Ein Traum aus Tüll und Seide

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Träume aus Tüll und Seide waren bei der Hochzeitsmesse zu bestaunen. Foto: Jürgen Spieß  Foto: 

Am Freitag standen im Audizentrum  21 Aussteller aus der Region Heiratswilligen bei allen Fragen rund um den schönsten Tag im Leben Rede und Antwort. Die Messe „Hochzeitsträume“ sprach wieder ein breites Publikum an.

„Das ist ein wahrer Traum“, sagt die junge Frau mit der streng nach hinten gekämmten Frisur. Ihre Freundin weiß allerdings nicht so recht, ob „Princess“ tatsächlich das passende Modell ist, ein weiß schillernder Traum aus Tüll und Seide, rund 1300 Euro teuer.

„Die Schultern sind so nackt“, gibt sie zu bedenken, „und die Arme quetschen da so über den Rand“. Dann doch lieber die „Meerjungfrau“ oder vielleicht das Kleid, das das bezaubernde Modell gerade am Eingang präsentiert hat? Hier erweisen sich neben allerlei Pailletten- und Schmucksteinapplikationen vor allem die mit etwas Stoffmengen ausgestatteten Schulter- und Armpartien als geeignet, um von den im Spiegel unmissverständlich angezeigten Problemzonen abzulenken.

An den Ständen der insgesamt 21 Aussteller informieren sich aber nicht nur Frauen auf dem Weg zur „Erfüllung lang gehegter Wünsche und Träume“, wie eine Beraterin von Brautmoden weiß. Die meisten Damen brächten ihren Partner mit, um sich schon mal vorab zu informieren, bevor es zum Kauf ins Fachgeschäft geht. Schließlich sei die Hochzeit ja der schönste Tag im Leben, der gut geplant und vorbereitet sein will. Was durchaus den Zweck der Veranstaltung erklärt: den Heiratswilligen einen Überblick zu verschaffen und sie mit dem umfangreichen Spektrum an Produkten und Dienstleistungen bekannt zu machen, auf das sie bei ihrem Vorhaben zurückgreifen können.

Zu beobachten ist aber auch, dass sich die männliche Begleitung gegenüber der offenkundigen Begeisterung junger Frauen eher zurückhaltend zeigt. Mit gütigem Lächeln, zuweilen auch mit etwas mürrischem Blick oder gleich demonstrativ teilnahmslos, folgen manche dem aufreizendem Treiben. Nur selten greifen die Herren in das Geschehen ein: In der Brautkleidfrage sind sie ohnehin außen vor, bei den Eheringen zeigen sie immerhin ein gewisses Engagement. Allein bei der Frage nach dem geeigneten Hochzeitsgefährt – ein Audi R8 Spider, ein altes Mercedes-Cabrio sowie eine schneeweiße Stretchlimousine sind zu bestaunen – erweisen sie sich auf der Höhe. Es wäre wohl übertrieben, die männliche Zurückhaltung als manifeste Heiratsunwilligkeit zu interpretieren, doch den meisten scheint erst jetzt zu schwanen, worauf sie sich eingelassen haben.

Das Ja-Wort ist nur der vorläufige Endpunkt einer langen Kette von Entscheidungen. Mit eherner Notwendigkeit vollzieht sich hier ein Ritual, in dessen zahllose Bestandteile und eigentliche Dimensionen einem eine Hochzeitsmesse immerhin umrisshaft Einblicke gewährt. Dabei erweist sich die Gästeliste für Polterabend, Trauung und Hochzeitsfest noch als kleineres Problem. Aber wie steht es etwa um das Papier für die Einladungs- und Tischkarten? Hat man auch die Portokosten bedacht? Brautkleid für sie und Anzug für ihn (mit oder ohne Zylinder, Frack oder Cut?). Kopfschmuck, Schleier, Handschuhe, die richtige Torte. Wie wär’s mit einem Tanzkurs? Schließlich sollte der Hochzeitswalzer perfekt sitzen. Und bloß nicht die Blumenkinder vergessen, die schließlich auch noch eingekleidet werden sollen. Auch Frisur und Make-up müssen geklärt werden. Ebenso die Standesamtstermine und -gebühren. Geburtsurkunde und Ehevertrag. Limousine. Restaurant. Musik. Fotograf. Pfarrer. Kirche. Flitterwochen.

Auch sollte es nicht immer das Restaurant um die Ecke sein. Eine Scheune, eine Burg, ein Schloss wären doch viel individueller. Und was die Hauptsache angeht, die Braut und ihr Kleid, sollte es vielleicht doch nicht immer dieser unschuldsweiße, lieblich-kitschige Cinderella-Traum sein? Vielleicht wäre auf der nächsten Messe mal einen Workshop dazu angesagt?

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