Einen Gesamtblick auf das System Schule werfen

Die Stadt hat einen weiteren Schritt in Richtung Schulentwicklungsplanung gemacht. Einstimmig beauftragte der Gemeinderat gestern Abend die Verwaltung, eine Ausschreibung vorzubereiten.

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Die Betzinger Hoffmannschule möchte auch eine Gemeinschaftschule werden. Foto: Ralph Bausinger

Die im Zuge der regionalen Schulentwicklung anberaumten Gespräche mit den Nachbargemeinden Wannweil, Walddorfhäslach, Pliezhausen und Eningen sowie den drei freien Schulträgern sind inzwischen einvernehmlich abgeschlossen worden. Damit konnte Uwe Weber, Leiter des Amtes für Schulen, Jugend und Sport, erstmals Angaben präsentieren, wie sich die Schülerzahlen innerhalb des "Zwei-Säulen-Modells" in den kommenden zehn Jahren entwickeln werden. Gymnasien sind die erste Säule des Modells, während sich das zweite Standbein aus Werkrealschulen, Realschulen und Gemeinschaftsschulen zusammensetzt. Weber kommt dabei - die Eichendorffrealschule wurde herausgerechnet - auf einen Wert von 262 bis 284 Schüler oder elf Züge pro Jahr, die sich auf die drei Schularten der zweite Säule aufteilen.

Diese elf Züge ließen sich auf die Standorte Sprangerschule (2), Storlach (4), BZN (3) und Hoffmannschule (2) verteilen. Die Standorte Storlach und BZN könnten laut Weber bei einer Umwandlung zur Gemeinschaftsschule mit den vorhandenen Räumen auskommen, die Hoffmannschule bräuchte zusätzliche Räume. Noch gebe es keine Reihenfolge: Erst einmal sollen Planer und Architekten die Standorte untersuchen, dann werde die Verwaltung einen "vernünftigen Mix an Kriterien" wie beispielsweise Kosten oder Geografie vorlegen, versicherte Weber.

Nicht nur bei den Gemeinschaftsschulen, auch bei den Gymnasien wird die Stadt aufgrund der gestiegenen Schülerzahlen Geld für neue Räume in die Hand nehmen müssen. Umso wichtiger sei es, einen Gesamtblick aufs System Schule zu werfen. "Wir müssen uns dringend auf der Weg zur kompletten allumfassenden Schulentwicklungsplanung machen", hatte der Schulamtsleiter geworben.

Eine "gute Sache, ein notwendiger Prozess", lobte Sabine Gross die Schulentwicklungsplanung. Das Zwei-Säulen-System sei, so die Grünen-Stadträtin, die beschlossene Zukunft in Baden-Württemberg, hier gehe anders, als von der CDU behauptet, nicht um Gleichmacherei. Die Gemeinschaftsschule sei eine "wirkliche Alternative und keine Schmalspurschule", zeigte sich Gross überzeugt.

Bei aller Kritik am Vorgehen der Landesregierung müsse die Stadt "auf den Zug aufspringen", wie es FWV-Fraktionsvorsitzender Jürgen Fuchs formulierte. Es komme kein weiterer Zug mehr, und der "Bahnhof hinter uns" brenne ab.

Die SPD stehe, sagte Sebastian Weigle, klar zur Vorlage, auch wenn noch über Details intensiver diskutiert werden müsse: "Es geht darum, einen längst überfälligen Schritt getan zu haben". Seine Partei freue sich, dass es weitere Gemeinschaftsschule in Reutlingen geben werde. An der Eduard-Spranger-Schule könne man schon heute erleben, dass diese Schulform akzeptiert werde.

Für Dr. Karsten Amann (CDU) müsse der Gemeinderat das Selbstverständnis haben, nicht als Befehlsempfänger der Landespolitik zu agieren. Er warf Grün-Rot einen eindimensionale Betrachtung mit "Tunnelblick auf die Gemeinschaftsschule" vor. Und er befürchtete, dass auf die Stadt, wie bei der Spranger-Schule, weitere Planungs- und Baukosten in Millionenhöhe hinzukämen - bei weiteren Gemeinschaftsschulen wie auch möglicherweise bei eine notwendigen Erweiterung der Gymnasien. Und obwohl weder Schulbau- noch Schulbauförderrichtlinien vorlägen, habe die Ratsmehrheit weiteren Planungen zugestimmt.

Er halte die grün-rote Bildungspolitik für verfehlt, "wir dürfen aber nicht die politische Auseinandersetzung über die Bildungspolitik auf dem Rücken der Schüler austragen", sagte Hagen Kluck. Deshalb werde die FDP auch für den Beschlussvorschlag stimmen. Kluck, der sich wiederum für die freie Schulwahl aussprach, brach auch eine Lanze für die Hoffmannschule: "Man muss dort zuerst was amchen, wo es am nötigsten ist. Und das ist Betzingen."

Niemand wolle die Freiheit der Eltern bei der Schulwahl einschränken, hielt Özlem Isfendiyar dagegen. Man müsse ihnen aber die Möglichkeit geben, auch innerhalb von Reutlingen wählen zu können, argumentierte die RSÖ-Stadträtin, welche die Achalmstadt auf einem guten Weg sieht. Auch ohne die Einrichtung der Gemeinschaftschulen hätte Reutlingen in seine Schulen investieren müssen.

Die Verwaltung hat, wie vom Rat einstimmig beschlossen, nun den Auftrag, die Ausschreibung einer Schulentwicklungsplanung vorzubereiten und dem Gremium zur Beschlussfassung vorzulegen. Weber hofft, dass erste Ergebnisse im Herbst oder Winter vorliegen.

Gegen acht Neinstimmen und eine Enthaltung aus den Reihen der CDU stimmte eine Ratsmehrheit dafür, 50 000 Euro aus der Haushaltsstelle "Gebäudeunterhaltung an schulen" bereitzustellen - damit sollen Kostenschätzungen für die Standorte Storlach, BZN und Betzingen erarbeitet werden. Schließlich wolle Reutlingen, wie Oberbürgermeisterin Barbara Bosch eingangs gesagt hatte, "seine Rolle als Schulstandort auch weiterhin ausüben".

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