Eine Reise in die Südsee

Beim Projekt "Spielend Sprechen", initiiert von LAG und Dialog-Verein, proben 53 Kinder mit und ohne Migrationshintergrund zwei selbst entwickelte Theaterstücke - die Aufführungen sind am Samstag, 6. Juni.

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Am Samstag, 6. Juni, ist Premiere: Ein Probenbesuch bei "Konrads Reise in die Südsee" - einem Theaterprojekt für Kinder von acht bis zwölf Jahren.  Foto: 

"Wir protestieren / auf allen Vieren / denn wir wissen / Schule ist beschissen" - sie würden lieber "den ganzen Tag tanzen", Party machen und mit ihren Kuscheltieren spielen . . . aber auf keinen Fall einen Aufsatz für die Südsee schreiben. Konrad haben die Lehrer dazu verdonnert, und er weiß ja nicht einmal, wo die Südsee liegt. Aber Onkel Ringelhuth weiß es: im Schrank auf dem Flur, man muss nur einsteigen.

Und schon landen sie am Äquator. Dort putzt die Putzfrau, die weiß, wo die Südsee liegt: "Immer der Nase nach und dann nach links." Und so landen sie auf der Party-Insel, wo man "Fleischsalat mit Himbeersoße" isst, dann geht's weiter ins Schlafland, in den Kuscheltierwald - oder nach Nimmerland.

Die andere Gruppe begibt sich in ihrem Stück ebenfalls auf "wundersame Reise" und landet unterwegs im "Tunnel der Angst", im Shopping-Paradies oder in Elektropolis, wo alles elektrisch zugeht und sich jede Menge Roboter tummeln.

Zwei Theaterprojekte - eine Wirkung: 53 Kinder zwischen acht und zwölf Jahren lernen in den Pfingstferien "spielend sprechen". Inspiriert von Erich Kästners "35. Mai" haben sie zwei unterschiedliche Theaterstücke entwickelt.

Wir besuchen eine erste Leseprobe: Der Text ist ausgedruckt, also amtlich, und die Kids sprechen ihn zum ersten Mal in verteilten Rollen. Dabei sind sie ganz konzentriert, auch wenn sie in der Pause noch lärmend über die Wiese gerannt sind, zwischen den ehemaligen Kasernen in der Ringelbachstraße, wo der Verein Dialog seine Räumlichkeiten hat.

Zum vierten Mal schon steigt das Projekt "Spielend Sprechen", in dem Kinder mit ganz unterschiedlichen Deutschsprachkenntnissen über das gemeinsame Theaterspiel sprachlich gefördert werden, aber auch andere Dinge lernen, wie mehr Selbstbewusstsein, gegenseitigen Respekt, sich präsentieren, Kreativität im Ausdruck und vieles andere mehr.

Das Projekt ist eine Kooperation zwischen dem Verein Dialog und der Landesarbeitsgemeinschaft TheaterPädagogik (LAG), die auch die zwei Theaterpädagog(inn)en stellt, Volker Schubert und Ulrike Tilke, die Regie führen und die Gruppen leiten. Unterstützt werden sie jeweils von zwei pädagogischen Mitarbeiter(inne)n von Dialog sowie von drei jugendlichen Regieassisten(inn)en. Nach vier Jahren sind die Teams theaterpädagogisch bestens aufeinander eingespielt.

Finanziert wird eine Gruppe von der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ), die andere von der Stadt Reutlingen sowie der GWG (Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft). Die Hälfte der Kids stammen aus Kundenfamilien der GWG. Insgesamt sind neun Nationalitäten vertreten: russische, rumänische oder arabische Kinder, mit den unterschiedlichsten Sprachkenntnissen. Aber beim Theaterspielen verwischen die Sprachgrenzen, wissen Galina Lerner (Dialog e.V.) und Monika Hunze (LAG), die das Projekt schon vor vier Jahren auf den Weg gebracht haben.

Erstens unterstützen sich die Kids gegenseitig, zweitens läuft beim Theater vieles auch nonverbal ab - chorisch, choreografisch oder pantomimisch. Zur Not wird mit Händen und Füßen kommuniziert.

Kinder mit noch wenig Deutschkenntnissen bekommen durch das Projekt einen "richtigen Schubs" in Sachen Kommunikation, das Projekt sei ein richtiger "Tauchgang in die deutsche Sprache", meint Galina Lerner. Entscheidend sei auch das Gruppenerlebnis: "Alle werden mitgenommen, jeder kann sich auf den andern verlassen", erklärt Monika Hunze. Wichtig sind natürlich nicht nur die Proben, sondern auch die Aufführungen.

Nicht nur am Ende jeden Tages wird der anderen Gruppe "das Spannendste des Tages" präsentiert, sondern es gibt auch eine Abschlussaufführung: am 6. Juni in den Räumen der LAG in der Heppstraße, wo beide Gruppen ihr Stück zeigen. Außerdem wird ein Stück beim Fest der Hohbuchschule gezeigt, aus der 18 Schüler kommen. Eine weitere Aufführung gibt's am 25. Juli.

Spielend Sprechen - Gruppen und Premierentermine

Projekt "Spielend Sprechen", ein Projekt von LAG und Dialog e. V. - Stücktitel, Gruppen und Termine der Premieren:

· "Konrads Reise in die Südsee" (Gruppe 1); Premiere am Samstag, 6. Juni, 11 Uhr, LAG, Heppstraße 99/1, Reutlingen;

· "Konrads wundersame Reise" (Gruppe 2); Premiere am Samstag, 6. Juni, 15 Uhr, LAG, Heppstraße 99/1, Reutlingen.

SWP

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