Elegantissimo, pompös und fetzig

|

Das Nachwuchsorchester der Jungen Sinfonie hat derzeit das bunteste Publikum und das witzigste Repertoire. Dabei dürfte es schwierig sein, passende Noten für das stets fluktuierende Ensemble zu finden; auch diesmal wurden Orchestermitglieder – traditionell mit einer Rose – verabschiedet, andere waren neu hinzugekommen. 65 junge Leute zwischen zwölf und 19 Jahren sind es derzeit, teils mit den berühmten roten Socken, teils mit roten Schleifen oder Blüten versehen, gleich fünf Kontrabassisten sind dabei.

Da sind von der Leitung fundierte Kenntnisse gefordert und ein „Händchen“ für die Bedürfnisse der Orchester-Anfänger. Darüber verfügt Maria Eiche offensichtlich; sie und die Ihren haben diesmal erfreulich „Abseitiges“ und zugleich Interessantes einstudiert, das man sonst kaum zu hören bekommt. So zum Beispiel die etwa 13 Variationen über das Lied „’s kommt ein Vogel geflogen“ von Siegfried Ochs, die den Konzertabend eröffneten. Die sind nicht nur eine lustige Stilparodie und ein Musterbeispiel fürs Variieren, sondern auch eine klingende Musikgeschichte – allerdings nur bis etwa 1878, als Ochs das Stück komponierte. Schon das Thema wurde unter Maria Eiches präzisem Dirigat ausgesprochen kultiviert dargeboten; „elegantissimo“, wie vorgeschrieben, der Walzer à la Strauß, pompös der Pilgerzug à la Wagner, fetzig das Marschfinale.

Solist und Streicher

Als Solist trat der junge Posaunist Julian Huss aufs Podium; er studiert derzeit an der Stuttgarter Musikhochschule und bewies mit Lars-Erik Larssons Concertino für Posaune und Streicher eine erstaunlich agile Virtuosität auf dem scheinbar ungelenken Zug-Instrument. Auch das Zusammenspiel ließ aufhorchen: Zu Beginn halten Solist und Streicher Zwiesprache, im Mittelteil legen diese einen ruhig atmenden Grund unter eine klangvolle Solo-Kantilene, und zum Schluss konzertieren beide im raschen Wechsel. Sowohl das begeisterte Publikum wie das Orchester freute sich über eine hochkarätige Solo-Zugabe.

Mit dem Namen des Norwegers Johan Halvorsen können eher Blasmusiker etwas anfangen, in „klassischen“ Konzerten taucht er selten auf. Dabei hat etwa seine „Suite ancienne“ viel zu bieten: „klassischen“ Tonfall, Tanzrhythmen und skandinavisches Kolorit. Maria Eiche und das nun wieder sinfonisch besetzte NWO gingen unter Triangel-Klingeln frisch und spielfreudig drauflos und gestalteten die fünf Tanzsätze mustergültig. Die Bläser-Soli gelangen vorzüglich, der Gesamtklang erschien stets transparent und fein ausbalanciert. Die Tänze erhielten ihren eigenen Charakter, auch die Pausen wurden sensibel in die Gestaltung einbezogen, ebenso die  Schlüsse.

Unter großem Jubel wurden mehrere Zugaben gewährt: Als erstes der flotte Schlussmarsch der Ochs-Variationen, gleich darauf – pssst! – die Nachtlied-Variation, und als „Rausschmeißer“ ein Trompetensolo mit Trampel-Begleitung.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Unterwegs in ein neues ÖPNV-Zeitalter

Der Gemeinderat hat gestern Abend mit großer Mehrheit den Grundsatzbeschluss für ein neues Stadtbuskonzept gefasst. Die Umsetzung soll im zweiten Halbjahr 2019 starten. weiter lesen