Ein Straßenbahnbeiwagen ist die Attraktion schlechthin

"Das ist ein Prachtstück" hat einer ins Gästebuch geschrieben und seine Worte dick unterstrichen. Das "Prachtstück" ist der Straßenbahnbeiwagen Nr. 40, der derzeit die Attraktion schlechthin in Pfullingen ist.

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  • Drinnen wärs zu laut - deshalb hat "Mäd Määx" kürzlich vorm Straßenbahnbeiwagen losgelegt. Foto: Jan Zawadil 1/2
    Drinnen wärs zu laut - deshalb hat "Mäd Määx" kürzlich vorm Straßenbahnbeiwagen losgelegt. Foto: Jan Zawadil
  • Fotosession im Beiwagen: Ilona Harnisch lichtet Helmut Bachschuster ab - und das nicht ohne Frack und Zylinder. Foto: Evelyn Rupprecht 2/2
    Fotosession im Beiwagen: Ilona Harnisch lichtet Helmut Bachschuster ab - und das nicht ohne Frack und Zylinder. Foto: Evelyn Rupprecht
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Eigentlich könnte er für immer so dastehen. Mit geöffneten Türen, satt-grün lackiert, die Spitzen-Vorhängchen sorgsam an die Fenster geheftet, ist der Straßenbahnbeiwagen Nr. 40 mittlerweile vom Marktplatz fast nicht mehr wegzudenken. Dabei ist es gerade mal einen guten Monat her, dass der Brauchtumsverein, dem das Gefährt gehört, den Wagen neben die Martinskirche gestellt hat.

"Pfullinger Straßenbahngeschichten" haben Stadt und Brauchtumsverein ihre gemeinsame Aktion überschrieben. Seit 6. August bieten Gastronomen und andere Geschäftsleute, Vereine und Einzelpersonen praktisch täglich Programm in dem elf Meter langen Koloss, der 1953 in Esslingen gebaut wurde. Oft genug sind dann sämtliche 22 Sitzplätze und bisweilen auch die Stehplätze belegt. So wars auch bei der Lesung von Helmut Bachschuster in der vergangenen Woche.

"Der Wagen war voll", berichtet der Pfullinger Kulturschaffende. Eine schöne Veranstaltung seis gewesen. Und überhaupt ist der Pfullinger begeistert von der gesamten Straßenbahnwagen-Idee. Weshalb er wenige Tage nach seiner Lesung schon wieder am Marktplatz auftauchte - diesmal um sich ins Gästebuch einzuschreiben, das in dem Wagen ausliegt. Da konnte Bachschuster denn nachlesen, dass nicht nur er fasziniert ist von der Aktion - auch viele andere sind es. "Dieser Beiwagen ist ein Prachtstück", steht da unter anderem geschrieben. Andere loben "die ganz tolle Idee" von Brauchtumsverein und Stadt und bei einem älteren Herrn wurden beim Anblick von "Nr. 40" sogar "Erinnerungen an die Jugendzeit" wach.

Während Bachschuster noch überlegt, was er ins Gästebuch schreiben könnte, wird er schon "Opfer" der nächsten Aktion. Ilona Harnisch von Foto Burgemeister startet heute eine Fotosession für alle, die sich mal in historischen Kostümen ablichten lassen wollen. Einen schwarzen Frack, einen Zylinder und ein Ballkleid hat sie mitgebracht, damit die Leute sich verkleiden können. Und Bachschuster gehört zu den wenigen, die zur besten Wochenmarktzeit bereit sind, sich in Schale zu werfen. Indes hat Harnisch auch gut zu tun mit den Jungen und Mädchen vom Kindergarten Strohweiler. Ein Gruppenbild mit Straßenbahnwagen wollen die Kinder haben - ein Wunsch, den ihnen die Erzieherinnen und Ilona Harnisch gerne erfüllen.

"Hier ist immer was los. Jeden Tag. Und es interessieren sich Menschen jeden Alters für die Aktivitäten im Wagen", hat die Fotografin schon feststellen können. Freilich ist das Programm auch so angelegt, dass für Kinder genauso wie für Senioren in dem Gefährt, das der Brauchtumsverein im Januar 2003 aus einem Esslinger Biergarten "gerettet" hat, etwas geboten ist. Mal gibts Kaffeenachmittage, dann wieder Brauerei-Ausschank und deftiges Essen, mal sind abendliche Vorträge über die Geschichte der Straßenbahn zu hören, mal sind Modenschauen angesagt. Der Stammtisch des Bürgerbusses hat hier schon getagt, die Guggenmusiker sind aufgetreten und heute ist eine Kinderlesung. Ab 10 Uhr trifft sich der Nachwuchs aus dem Kindergarten Hägle in dem Beiwagen.

Eine der letzten Veranstaltungen wird am Weltkindertag, dem 22. September, in und an dem Beiwagen stattfinden. Und am Sonntag, 23. September, soll Schluss sein mit dem Auftritt der Straßenbahn in der Stadtmitte. Dann muss das Gefährt zurück in den Farrenstall. Leider.

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Kommentare

01.12.2012 21:03 Uhr

Beiwagen Nr. 40

Freue mich aus dem fernen Garmisch-Partenkirchen , das es meinem alten Beiwagen Nr.40 so gut geht.
Ich hatte ihn vor vielen, vielen Jahren bei der Stuttgarter Historische Bahnen für meinen Biergarten vor der Verschrottung gekauft mit samt 10m Schienen und Schotter-bett. Nachdem ich in der dortigen Gaststätte als Teilhaber ausgeschieden war, wollte der damalige Geschäftsführer endgültig den Wagen verschrotten. Durch einen Zufall entdeckte einer vom Brauchtums-verein in Pfullingen den Wagen dort und ich überlies ihn fernmündlich dem " Entdecker " - Irgendwann wenn ich wieder einmal in eurer Gegend bin, erlaube ich mir nach meinem "alten" Kind zu schauen. Hoffe von ganzem Herzen das es dem Verein gelingen mag alles wieder einmal auf die Schiene zu bringen . Wünscht euch von ganzem Herzen der ehml. Besitzer aus Esslingen im fernen Garmisch-Partenkirchen.

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