Ein Vierteljahrhundert Partnerschaft und Freundschaft

Als der Eiserne Vorhang 1989 fiel, war Aufbauhilfe Ost gefragt. Reutlingen beließ es nicht bei formeller Unterstützung. So entwickelte sich zu Pirna und Szolnok eine vielschichtige Freundschaft.

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Pirnas Oberbürgermeister Klaus-Peter Hanke (links), Szolnoks Bürgermeister Ferenc Szalay sowie Oberbürgermeisterin Barbara Bosch tragen sich ins Goldene Buch der Stadt ein.  Foto: 

1989 zeigten sich in Ungarn die ersten Risse im Eisernen Vorhang. Doch sie waren kein Signal für einen langsamen Wandel, vielmehr lösten sie einen lawinenartigen Umsturz aus. Um ein mögliches Vakuum zu vermeiden, engagierten sich zahlreiche westdeutsche Kommunen und leisteten Hilfe beim Um- und Aufbau von Verwaltungsstrukturen. Dabei unterstützte Reutlingen seit 1990 nicht nur das sächsische Pirna, sondern schloss auch mit dem ungarischen Szolnok eine Partnerschaft, die Mitte der 1980er Jahre angestoßen worden war.

"In diese historischen Zusammenhänge, als der 'Wind der Veränderung' über Europa zog und auch Deutschland erfasste, ist das Entstehen der Verbindungen unserer Städte eingebettet", sagte Oberbürgermeisterin Barbara Bosch während des Festakts zum 25-jährigen Bestehen der Städtefreundschaft mit Pirna sowie der Städtepartnerschaft mit Szolnok am Freitagabend im kleinen Saal der Stadthalle. An den Beziehungen mit Szolnok, die auf wirtschaftlicher, kultureller, wissenschaftlicher und sportlicher Ebene sowie zwischen den Schulen lägen, hätten rund 10 000 Menschen teilgenommen.

"Ich bin überzeugt davon, dass die Sicherung des Friedens und der wirtschaftlichen Prosperität unter dem Dach des gemeinsamen Hauses Europa durch die Städtepartnerschaften maßgeblich gefördert und unterstützt werden", betonte Bosch. Man dürfe daher in den gemeinsamen Bemühungen nicht nachlassen.

Während das für die Beziehungen zu Szolnok und Pirna gleichermaßen gelte, habe sich im Fall der sächsischen Stadt gezeigt, dass man wahre Freunde auch in der Not erkenne, erläuterte die Oberbürgermeisterin. So hatten die Elb-Hochwasser der Jahre 2002 und 2013 doch dazu geführt, dass die Reutlinger Feuerwehr Pirna bei beiden Katastrophen zur Seite stand und viele Reutlinger mit Spenden halfen.

"Wir stehen heute auf einem gefestigten europäischen Fundament, das es zu bewahren gilt", sagte die Oberbürgermeisterin. Die Europäische Union stehe neben der Bewältigung der Finanzkrise in der Eurozone sowie der verbesserten Koordination der Flüchtlingsströme innerhalb Europas jedoch vor großen Herausforderungen. Eine wichtige Aufgabe sei zudem, um die Zustimmung der Bürger zur europäischen Integration zu werben. Denn: "EU-Recht wird zu circa 70 Prozent auf kommunaler Ebene umgesetzt." Städtepartnerschaften bildeten deshalb nicht nur die Basis des europäischen Verständnisses, sondern ließen durch durch reale Begegnungen enge Kontakte entstehen, welche Grundlage für das Gelingen der europäischen Idee sind.

Dass die Partnerschaft so lebendig sei, liegt laut Szolnoks Bürgermeister Ferenc Szalay daran, dass es um die Menschen und die Begegnung gehe. Reutlingen sei der ungarischen Stadt dabei von Anfang an nie wie der große Bruder, sondern immer wie ein Partner begegnet. Entsprechend hätten beide Seiten auch viel voneinander gelernt.

"Reutlingen war uns immer Freund und Helfer", unterstrich Pirnas Bürgermeister Klaus-Peter Hanke. Reutlingen habe sich in den 1990er Jahren nicht abschrecken lassen, als die Stadt an der Elbe eher einem hässlichen Entlein geglichen habe. Jetzt habe sie sich zu einem Schwan herausgeputzt. Reutlingen sowie die Vertreter der Stadtverwaltung hätten Pirna in den Zeiten des Um- und Aufbaus immer den Rücken gestärkt.

Während die Szolnoker "Symphonic Posaune Band" die Feier musikalisch umrahmte, der obligatorische Eintrag ins Goldene Buch der Stadt nicht fehlte und Gastgeschenke überreicht wurden, gab es von Reutlinger Seite eine besondere Aufmerksamkeit für Bürgermeister Ferenc Szalay. Er erhielt die Verdienstmedaille der Stadt. Laut Barbara Bosch hat er die Partnerschaftsarbeit lange gefördert. Zudem gehe sein Engagement weit über berufliches Interesse hinaus. Neben dem Einsatz für den Schüleraustausch oder sportliche Begegnungen habe er auch das Zusammenkommen aller Partnerstädte Szolnoks untereinander ermöglicht.

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