Ein neues Herz für Zehra

"Psst, Kamera läuft" - ganz professionell machten sich die Heranwachsenden des Projekts "Jugendgruppen erleben" im Haus der Jugend an ihr selbst kreiertes Werk, den Film "Zehras Herz".

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Die multikulturellen Jugendlichen legen sich für ihren Film "Zehras Herz" voll ins Zeug Foto: Mareike Manzke

"Das Ziel ist die Integration und Begegnung von Jugendlichen", erklärt Medienpädagogin Petra Hermansa. Und das passiere eben genau dann, wenn man gemeinsam etwas mache, fährt sie fort. Alle rund 20 Beteiligten, die zwischen 15 und 18 Jahre sind, haben einen Migrationshintergrund, keiner von ihnen lebt seit mehr als zwei Jahren in Deutschland. Ob aus Jugoslawien, Polen, Brasilien, Litauen, Thailand oder Lettland - sie alle verbindet ein gemeinsames Unterfangen: ihr Film. Dazu kommt ihre Zugehörigkeit zum Projekt "Jugendgruppen erleben" von Stadtjugendring, Kulturwerkstatt und Mediakids. Finanziell gefördert wird dieses durch die Initiative "Kultur macht stark" des Ministeriums für Bildung und Wissenschaft.

Die Heranwachsenden treffen sich einmal wöchentlich - immer montags ab 16 Uhr - und kochen zusammen. Die kulinarischen Ergebnisse entführen in die Herkunftsländer der einzelnen Köche. "Sie legen sich dabei richtig ins Zeug", bescheinigte Hermansa. Darüber hinaus lernen sie dort aber auch den Umgang mit Medien, beispielsweise gab es einen Workshop, der die Gruppe ins Zentrum für Kunst und Medien nach Karlsruhe führte.

Beim geselligen Kochen kam dann auch die Idee auf, doch mal selbst einen Film zu drehen. Das Kreismedienzentrum erklärte sich bereit, das technische Equipment zu stellen - und der professionelle Kameramann Helmut Staiger sagte ebenfalls seine Mithilfe zu.

Das Drehbuch dafür wollten die Jugendlichen selbst schreiben. "Ich fand es ganz wichtig, dass es ihre Geschichte ist", erläutert Hermansa. Integriert im Deutschunterricht der Eduard-Spranger-Schule bastelten sie daran. Heraus kam die Story von "Zehras Herz", die sich irgendwo zwischen Horror, Märchen und Realität bewegt.

Die türkischstämmige Hauptperson Zehra ist herzkrank, denn sie hat das lebenswichtige Organ verloren. Die Beschaffung einer neuen "Pumpe" ist jedoch kostspielig. Um das dafür benötigte Geld zu sammeln, lassen sich alle ihre Bekannten unterschiedliche, manchmal von ihrer Herkunft inspirierte Aktionen einfallen. Ein thailändischer Helfer etwa verkauft Frühlingsrollen, andere erspielen sich Bares beim Billard, oder ihre italienischen Freunde greifen zum etwas unlauteren Mittel, eine Seniorin auf dem Marktplatz zu überfallen. Als "Roter Faden" taucht immer wieder die ebenfalls rote Kasse auf, in der sie die Einkünfte verwahren. Die Lösung des Konflikts am Ende ist etwas brutal: In der "Horrorszene" wird das begehrte Herz einfach einer anderen Person blutrünstig - umgesetzt mit verdünntem Ketchup - geklaut.

Möglichst jeder solle mal zum Zug kommen, betonte die Medienpädagogin. Für den Dreh opfern die Jugendlichen ihre Faschingsferien. Die Abwechslung ist einigen aber durchaus willkommen. "Nicht so langweilig wie zuhause zu sitzen", findet das die 17-jährige Nathalia aus Brasilien. Als ein bisschen zu pingelig schätzten manche allerdings den Perfektionsdrang der Verantwortlichen ein. "Uns ist es wichtig, dass sie verstehen, dass das professionell ist", unterstrich Hermansa. Gleichzeitig lobte sie den Nachwuchs aber für seine Disziplin und pünktliches Erscheinen.

Denn dass Schauspiel durchaus harte Arbeit ist, zeigte sich beim Dreh der einzelnen Szenen. Bewegung, richtige Aussprache und dann auch noch die passende Emotion in Einklang zu bringen, forderte die Beteiligten. Neben der Darstellung erlernten sie außerdem, welche Leistung hinter der Kamera steckt. Kameraführung, Ton, Schnitt und Beleuchtung leitete Staiger an. Am Ende sollen 20 Minuten Spiellänge entstehen, die öffentlich aufgeführt werden. Vielleicht sogar als Vorfilm im Open-Air-Kino, hofft Hermansa.

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