Ein neues Quartier soll entstehen

Wo jetzt Autos parken, werden bald Mehrfamilienhäuser stehen, wo Produktionshallen brach liegen, sollen Praxen und Büros gebaut werden: "Schöller & Partner" will Leben ins Blessing-Areal bringen.

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20 Wohnungen, die auf drei Mehrfamilienhäuser verteilt sind: So will der Reutlinger Immobilien-Projektentwickler Schöller & Partner sein Engagement auf dem Blessing-Areal beginnen lassen. Ihren Platz finden sollen die Bauten in der Kaiserstraße 31, 33 und 35 - dort, wo jetzt noch ein Parkplatz ist. Im Dezember haben die Firmen-Vertreter ihr Vorhaben dem Gemeinderat schon einmal in der Grobplanung vorgestellt. Jetzt geht's an die Feinabstimmung. "Die Gespräche mit der Stadt laufen", sagt Jürgen Magnussen, Mitglied der Geschäftsleitung von Schöller & Partner. Im Februar oder März bereits könnte der Investor das Baugesuch einreichen, im zweiten Halbjahr 2015, schätzt Magnussen, wäre ein Baubeginn auf dem zwei Hektar großen Gelände möglich.

Womit freilich "nur" der Anfang für ein Großvorhaben gemacht wäre. Denn der Reutlinger Investor will das gesamte Blessing-Gelände - bis auf den Verwaltungstrakt, in dem die Robert Bosch GmbH untergekommen ist - umnutzen und teilweise, vielleicht sogar ganz neu, bebauen. Dafür gibt es zwar nur "grobe Planungen", wie Magnussen immer wieder betont. Ideen für diesen zweiten Bauabschnitt, der fünf Hektar umfasst und zwischen Kaiser-, Braike- und Burgstraße liegt, haben die Projektentwickler aber sehr wohl schon. Den Schwerpunkt will Schöller & Partner aufs Wohnen legen, gedacht ist aber auch an Praxen und Büros, eventuell Gastronomie. "Körnig" soll die Bebauung werden, einen durchgehenden Neubau-Komplex wird's also nicht geben. Ob dabei Teile des Bestands erhalten bleiben oder ob alle Gebäude abgerissen werden - auch das ist noch offen. Unter Denkmalschutz steht jedenfalls kein einziger Bereich des Firmen-Areals.

Wohnen, Praxen, Büros? Das hört sich nach einem Konzept an, das dem des Dienstleistungs- und Einkaufszentrums, das bis 2016 in der Stadtmitte entstehen wird, ähnelt. Gibt's da keine Überschneidungen - keine Konkurrenzsituation? Für Jürgen Magnussen scheint das DEZ kein Problem zu sein. Der Bedarf an Wohnungen sei in Pfullingen so groß, dass er wohl für beide Vorhaben ausreichen dürfte. "Und während das DEZ einen Zentralitätsvorteil hat, haben wir eine aufgelockerte Bebauung und die Nähe zum Grünbereich zu bieten", sagt der Immobilienmanager, der mit Schöller & Partner auf gleich mehrere gelungene Konversionen, also Umnutzungen von Brachen, blicken kann. Knauer in Dettingen, Büsing, das Sport-Breuninger-Quartier und die Obere Wässere in Reutlingen - die Fortsetzung mit Blessing in Pfullingen bietet sich da allein schon von der Schöller-Philosophie her an.

Aber auch was den Standort angeht, ist Magnussen guter Dinge. "Pfullingen hat das Motto der Wohlfühlstadt mit Inhalt gefüllt", ist er überzeugt, dass die Stadt auch weiter eine "erfreuliche Entwicklung" nehmen wird. Wozu auch das Vorhaben an der Kaiserstraße, das bis 2018 umgesetzt sein könnte, beitragen würde. Und die Metzinger Architekten Seidenspinner, die derzeit mit dem ersten Bauabschnitt befasst sind, kommen wohl auch beim zweiten Blessing-Teil als Mitgestalter in Betracht. In drei Jahren dürfte so an der Kaiserstraße schon ein ganz neues Quartier entstanden sein, in das Schöller & Partner dann einen zweistelligen Millionen-Betrag investiert haben wird.

Für Martin Benz, Urenkel des Firmengründers und Geschäftsführer der Blessing-Verwaltungs GmbH, ist der Einstieg des Reutlinger Investors wohl das Beste, was ihm passieren konnte. Der solide und solvente Projektentwickler, der seiner Firma das Gelände abkauft und neu überplant, kam wie gerufen - das allerdings nicht von ungefähr.

Seit dem endgültigen Aus für die Briefumschlagfabrik im Jahr 2008 hatte Benz versucht, das Areal neu zu beleben. Was mit dem Einzug der Firma Bosch in den Verwaltungstrakt auch beinahe nahtlos gelang. "Dann haben wir einige der Häuser verkauft, um genügend Geld zu haben, um andere Gebäude auf dem Areal wieder vermietbar zumachen." Bis zu 28 Mieter hat er zeitweise in einer Art Gewerbepark auf dem Gelände untergebracht - bis die Stadt ihn darauf aufmerksam machte, dass so viele unterschiedliche Nutzungen erstmal genehmigt werden müssen.

2012 schließlich blieb Benz nichts anderes übrig, als einen Antrag auf Nutzungsänderung zu stellen - die allerdings auch ganz neue Auflagen für den Brandschutz mit sich brachte. Eine Investition, die sich die Blessing Verwaltungs GmbH nicht leisten konnte. "Ich habe also einen Investor gesucht - und im vergangenen Jahr über einen Vermittler mit Schöller & Partner gefunden", ist Benz erleichtert.

Obwohl die Verträge im vergangenen September unterschrieben wurden, ist der Besitzerwechsel noch nicht komplett vollzogen. Schöller & Partner, so Benz, übernimmt den ersten und zweiten Bauabschnitt nämlich immer erst dann, wenn das jeweilige Baugesuch vorliegt. Bis dahin muss Benz, der auf Wunsch der Bosch GmbH den Verwaltungstrakt nicht verkauft hat, sondern hier Vermieter bleibt, die alten Gebäude noch erhalten und beheizen. Und das mittlerweile ohne jegliche Mieteinnahmen.

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