Ein lebensbejahender Reigen

Es wird ein Panoptikum - aus Schauspiel, Tanz, Akrobatik, Film und Musik: Wieder gibt es - diesmal zum Jubiläum 175 Jahre Gustav Werner in Reutlingen - ein großes Theaterprojekt mit Regisseur Paul Siemt.

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Zu jedem Jubiläum ein Theaterprojekt, das scheint sich die Bruderhaus-Diakonie mittlerweile auf die Fahnen geschrieben zu haben. Jedenfalls ist es nun schon das dritte integrative Theaterstück, das Paul Siemt für die Einrichtung inszeniert. Die Aufführung soll am 15. Februar steigen.

Dieses Mal sind insgesamt 120 Bewohner, Beschäftigte, Schüler und Mitarbeiter am Start. Wieder setzt sich das Stück aus einer lockeren Folge bunter Szenen zusammen, in der sich die unterschiedlichsten Kreativ-Gruppen der Bruderhaus-Diakonie auf ihre spezielle Weise präsentieren.

Dargestellt wird die 175-jährige Geschichte des sozialen Unternehmens - seit 1840, dem Umzug Gustav Werners nach Reutlingen. Unter anderem geht es um die Gründung des Hauses durch den schwäbischen Pfarrer und Sozialreformer, um seine Ansichten und christlichen Werte, die er in die Tat umzusetzen versuchte. Dass dies nicht ohne finanzielle Schwierigkeiten und ökonomische Zwänge vonstatten ging, versteht sich von selbst.

Das Stück verhandelt in 30 Szenen auch Biographisches, Erfolge, Krisen und Zweifel, bauliche und inhaltliche Veränderungen in 175 Jahren. Es erzählt, wie Daimler und Maybach in den Werkstätten tätig waren, wie die Kartonage gebrannt hat, aber auch, dass die berüchtigten grauen Busse der NS-Zeit auch an den hiesigen Behindertenheimen nicht vorbeigefahren sind.

Auf einer weiteren Ebene wird gezeigt, wer heute alles die Bruderhaus-Diakonie mit Leben und Kreativität füllt, denn wieder sind ganz unterschiedliche Gruppen mit von der Partie: Kinder, Jugendliche, Menschen mit und ohne Handicap, aus Jugend-, Alten- und Behindertenhilfe sowie den sozialpsychiatrischen Angeboten.

Sie trommeln, tanzen Capoeira, schauspielern, feiern sich selbst, singen, zeigen Akrobatik, Percussion und Film. "Eine Hiphop- und zwei Rockbands treten auf, mit Kreativwerkstatt, Sing- und Bibelgruppe oder Turnergruppe präsentiert sich das gigantische Spektrum dessen, was in der Bruderhaus-Diakonie künstlerisch so tätig ist", sagt Paul Siemt, der aus diesem Füllhorn an Ausdrucksmöglichkeiten seine Geschichte "zusammenkonstruiert" hat. Jetzt am vergangenen Samstag wurde zum ersten Mal der Gesamtdurchlauf geprobt.

In der Cafeteria auf dem Ringelbach-Gelände herrscht Superstimmung, die Gruppen applaudieren sich gegenseitig, und auch Siemt ist begeistert, "mit welcher Selbstverständlichkeit hier alle aufeinander treffen und miteinander umgehen, gänzlich ohne Ressentiments".

Seit einem dreiviertel Jahr probt er mit den einzelnen Gruppen, jetzt müssen die Szenen zu einem großen Ganzen zusammengefügt werden, "ohne dass große Übergangspausen entstehen", erklärt Siemt. Ergebnis soll ein "schnelllebiges Potpourri" aus Musik, Tanz, Percussion, Schattenspiel, Trubel, Akrobatik und Schauspiel sein, ohne Moderation. Die Szenen sollen sich selbst erklären, "die Darsteller werden so genommen, wie sie sind" und sollen damit "alle Facetten widerspiegeln, aus denen sich die Einrichtung heute zusammensetzt".

Paul Siemt will mit seinem Stück auch zum Ausdruck bringen, dass Gustav Werners Werte heute teilweise noch aktuell sind, auch wenn er sie damals vielleicht ein wenig sperrig formuliert hat. Denn wenn es um die ökonomischen Zwänge, soziale Gerechtigkeit und die ungleiche Verteilung des Geldes geht, aber auch um eine "grundsätzliche Lebensbejahung" trotz aller Widrigkeiten, dann zeigen sich Werners Grundsätze als relativ zeitlos, findet Paul Siemt, bevor er wieder seine Mitspieler dirigiert, die sich für die Szenen immer wieder in überdimensionale Bilderrahmen stellen, oder gleich ganz aus dem Rahmen fallen.

Vorführung und Tickets

Aufführungen Das integrative Theaterstück zum 175-Jahre-Jubiläum feiert seine Premiere beim Festakt der Bruderhaus-Diakonie. Die öffentliche Vorführung findet statt am Sonntag, 15. Februar, 19 Uhr, in der Freien Georgenschule, Moltkestraße 29. Der Eintritt ist frei, Karten gibt's bei walter.herrmann@bruderhausdiakonie.de oder unter Telefon: (0 71 21) 278 678.

SWP

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