Ein Platz im Haushalt gesucht

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Unzufrieden mit dem Sanierungsstau im Spitalhofgebäude sind Dr. Tobias Jerfak und die Elternbeiratsvorsitzende Isabel Jackmann. Fotos: Ralf Ott  Foto: 

Der Charme des Spitalhofgebäudes, das vorwiegend von den Fünft- bis Siebtklässlern des Friedrich-List-Gymnasiums genutzt wird, trägt unverkennbar marode Züge. Im Sommer machen den Schülern erdrückende Temperaturen in dem nicht isolierten Altbau – insbesondere im Dachgeschoss – zu schaffen sowie ganzjährig der fehlende Schallschutz, veraltete Sanitäranlagen, der Platzmangel durch den Wegfall der mit Schimmel belasteten Kellerräume – von Dellen und Löchern in den Wänden einmal ganz zu schweigen. Brandschutzmaßnahmen wurden nicht ausgeführt und die Installation der Amok-Warnanlage lässt ebenfalls auf sich warten.

„Es ist die Summe der Dinge, die uns so verärgert“, zieht Dr. Tobias Jerfak vom Vorstand des Elternbeirats vorneweg bei der Besichtigung des Gebäudes mit Medienvertretern als Fazit. Das Ziel von Schule und Elternbeirat ist klar: Die Generalsanierung des Spitalhofschulgebäudes muss noch in den kommenden Haushalt aufgenommen werden. Unterstützung haben sie von Fraktionsvertretern im Gemeinderat erhalten und die FWV wollte zudem von der Stadt in einem Antrag wissen, wie es um den baulichen Zustand des Gebäudes bestellt ist und ob ein Konzept für erforderliche Sanierungsmaßnahmen vorliegt.

Ende Februar vergangenen Jahres hat der damals noch amtierende Schulleiter Reiner Linsenbolz die Sanierung des Schulgebäudes im Spitalhof beantragt. Dem vorausgegangen war im Jahr zuvor die Installation von Jalousien im Dachgeschoss, doch die halten zwar die direkte Sonneneinstrahlung ab, nicht aber die Hitze, die sich unter dem nicht isolierten Dach staut. So haben Messungen über einen Zeitraum von zwei Wochen hinweg ergeben, dass an heißen Sommertagen bereits morgens um 5 Uhr mehr als 30 Grad erreicht werden, weil das Gebäude in den Nachtstunden gar nicht abkühlt. Im vergangenen Frühjahr kam der Verdacht auf Schimmelbildung im Untergeschoss hinzu, der sich bei einer Untersuchung bestätigte, wie Andreas Schuker, innerhalb der Schulleitung für den Spitalhof zuständig, berichtete. Seither können weder der dortige Theaterraum noch der Gemeinschaftsraum mehr genutzt werden. Auf das Versprechen der Stadt hin, im Sommer die Schäden im UG zu beheben, habe der Hausmeister in Eigenregie die Verkleidung an den Wänden abmontiert, um die Sanierung vorzubereiten.

Doch passiert ist nichts. „Auf Rückfragen hin haben wir keine Reaktion mehr bekommen“, berichtete die Elternbeiratsvorsitzende Isabel Jackmann Mayer. So wurde auch der Antrag der Schule auf Sanierung nie, wie von Seiten des Gebäudemanagements in Aussicht gestellt, im Gemeinderat eingebracht. Auf Druck der Elternschaft hin besichtigte Baubürgermeisterin Ulrike Hotz mit Fachleuten am 24. Oktober das Gebäude – mithin also einen Tag vor der ursprünglich für den 25. Oktober geplanten und dann um einen Monat verschobenen Generaldebatte des Haushalts im Gemeinderat. Ein Besuch ohne Folgen, denn der Zustand des Gebäudes „wurde so zu Kenntnis genommen“, kritisiert Jackmann Mayer. Nach Aussage eines Bauphysikers müsse das Gebäude zur Isolierung gegen die Feuchtigkeit wohl von außen geöffnet werden. Letztlich habe Hotz erklärt, dass es an vielen Schulen Probleme gebe, berichtet die Elternbeiratsvorsitzende weiter. Derzeit stehe die Stadt offenbar auf dem Standpunkt, dass das Untergeschoss nur so saniert werde, dass es künftig als Keller nutzbar sei, so Jackmann Mayer. Damit klafft aber eine Lücke im Raumkonzept, das die Schule nach der in Aussicht gestellten Sanierung aufgestellt hat und in dem dort der Theater- sowie ein Musikraum und ein Beratungszimmer angedacht waren. So wird der Platzmangel zum Dauerzustand. „Vor allem der fehlende Aufenthaltsraum kann nicht wegdiskutiert werden“, ärgert sich die Elternbeiratsvorsitzende.

Offenbar habe die Stadt den Schulleiterwechsel am List-Gymnasium Ende Juli von Linsenbolz zu Susanne Goedicke als Pause gesehen, vermutet Jerfak. Als weiteres Problem für eine rasche Sanierung wird die relativ kurze Verweildauer der Kinder, die ab der achten Klasse ins Hauptgebäude in der Kanzleistraße wechseln, angesehen. „Bis die Eltern die Zustände hier richtig realisieren und nach Möglichkeiten suchen, auf die Stadt Druck auszuüben, werden die Kinder schon nicht mehr im Spitalhof unterrichtet“. Dabei bietet dieser laut Jackmann Mayer den Kindern an sich viele Vorteile, denn sie könnten sich hier als Neulinge auf dem Gymnasium in einem geschützten Raum bewegen. „Das empfinden Eltern und Kinder als sehr positiv“, sagte sie weiter. Zugleich nutzen sie bereits die Fachräume im Hauptgebäude und lernen dieses ebenfalls kennen.

Genutzt wird der Spitalhof zudem durch die Musik- und die Volkshochschule – auch von dieser Seite wird die schlechte Akustik bemängelt. Für Jerfak ist klar, dass angesichts des derzeitigen Zustands das an sich „wunderbare Gebäude mitten in der Stadt“ nur auf dem Wege einer grundlegenden Sanierung zu erhalten ist. Und deshalb hoffen Eltern, Schüler und Lehrer darauf, dass der Spitalhof doch noch den Sprung in den neuen Doppelhaushalt schafft.

Grad bereits um fünf Uhr morgens wurden in den Räumen unterm Dach des Spitalhofgebäudes in heißen Sommern gemessen. Mangels Isolierung kühlt es in der Nacht kaum ab.

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