Emanuel and the Fear zu Gast im franz.K

In der Reihe Indi(e)stinction stehen in dieser Woche namhafte Vertreter der US-Indieszene auf der Bühne im franz.K. Den Anfang machte jetzt am Montagabend Emanuel and the Fear aus New York.

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Sänger und Gitarrist Emanuel Ayvas (rechts) trat mit "Emanuel And The Fear" im franz.K auf. Foto: Simon Wagner

"Emanuel and the Fear is a band." Mit diesen ebenso treffenden, wie dürren Worten leiten die US-Indiemusiker die Selbstbeschreibung auf ihrer Homepage ein. Ihren Musikstil in Worte zu fassen, versuchen sie erst gar nicht. Das überlassen sie dem internationalen Musikjournalismus. Rolling Stone oder The Guardian sind sich indes einig: 2012 wird das Jahr des Musikerkollektivs aus New York City und Brooklyn. Sonst mit dutzenden Musikern auf der Bühne zeigte die abgespeckte, fünfköpfige Abordnung um den Sänger und Gitarristen Emanuel Ayvas, auf ihrer Europatournee im franz.K warum. Hier stellten sie auch Stücke ihres neuen Albums "The Janus Mirror", das am 14. September erscheinen wird.

Wer nun aber unter den nur rund 40 Besuchern auf eingängige Hitgranaten mit Ohrwurmpotenzial gehofft hatte, wurde enttäuscht. Das allerdings auf angenehme Art und Weise. Emanuel and the Fear zeigte bereits mit dem hypnotisch daherkommenden Einstieg, wohin der Weg führen sollte: geradewegs vorbei an erprobten Hörgewohnheiten der Indie-Hipster-Gemeinde.

Mit opulent aufgezogenen, vertrackt inszenierten oder episch verklärten Stücken erinnern sie mit ihrer Gangart an den Progressive Rock der 70er Jahre. Mal lugt Jethro Thull hinter den Klangwänden hervor, mal ist es Yes oder King Crimson, die aus der Ferne grüßen.

Doch die US-Amerikaner verharren nicht in rückwärtsgewandter Heldenverehrung. Mit elektronischen Einsprengseln vom Synthesizer, treibenden Grooves vom Schlagzeug oder Bass und mit, die Szenerie nie ganz beherrschenden, Streichern (Geige, Cello), treiben sie die Zuhörer durch farbenreiche Seelenlandschaften, ohne statisch oder gar in Ehrfurcht erstarrt zu wirken.

Einen gehörigen Anteil daran hat der braun gelockte Sänger Ayvas. Mit Verve und Hang zum dramatischen Ausdruck verleiht er den ausladenden Songstrukturen mal mit hymnischem Gesang, mal mit gesprochenen Wortfetzen Körper und Halt zugleich. Es entstehen so eigentümliche Songszenerien, mit zum Teil sperriger Aura, aber durchdachtem Gestus. Sie entfalten ihre Faszination nicht immer beim ersten Hinhören, sind aber gerade deswegen prädestiniert dafür, nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Bei Emanuel and the Fear wird Musik größtenteils zur Kopfsache. Manchmal aber lassen die Musiker einfach mal die Seele baumeln und die Gitarren schrammeln. Dann geht es direkt auf dem staubigen Highway dem Sonnenuntergang entgegen. Hier verdienen sie sich dann das Prädikat "Folkrocker". Ein Prädikat von vielen. Denn ebenso, wie sich die Band davor scheut, sich selbst in vorgefertigte Schubladen zu verfrachten, tun sich auch die Rezensenten damit schwer.

Immer wieder werden die Musiker mit "Arcade Fire" und derem orchestralen Rock verglichen. Viel näher allerdings läge es, gleich eine ganz neue Kategorie zu erfinden. Post-Retro-Folk-Kammer-Rock? Der musikalische Dunstkreis von Emanuel and the Fear bewegt sich denn auch irgendwo zwischen komplex geknüpfter Strick- und lässig gewobener Meterware. Durchgängiges Merkmal aber bleibt ein unübersehbares, musikalisches Sendungsbewusstsein und eine künstlerische Vision, die ihren ganz eigenen Regeln folgt.

Mit ihrer neuen CD haben sie sich nun auf den Weg gemacht, diese Visionen weiter auf den Punkt zu bringen. Halten sie an dieser Marschrichtung fest, wird der jungen Band mit großer Wahrscheinlichkeit ein beträchtliches Stück Zukunft gehören. Bis dahin wird sich vielleicht auch die Fachwelt über eine Einordnung ihres Stils einig. Die Band selbst schreibt jedenfalls: "If you call them a rock band, nobody will be offended."

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