Ein magisches Spiel der Farben

"Zwischen Himmel und Erde" hieß das Motto zum Auftakt der Reihe Taste und Ton an St. Peter und Paul. Es konzertierte der Organist Rodolfo Bellatti.

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Das Bild von Himmel und Erde eröffnet einen weiten Raum, zumal zu Weihnachten und zum Erscheinungsfest, wenn die Menschwerdung Gottes gefeiert wird. Dem entsprach das Programm von Rodolfo Bellatti, sachkundig erläutert von der Musikwissenschaftlerin Christina Richter-Ibá·ez, die - trotz Erkältung - die Epiphanias-Choralmelodie "Ecce advenit" intonierte, das Publikum mitsingen ließ und so das Verständnis für die beiden Orgelwerke erleichterte, die diesen Choral verarbeiten und den "himmlischen" Teil des Programms abdeckten.

Mit seiner Interpretation von Maurice Duruflés "Prélude sur l'Introit de l'Epiphanie" machte Rodolfo Bellatti deutlich, dass es ihm nicht um vordergründige Virtuosität geht, sondern um die Durchdringung des eng gesponnenen Geflechts der Lineaturen, hier durchzogen von einer Zungenstimme als "rotem Faden". Seine sichere Fingertechnik in Verbindung mit der Raumakustik erlaubt es ihm, dichte polyphone Faktur lebendig und transparent zu machen. Die reichhaltige Disposition der Fischer+Krämer-Orgel nutzte er für eine klare, ausdrucksstarke Interpretation.

Zu einem magischen Spiel der Farben machte Bellatti (unter Assistenz von Bezirkskantor Martin Neu als Registrant) die drei Sätze aus Charles Tournemires Epiphanias-Zyklus, enthalten in "L'Orgue Mystique". Vibrierender Atem trug schwebende Klangflächen, scharfe, archaische Zungenstimmen wurden abgelöst durch weiche Harmonien.

Glitzernde Figurationen und markante Pedalbässe prägten die toccatenhafte, wie improvisiert wirkende "Fantaisie". Für die irdischen Niederungen waren danach Camille Saint-Saëns, Johannes Brahms und Salvatore Reitano zuständig, wobei sich auch hier die Bereiche nicht strikt trennen lassen. Für den "Himmel auf Erden" sorgt etwa das Orgelregister "Voix céleste", das als himmlische Stimme mit lieblicher Schwebung immer wieder die Erdverhaftung löst.

Wie eine Musik für die kindliche Weihnachtskrippe an der Rückwand der Kirche wirkten die drei Rhapsodien über bretonische Gesänge op. 7 von Saint-Saëns: bunt, naiv, volkstümlich, mit schlichten Melodien und Glitzersternchen-Himmel, die Ecksätze als Hirtenmusik in prägnanten Zungenregistern, das "Allegro moderato e pomposo" in der Mitte als martialische Trompeten-Fanfare mit knackigem Sound und buntem Farb-Feuerwerk, bei der - als Lichtblick dazwischen - die Engelsstimmen der Voix céleste nicht fehlen durften.

Saint-Saëns' orchestraler Schluss leitete über zu den sogenannten "Haydn-Variationen" op. 56 von Johannes Brahms, ursprünglich für Orchester komponiert, hier vorgestellt in einer Orgelbearbeitung. Wer die Orchesterfassung im Ohr hatte, musste manche Passagen unpräzise oder (im Satz) unvollständig finden. Dafür war umso deutlicher zu hören, wie altmeisterlich polyphon Brahms komponiert hat. Manche Variation beeindruckte mit einem neuen, individuellen Charakter, und das Finale erschien wie in eine grandiose Choralbearbeitung verwandelt.

Dass die jüngere Komponistengeneration es wagt, eingängige Orgelmusik zu schreiben, konnte man in Salvatore Reitanos "Pastorale" erleben: Hier gaben sich Flöten und Schalmeien ein heiteres Stelldichein im Siciliano-Takt.

Herzlicher Applaus verlangte nach einer Zugabe, die in Form eines Auszugs aus Ottorino Respighis "Antiche Danze ed Arie" gewährt wurde.

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