Eine Frage der Wahrnehmung

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    Guter Dinge: Eningens Bürgermeister Alexander Schweizer (links) mit Polit-Prominenz bei der Tunnel-Eröffnung. Foto: 
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    Weniger Verkehr im Ort – oder so viele Autos wie immer? Die Wahrnehmungen gehen in der Frage auseinander. Foto: 
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Der Bürgermeister war beim Friseur. An sich wäre das noch keine wirklich zeitungstaugliche Nachricht. Hätte der Coiffeur seinen Laden nicht direkt an der Eninger Hauptstraße – und wäre nicht Ende Oktober der Scheibengipfeltunnel eröffnet worden. Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Die nagelneue Röhre soll den Eningern jede Menge Durchgangsverkehr abnehmen. „Und das tut sie auch“. Sagt zumindest der Friseur. „Er hat mir bestätigt, dass sehr viel weniger los ist auf der Straße“, berichtet Bürgermeister Alexander Schweizer, der findet, dass die Aussage des Hair-Stylisten durchaus belastbar ist. Nicht nur wegen der Lage seines Ladens, sondern auch, weil noch andere Eninger ihrem Schultes versichert haben, „dass der Tunnel uns eine deutliche Entlastung gebracht hat“. Wofür Schweizer noch ein weiteres konkretes Beispiel anführen kann. Denn Peter Weckherlin vom Heimat- und Geschichtsverein habe jüngst auf Facebook verlauten lassen, „dass er das erste Mal überhaupt über die Straße gehen konnte, ohne warten zu müssen“ – so wenige Autos seien auf der Ortsdurchfahrt unterwegs gewesen.

Wobei Schweizer auch zugeben muss: „Das sind die subjektiven Beobachtungen einiger Leute“. Andere finden nämlich, dass die Röhre „uns bisher gar nichts gebracht hat“. Was auch daran liegen könnte, dass der Tunnel noch nicht auf den bekannten Routenplanern wie Google Maps hinterlegt ist und Ortsfremde keine Ahnung haben von der Existenz der neuen Umgehungsstraße.

„Es braucht eben alles seine Zeit“, ahnt  Schweizer, der beim Festakt zur Tunnel-Eröffnung nicht nur davon gesprochen hat, dass die Röhre „ein Segen für die Eninger und die Reutlinger ist“, sondern auch ein LKW-Durchfahrtsverbot für die Achalmgemeinde gefordert hat. Aber lässt sich das tatsächlich realisieren? „Das ist ein schwieriges Thema“, hat der Bürgermeister inzwischen festgestellt. Denn um ein Fahrverbot für Lastwagen durchzubringen, müsse man gute Gründe haben. „Sonst könnte ja jeder kommen, sagt das Regierungspräsidium. Deshalb verlangt es Zählungen.“ Und die dürfen nicht direkt nach der Tunnel-Öffnung erfolgen, sondern erst nach ein paar Monaten, wenn sich der Verkehr eingependelt hat. Vor allem um die Lärm- und Stickoxid-Emissionen zwischen dem „Scharfen Eck“ und dem Kreisel am „Drehpunkt“ geht es dem Bürgermeister dabei. „Eine Belastung, die wir beweisen müssen“, so Schweizer, der nun eine Verkehrszählung im Jahr 2018 auf den Weg bringen möchte, davor aber die Leute schon nachhaltig motivieren will, „nicht mehr durch Eningen zu fahren“.

Eher Zufall sei es allerdings, dass sich seit der Tunnel-Öffnung die Baustellen an der Ortsdurchfahrt häufen. Sei’s das Gerüst inklusive Ampelregelung auf Höhe des ehemaligen Gasthauses „Drei König“, sei’s die Sperrung an der Zufahrt zum Gewerbegebiet im Arbachtal: „Mit all dem haben wir bis zur Tunnel-Öffnung gewartet, um die Verkehrssituation im Ort nicht eskalieren zu lassen“. Gepaart mit Tempo 30, das sich mittlerweile durch weite Teile des Ortes zieht, haben die Baustellen allerdings tatsächlich eine abschreckende Wirkung auf Durchreisende.

Keine abschreckende, sondern eine eher positive Wirkung erhofft sich Schweizer indes von den Maßnahmen, mit denen die Ortsmitte in der nächsten Zeit aufgehübscht werden soll. Denn die Gemeinde plant ein neues Sanierungsgebiet – und im Rahmen dessen könnte der Vorplatz der Andreaskirche, die direkt an der Hauptstraße liegt, mit einer Stufenanlage attraktiver gemacht werden und auch  im Bereich der ehemaligen OMV-Tankstelle soll der Bach mit Stufenzugängen offener gestaltet werden. Zwei Ideen, die unter Bürgerbeteiligung entstanden sind und jetzt sukzessive umgesetzt werden könnten. Dann, hofft Schweizer, könnten Privatleute auch in die Häuser an der Hauptstraße investieren. „Denn momentan will da niemand wohnen“, spricht der Schultes die alles andere als attraktive Lage an der Ortsdurchfahrt an.

Schweizer selbst ist übrigens auch schon durch den Scheibengipfeltunnel gefahren. „In privater Mission auf dem Weg zum Mobilitätskongress in Pliezhausen“. Oft, das ahnt er bereits, wird er die Röhre allerdings nicht nutzen müssen. „Denn wer in Eningen wohnt, braucht den Tunnel eigentlich nicht auf dem Weg nach Reutlingen, Metzingen oder auf die Alb.“ Außer vielleicht, es schneit und die Straße durch den Metzinger Wald ist mal wieder dicht wegen liegengebliebener Lastwagen. „Dann“, glaubt der Bürgermeister, „ist der Tunnel auch für uns Eninger eine echte Alternative, um ins Ermstal zu kommen.“

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