Ein Schultes schmuggelt sich in den Bundestag

Zum Pfulben-Talk durfte auf dem bekannten Sofa nun auch der scheidende Bürgermeister Rudolf Heß Platz nehmen. Ebenso der Jugendaktive Markus Hehn und der Sozialwissenschaftler Dr. Jürgen Strohmaier.

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Die Pfulben-Runde auf dem bekannten Sofa (von links): Der Wissenschaftler Dr. Jürgen Strohmaier, Bürgermeister Rudolf Heß, der engagierte Jungwähler Markus Hehn - sowie am Tisch der Moderator Roland Steck.  Foto: 

"Findet der Stadt Bestes": Diese Abwandlung des biblischen Spruchs war das Thema eines vergnüglichen Abends, an dem sich drei Leute über Visionen, Wünsche und Machbares unterhielten. Organisiert wurde der Treff, der demnächst auch im Fernsehen angeschaut werden kann von der Initiative für ein Kulturhaus (Ikuh), den Freunden der Stadtbücherei und dem TV-Sender RTF 1.

Es moderierte, wie gehabt, der am Donnerstagabend stimmlich recht angeschlagene Roland Steck. Dem jedoch ein Fauxpas gleich zu Beginn überall hin durchdrang: Er begrüßte den Pfullinger Bürgermeister Rudolf Heß mit "Robert". Und weils beim Publikum so gut ankam gleich dreimal.

Sieger Maier von Ikuh hatte zum zehnten, also einem Jubiläums-Talk, das Big Band-Orchester des FSG unter der Leitung von Jochen Rohn gewinnen können. Die gaben unter anderem die Titelmelodie des James-Bond-Films "Skyfall" und erhielten eine Menge Applaus.

Und in Erwartung eines größeren Besucherandrangs wurde der Pfulben-Talk von der Stadtbücherei in die Mensa des FSG verlegt. Rund 150 Besucher waren gekommen. Alle durften sie am Eingang aus einer Schale nummerierte Haselnüsse ziehen, vier gewannen am Ende Preise von bis zu 50 Euro.

Und natürlich war es ein Heimspiel für Rudolf Heß. Der 66-Jährige ist seit 32 Jahren Bürgermeister in der Echazstadt. Und mit Sabine Lauffer und Michael Schrenk saßen auch zwei seiner möglichen Nachfolger im Publikum. Das durfte vom Schultes, der im Januar den Stab weiterreichen wird, auch einige Anekdoten hören, die so noch nicht im Pfullinger Geschichtsbuch stehen. So berichtete er, wie er mit dem damaligen Stadtbaumeister Gerd Sautter einen Termin in der Bundeshauptstadt Bonn hatte.

"Ich kam auf die Idee, bei dieser Gelegenheit uns zusammen mit den Abgeordneten ins Plenum des Bundestages einzuschleichen", gestand Heß. "Und es hat geklappt", sagte er mit einem spitzbübischen Lächeln auf den Lippen. "Wir saßen dann in der fünften Reihe, vorbeigelaufen an uns sind Politiker wie Helmut, Kohl, Hans-Dietrich Genscher und Joschka Fischer."

Und die Sache mit der Bürgermeisterkandidatur in den frühen 80-er Jahren, wie sei das denn gelaufen?, wollte Steck wissen. Frei heraus sagte der damalige Münsinger Hauptamtsleiter Heß: "Ich suchte mir eine Stadt aus, deren Größenordnung zu mir passte. Dort, wo ich hoffte, auch etwas bewegen und gestalten zu können." Als Pfullinger Höhepunkte nannte Heß neben der bundesprämierten Stadtsanierung als "Meilenstein" die Ortsumfahrung mit einem Tunnel, ein Straßenbauprojekt, "auf das Pfullingen immerhin 75 Jahre warten musste", so Heß, der an die frühen Planungen erinnerte. Und Generationengerechtigkeit habe in Pfullingen ebenfalls einen hohen Stellenwert: "Haben wir doch gleich mit zwei Altenwohnanlagen Bundespreise gewonnen", so Heß.

Mit 19 Lenzen noch recht jung, aber schul- und kommunalpolitisch engagiert - und im vergangenen Jahr im "(S)-Chillerländle" zum 250-jährigen Bestehen des FSG zum "Präsidenten" gewählt - ist Markus Hehn. Er war für den Pfulben-Talk ausgesucht worden, um die Stadt aus Sicht junger Leute zu charakterisieren - und um sich Gedanken um die Zukunft der Stadt zu machen.

Dabei gab der junge Mann ganz unverblümt zu Protokoll, dass die Lage Pfullingens hervorragend sei, weil man es nicht weit nach Reutlingen oder auch nach Stuttgart habe. Ganz gleich jedoch, ob Hehn nach dem Studium auch wieder nach Pfullingen zurückkehren würde, eines stehe fest: "Bis 2025 haben wir hier einen Jugendgemeinderat."

Recht kritisch, bei allem Lob für das Geschaffene, äußerte sich Dr. Jürgen Strohmaier (55) zum noch zu hohen Verkehrsaufkommen innerorts. "Wir dürfen uns auf dem Tunnel nicht ausruhen." Insgesamt gehörten "unterschiedliche Interessenlagen entideologisiert", der Blick müsse auf das Mögliche, das Machbare gerichtet sein.

Da hakte das Publikum nach: Wie es denn um die Planungen um das so lange schon geforderte Jugendhaus stehe? Der amtierende Bürgermeister wich da etwas aus. Nur so viel zu seiner Vision: Als Ruheständler und aktiver Synodaler werde er "irgendwann eine Georgenberg-Spätlese im bis dahin gebauten Jugendhaus trinken."

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