Eine Brücke gegen Hochwasser

Am Hans-Roth-Weg entsteht derzeit eine neue Brücke über die Echaz. Wenn sie im Dezember in Betrieb geht, wird sie die bisherige ersetzen.

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Mächtiges Bauwerk: Die neue Brücke soll einem 100-jährlichem Hochwasser die Stirn bieten können.  Foto: 

Unter den rund 250 Ingenieurbauwerken, die der stellvertretende Fachgebietsleiter für Straßen- und Bauwerksunterhaltung Peter Nill derzeit in Reutlingen betreut, ist die Baustelle am Betzinger Hans-Roth-Weg vielleicht nicht die spektakulärste, aber eine, der vor allem in Sachen Hochwasserschutz Bedeutung zukommt. Am rund 80 Jahre alten Bauwerk wurden während der turnusmäßigen Bauwerksüberprüfung erhebliche Mängel festgestellt. Chloride aus dem Salzwasser des Winterdienstes sind durch schadhafte Abdichtungen in das Bauwerk eingedrungen und haben am Stahlbeton, an den Stahlträgern wie auch an den Geländerbefestigungen teils zu extremen Schäden geführt. Brückenbauwerke zählt Arno Valin, Amtsleiter für Tiefbau, Grünflächen und Umwelt, ohnehin zu den besonders sensiblen Bereichen, weiß er doch um ihre Eigenschaft, im Gegensatz zu Straßen, schlagartig zu versagen.

Die zahlreichen Schäden vor Augen sei schnell klar gewesen, dass ein Neubau wirtschaftlicher kommt als die Sanierung der Brücke. 480 000 Euro sind nun für die Maßnahme eingeplant. Dabei geht es nicht alleine um eine sichere, 3,50 Meter breite und bis zu 60 Tonnen befahrbare Querung in Richtung des Hallenbads, der Hoffmannschule, zu Wohnhäusern und Sportanlagen, sondern auch um die Belange des Hochwasserschutzes. Denn so friedlich die Echaz dieser Tage dahinplätschert, so tosend suchte sie sich am 24. Juni auch an dieser Stelle ihre eigenen Wege und überschwemmte, in Folge des damaligen Unwetters, die angrenzenden Gebiete. Binnen kurzer Zeit stieg hier der Wasserpegel um 1,80 Meter, berichtete Valin während des Ortstermins mit Pressevertretern von einem hydraulischen Engpass.

Und der soll nun durch den Neubau beseitigt werden. Statt mit einer Breite von bisher 7,50 Meter wird sich die Brücke künftig zwölf Meter lang über die Echaz spannen. Der verbreiterte Fließquerschnitt und zusätzliche Leitelemente sorgen dafür, dass das Wasser höher steigen kann und sich der Wasserdruck ebenso erhöht wie die Abflussgeschwindigkeit. War die alte Brücke nur ausgelegt auf ein 20-jährliches Hochwasser, soll die neue künftig einem 100-jährlichem die Stirn bieten können. Im Zuge der Bauarbeiten werden am Ufer zudem Blocksteine zur Sicherung der Böschung versetzt. Der entstehende Freiraum wird damit als Flachwasserbereich ökologisch aufgewertet.

Die Maßnahme am Hans-Roth-Weg, bereits Ende Mai in Angriff genommen, versteht sich als Teil eines Aktionsplans, hervorgegangen aus dem Integrierten Hochwasserschutzkonzept für den Nordraum und Betzingen. Es listet vier weitere Engstellen, vor allem an der Meisterschule, in der die Volkshochschule Quartier bezogen hat. Um den dortigen Flaschenhals zu beseitigen, müsste allerdings das Gebäude mitsamt Nebengebäuden teilweise abgerissen werden. Eigentlich, so gesteht Valin, hätte dort der Startpunkt der Umsetzung liegen müssen. Wegen des kritischen Zustands der Brücke am Hans-Roth-Weg, aber auch wegen noch unklarer Szenarien zur Umsiedlung der VHS, lag der Einstieg in den Hochwasseraktionsplan nun weiter flussaufwärts.

Die Arbeiten am barrierefreien Brückenneubau gehen dabei planmäßig voran. Die tragende Konstruktion ist bereits fertig. Neben zusätzlichen Elementen folgt in Kürze die eigentliche Fahrbahn. Ist die Brücke dann im Dezember zugänglich, geht es ihrer Nachbarin an den Kragen. Sie wird vollständig abgerissen. Wie Arno Valin am Rande des Ortstermins zudem berichtete, wird ihn das Thema Brückensanierung  weiter beschäftigen. Jene, die als B 28 die Sondelfinger Straße quert, muss für rund 2,7 Millionen Euro etappenweise saniert werden. Momentan anvisiert sind zwei Bauabschnitte in den Jahren 2018 und 2019. Die Maßnahme ist im Haushaltsentwurf der Stadt enthalten. An den Kosten wird sie nicht vorbeikommen, da die Bundesstraße Teil der Ortsdurchfahrt ist.

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