Ein wahres Pfund für die Christdemokraten

"Abschiede sind anstrengend", sagte Ernst-Reinhard Beck am Freitagabend im Spitalhof. Aber: Er sei auch überwältigt von all dem Lob, das ihm widerfuhr. "Hemmungslos übertrieben", meinte er schmunzelnd.

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Abschiedsfeier im Spitalhofsaal (von links): Bundestagsabgeordneter Michael Donth, Ernst-Reinhard Beck mit seiner Frau Renate Beck-Proföhr und der frühere Ministerpräsident Erwin Teufel. Foto: Norbert Leister

Er sei quasi zurückgekehrt zu seinen Wurzeln, als er am Freitag im Spitalhofsaal vom CDU-Kreisverband offiziell aus seiner politischen Tätigkeit im Bundestag verabschiedet wurde. Warum? "Weil der Spitalhof 20 Jahre lang praktisch die Aula des Friedrich-List-Gymnasiums war", so Ernst-Reinhard Beck. Und er war ja - vor seiner politischen Tätigkeit im Bundestag - zwei Jahrzehnte Rektor der Schule.

Sehr gerne sei er Abgeordneter im deutschen Parlament gewesen, "es war mir eine Freude und eine Ehre, die Bürger des Landkreises vertreten zu dürfen", betonte Beck. Als Verfechter der Rente mit 67 habe er lediglich ein Jahr überzogen und gehe nun mit 68 in den Ruhestand. Seine liebste Erinnerung an die politische Tätigkeit? "Die Feier zum 40-jährigen Jubiläum der deutsch-französischen Freundschaft im Spiegelsaal in Versailles", berichtete der gebürtige Pfronstettener. Warum? "Weil dieses Fest zeigte, dass Versöhnung möglich ist." Die schlimmste Erinnerung, war ein Selbstmordanschlag in Afghanistan, bei dem 23 Menschen starben, darunter drei deutsche Soldaten, mit denen Beck am Abend zuvor noch im Lager in Kundus zusammensaß und Bier getrunken hatte.

Elf Jahre war Ernst-Reinhard Beck im Bundestag, die meiste Zeit davon im Verteidigungsausschuss - was dem Ehrenpräsidenten der Bundeswehr-Reservisten auch am besten passte. 2002 übernahm er das CDU-Mandat von Anton Pfeiffer, 2009 wurde Beck verteidigungspolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Während seiner Zeit im höchsten deutschen Bürgergremium "kamen und gingen die Minister - aber Ernst-Reinhard Beck blieb", sagte sein Nachfolger im Amt, Michael Donth. Vier deutsche Verteidigungsminister hatte der heute 68-Jährige erlebt, Peter Struck (SPD), Franz-Josef Jung (CDU), Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und Thomas de Maizière (CDU). Vielfach war Beck im Ausland, um deutsche Soldaten in Einsatzgebieten aufzusuchen - was laut Donth aber keinesfalls als "Lustreisen" zu bewerten wäre: Dazu zählten etwa mehrfache Aufenthalte in Afghanistan, Südsudan, im Kosovo, Kongo und im Kaukasus.

Festredner Erwin Teufel war am Freitagabend gekommen, "um Dank zu sagen für deine Arbeit im öffentlichen Leben", betonte der ehemalige Ministerpräsident des Landes. Für die politische Karriere im Bundestag hat Beck laut Teufel drei wesentliche Voraussetzungen mitgebracht: Berufserfahrung, kommunalpolitische Erfahrung und Charakter. "Du warst ein Pfund für die CDU", so Teufel.

Der Landtagsabgeordnete Karl-Wilhelm Röhm berief sich auf Begegnungen mit Ernst-Reinhard Beck "auf schulischer, militärischer und politischer Ebene" - beide Schulrektoren, beide Reserveoffiziere, beide politisch aktiv für ihre Wahlkreise im Landes- beziehungsweise Bundesparlament. Als "Brüder im Geiste" bezeichnete Röhm sich und seinen Parteifreund. Die wichtigsten Projekte, die Beck seinen eigenen Worten nach in Erinnerung behalten wird und die er selbst in Kooperation mit Reutlingens OB Barbara Bosch sowie mit Landrat Thomas Reumann vorangetrieben hat: Der Scheibengipfeltunnel und das Biosphärengebiet. Und wenn er sein ganzes Leben vorher gewusst hätte? "Ich würde es nochmals so machen", betonte Beck. Und dankte am Schluss seiner Frau Renate Beck-Proföhr für die Unterstützung in 43 Ehejahren.

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