müssen ebenfalls passen, damit ein Buch "seinen ganz eigenen Reiz entfaltet". Neben Dohses Vortrag mit anschließender Fragerunde und Präsentation von Beispielbüchern berichtete Vereinsvorsitzende Renate Overbeck über Aktivitäten, die der 1981 gegründete Verein im laufenden Jahr geleistet hat. Von Spenden und Bildungsförderung war da die Rede, von interkultureller Bibliotheksarbeit und Unterstützung von Flüchtlingen sowie von Studienfahrten auf die Alb und nach Stuttgart. Die musikalische Begleitung übernahmen die beiden Brüder Jan und Sebastian Fuß, die drei klassische Stücke mit Blockflöte und Klavier interpretierten.

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