Ein Stück, das Mut macht

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Zwei Bauarbeiter auf einer Baustelle schippen Sand und verlegen Rohre. Da kommt ihnen die Idee, dass ein bisschen was Grünes doch auch ganz schön wäre. Und so pflanzen sie erst einmal ein paar Apfelkerne, hacken, schaufeln, graben und träumen von einem großen Dschungel rund um die Baustelle. Allerdings haben sie recht wenig Erfahrung mit der Botanik, und immer wieder kommt ihnen die Realität in die Quere.

Aber zwischendurch haben sie auch ein klein wenig Erfolg mit ihren Pflanzversuchen und freuen sich über ihren grünen Daumen. Bis dann eine kleine (Natur-)Katastrophe alles wieder zerstört und sie wieder von vorne anfangen müssen. Es ist halt wie im richtigen Leben: Man muss viel Geduld haben, und nicht aus jedem gepflanzten Samen entsteht gleich etwas. Jedes Pflänzchen braucht viel Hege und Pflege, die richtige Dosis Licht und Wasser, oft muss man die Ärmel hoch krempeln und von vorne anfangen. Aber manchmal werden die Anstrengungen eben auch von Erfolg gekrönt.

In diesem speziellen Fall sind die beiden Bauarbeiter außerdem etwas wortkarg. Deshalb funktioniert diese Inszenierung des Reutlinger (Kinder-)Theaters Patati-Patata mehr über Bewegungsbilder als über Sprache. Dafür singen die Bauarbeiter und machen Musik. Ursprünglich war das Stück sogar ganz ohne Worte geplant.

Bewegungskünstlerin Andrea Lucas hat dazu die Regie geführt. Während der Proben hat sich das Schauspiel-Team dann aber doch dazu entschlossen, auf der Bühne auch etwas zu erzählen, schließlich seien sie eher Schauspieler als Performance-Künstler, erklärt Sonka Müller im Pressegespräch. Seitdem führt Adalbert Sedlmeier die Regie, die Bauarbeiter werden von Sonka Müller und Achim Braun gespielt Der sorgt mit seinen Geigen und elektronischen Effekt-Geräten für die Musik und die Geräusche, denn ohne Lärm geht natürlich gar nichts auf einer (Natur-)Baustelle.

Auf der Bühne (von Adalbert Sedlmeier) wird – ganz entlang der Geschichte – mit Rohren und Schläuchen hantiert, die sich ja auch hervorragend zu Percussion-Instrumenten umfunktionieren lassen. Und am Ende entsteht aus allem eine Art Wald aus Rohren, Pflanzen, Tieren und anderen Wesen.

Zweierlei Stoffe gaben die Vorlage zum Stück: Zum einen das Buch von Jean Giono „Der Mann, der die Bäume pflanzte“ über einen Schäfer, der die kargen Hänge der Haute Provence mit Bäumen bepflanzte. Zum andern ist das Stück aber auch von einer realen Geschichte inspiriert: Der Bauer Jakuba aus Burkina Faso hat einen verlassenen, weil verdorrten Landstrich der Sahelzone in jahrelanger Kleinarbeit wieder so begrünt, dass sich wieder Leute ansiedeln konnten. Das Groteske an der Geschichte: Mittlerweile verlangt die Regierung von dem Bauern Geld, weil das Land ja jetzt wieder etwas wert ist. Und man will dort alles wieder abholzen, um Platz zu schaffen für ein Neubaugebiet.

Aber Jakuba lässt sich nicht unterkriegen und will eben wieder woanders anfangen, trotz seiner stolzen 80 Jahre. Und so soll das Stück des Theaters Patati-Patata ebenfalls Mut machen, „die Welt zu verändern“. Durchaus auch da, wo es unmöglich erscheint.

Die Geschichte soll außerdem Lust auf Natur machen: Bäume stehen schließlich nicht nur im Weg herum, sondern sind ja was ganz Tolles. Die Naturerfahrung steht dann auch im Begleitprogramm für die Kinder im Zentrum: Morgens Theater, mittags Bäumepflanzen.

Der Reutlinger Listhof lädt in Kooperation mit dem Theater Patati-Patata im Anschluss ans Theaterstück zum Naturtag im November ein – und zwar nicht nur Schulklassen, sondern auch Familien. Denn wie alle wissen: Bäume pflanzt man im Herbst.

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