Ein Rettungsboot für Mombasa

Guido Möllers Einsatz für Mombasa geht weiter: Vom 29. September bis 5. Oktober war der 54-Jährige wieder in Kenia. Schwerpunkt diesmal war die Unterstützung beim Aufbau einer Wasserrettung.

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    Guido Möller (rechts) und Michael Wagner (links) mit dem angehenden Rettungsschwimmerteam. Foto: 
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    Ein echtes "Plagiat" - das Feuerwehrfahrzeug Sinotruk, made in China. Foto: 
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Über fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Guido Möller begonnen hat, die Mombasa Fire Fighters zu unterstützen. Ging es zunächst darum, Equipment und Schutzausrüstungen zu besorgen, hat sich der Schwerpunkt verschoben. Guido Möller und sein Freund, der Flugbegleiter Michael Wagner, unterstützen Salim, Feuerwehrmann und Rettungstaucher bei der Feuerwehr in Mombasa, der seit einigen Jahren dabei ist, vor Ort eine Wasserrettungsorganisation aufzubauen, die ähnlich wie die DLRG funktionieren soll.

Bereits Ende November 2012 hatten Möller und Wagner von einem Kölner Regattaverein für gerade einmal 100 Euro - ein "Megaschnäppchen" (Möller) - ein 4,50 langes Rettungsboot aus Aluminium erworben, das sie reinigten und aufbereiteten sowie professionell mit salzwasserfester Folie beschriften ließen. Ende Mai 2013 wurde das Boot von München aus mit einem Airbus nach Mombasa geflogen. Doch damit sollten die eigentlichen Probleme erst beginnen.

Entgegen der Absprache verlangte Kenya Airways, in deren Lagerhalle das Boot untergebracht war, plötzlich Gebühren. Möller wandte sich an die Geschäftsführung der kenianischen Fluglinie, das Rathaus von Mombasa und den kenianischen Tourismusminister - doch niemand fühlte sich zuständig. "Trotz intensiver Bemühungen meinerseits bekamen wir das Boot nicht frei", erzählt Möller. Es war dann doch eine große Überraschung, als das Boot im Februar diesen Jahres plötzlich freigegeben wurde. Wie es dazu kam, weiß Möller nicht. Bis dahin musste in einem Schlauchboot mit Außenbordmotor trainiert werden. Das Rettungsboot hat eine neue Beschriftung erhalten und soll in einem Festakt der Feuerwehr übergeben werden.

Salim hatte in Mombasa vor einigen Jahren die private Rettungsorganisation C.A.R.T. - Coast Aquatic Rescue Team - gegründet. Dank seines persönlichen Einsatzes hat er es geschafft, eine beträchtliche Zahl von Helfern - viele davon Fischer - für C.A.R.T. zu gewinnen. Immer wieder würden Salim und seine Taucherkollegen von der Feuerwehr zu Unglücken auf dem Meer gerufen, berichtet Möller. Erst vor wenigen Wochen sei eine ganze Schulklasse ums Leben gekommen, weil sie mit ihrem Lehrer gemeinsam bei Ebbe in Richtung Meer gewandert waren und der Flut nicht mehr entkommen konnten. Fast 90 Prozent der Kenianer können nicht schwimmen, sagt Möller. Umso wichtiger ist es, einen regelmäßigen Schwimmunterricht anbieten zu können - wie er seit einigen Jahren mit Salims Hilfe an der Blue Bell Schule implementiert wurde. Dabei habe sich gezeigt, dass es unter den gut 100 Schülern, die Schwimmen gelernt haben, einige Talente gibt, die sich jetzt zu Rettungsschwimmern ausbilden lassen. Salims Organisation wird jetzt auch finanziell von der "Help Alliance" unterstützt - das ist ein 1999 von der Lufthansa gegründeter Verein, der Menschen hilft, denen das Nötigste fehlt.

Bei ihrem letzten Aufenthalt Ende September/Anfang Oktober haben Möller und Wagner eine erste Grundausrüstung nach Mombasa gebracht, die aus Shirts und Mützen in den internationalen Farben Gelb und Rot, aus Gurtrettern, Ferngläsern, Erste-Hilfe-Material und weiteren Dingen bestand. Unter dem Equipment befand sich auch ein "Rescue Board". Mit diesem Gerät, das einem Surfbrett ähnelt, kann ein Rettungsschwimmer schnell zu einem Ertrinkenden, um ihn mit einer speziellen Technik aus dem Wasser auf das Rettungsbrett zu ziehen und ihn sicher an Land zubringen. Wie das Rescue Board eingesetzt wird, übten die Kinder und Jugendlichen erst einmal im Pool des "Lambada Clubs". Am Tag darauf ging es dann darum, das frisch erlernte Wissen im offenen Meer anzuwenden. Hier zeigte sich sehr deutlich, erzählt Möller, dass es einen großen Unterschied zwischen einem (sicheren) Pool und den realen Bedingungen im Meer gibt. Die Kinder seien ausgesprochen lernwillig und hätten sehr viel Spaß an der Sache. Unter ihnen gebe es einige Talente, die hervorragende Rettungsschwimmer werden, zeigt sich der Feuerwehrmann überzeugt.

Bei seinem Besuch konnte Möller auch das neue Fahrzeug der Mombasa Fire Fighters aus chinesischer Produktion bestaunen - nicht nur ein Plagiat, sondern "ein fabrikneuer Haufen Schrott, der mit Werkzeugen, die an Kinderspielzeug erinnern, und gefälschten Markenartikeln bestückt ist", erregt sich der Brandschutzexperte.

Wagner und Möller haben den Aufenthalt genutzt, um das Waisenhaus Calvary Zion Home zu besuchen. "Allen Kindern dort geht es gut, und wir wurden freudig empfangen", berichtet Möller. Und er konnte sich davon überzeugen, dass die Wunden gut verheilt sind. Jeremy, der sich als kleines Kind an kochendem Wasser verbrüht hatte, war 2013 am Universitätsklinikum in Würzburg operiert worden und hatte eine Hauttransplantation erhalten. Dem heute Siebenjährigen gehe es gut, er habe keine Bewegungseinschränkungen und könne auch Fußball spielen, sagt Möller.

Im Gespräch erläutert der Reutlinger Berufsfeuerwehrmann, wie es weitergehen soll. So ist fest vorgesehen, die Feuerwehrleute in Mombasa mit Know-how und Training zu unterstützten. An Material fehle es derzeit nicht. Und auch beim Aufbau von C.A.R.T. wollen Möller und Wagner weiter mithelfen. Eine Idee ist, eine "Volksschwimmweste" für die Fischer zu entwickeln, die nicht schwimmen können und trotzdem, oft jahrelang, aufs Meer fahren. Möller denkt hier beispielsweise an eine Schwimmweste mit aufgeschnittenen P.E.T.-Flaschen, die dafür sorgen, dass die Leute nicht untergehen. Erste Versuche laufen bereits im Fildorado-Wellenbad. Derzeit werde noch nach dem passenden Stoff gesucht, sagt Möller, der hierbei auch auf die Unterstützung der Fakultät Textil & Design der Hochschule Reutlingen hofft. Wichtig ist, Materialien, die es in Kenia gibt, zu verwenden. Eines ist sicher, so schnell gehen Möller und Wagner die Ideen nicht aus.

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