Ein lautes "Nein" kann helfen

"Ich fühle mich jetzt viel sicherer", erklärt Emily. "Auch auf dem Schulweg", ergänzt Anna. Die beiden gehen in die vierte Klasse der Uhlandgrundschule und haben einen Selbstbehauptungskurs gemacht.

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Festhalten und draufschlagen: Luisa wehrt sich. Von Barbara Götz, die sich mit extra dicken Handschuhen schützt, hat das Mädchen gelernt, sich zu behaupten. Foto: Dorothee Werner

Emily und Anna haben mit weiteren sechs Schülerinnen einen Selbstbehauptungskurs für Mädchen besucht, der vom Förderverein der Schule organisiert wurde. Barbara Götz, langjährige Selbstbehauptungstrainerin, hat die Grundschulkinder mehrere Nachmittage unterrichtet.

Selbstbehauptung und auch Selbstverteidigung standen im Vordergrund des Kurses. Barbara Götz hat sich seit langem darauf spezialisiert. Die Kurse bietet sie in verschiedenen Institutionen an. In letzter Zeit ist verstärkt die Arbeit mit behinderten Mädchen dazugekommen. Außerdem ist sie Autorin des Kinder-/Jugendbuches "Ich bin stark - Selbstverteidigung für Mädchen" (Arenaverlag).

In verschiedenen Übungen lernten die Sieben- bis Zehnjährigen ihre Körpersprache richtig einzusetzen und sich laut zu wehren. "Geh weg!" oder "Hau ab!" sollte einem möglichen Angreifer entgegengeschrien werden. Aber das reicht nicht. Auch die Körpersprache muss klar signalisieren: Das will ich nicht. Dies darf laut Barbara Götz auch nie als Frage formuliert werden. Wichtig sind klare Ansagen und diese keinesfalls in Form von Schimpfwörtern. Das Selbstbewusstsein der Mädchen wurde durch die verschiedenen Übungen gestärkt.

In der letzten Trainingsstunde führten die Mädchen ihren Eltern vor, was sie alles gelernt hatten. In der "Ketchup-Übung" wehrten sich die Kinder verbal. Die Eltern mussten laut "Ketchup" rufen, wenn die Mädchen etwas falsch gemacht hatten. Das machte beide Seiten sichtlich Spaß. Die Kinder schauten bereits erwartungsvoll ihre Eltern an, wenn sie ein Schimpfwort benutzt oder sonst etwas anderes falsch gemacht hatten.

Selbstbewusstes Auftreten und das Vorbeugen von Angriffen gehören genauso zur Selbstverteidigung wie die richtige Kampftechnik im Ernstfall. Beim nächsten Teil der Vorführung ging es deshalb um die verschiedenen Befreiungstechniken. So wehrten sich die Mädchen mit einem Fußtritt - bei der Übung gegen ein großes stabiles Kissen - oder mit dem Ellenbogenstoß. Weil bei der Übung einem Angreifer kräftig auf den Handrücken geschlagen werden muss, hatte sich Barbara Götz extra dicke Handschuhe angezogen. In Dreiergruppen zeigten die Mädchen, wie sie sich losreißen, wenn jemand sie an den Handgelenken packt.

In der "Geschichte vom kleinen und vom großen Nein" spielten die Kinder eine Situation vor. Ein Kind, "Das kleine Nein", saß auf einer Bank. Eine dicke Frau setzte sich neben es. Das Kind wollte das nicht und sagt ganz leise "Nein, ich will allein auf meiner Bank sitzen".

Die Dame blieb trotzdem sitzen. Dann kam ein Kind und fragte: "Bekomme ich Deine Schokolade?". Als das kleine Nein-Kind nur leise sagt "Nein, ich will meine Schokolade alleine essen", hörte dies das andere Kind gar nicht und nahm sie ihm einfach aus der Hand. Dann kam ein Mann vorbei. "Darf ich Dir einen Kuss geben?", fragte er. Wieder sagt das Kind nur leise "Nein". Als er es gerade küssen wollte, kam Leben in das kleine Nein und es wehrte sich laut "Nein, nein, nein, ich will alleine auf meiner Bank sitzen. Ich will meine Schokolade alleine essen. Ich möchte keinen Kuss." Daraufhin erwiderten die dicke Frau, das Kind und der Mann "Sag es doch gleich". Sie gingen weg und ließen das Nein allein zurück, das nun glücklich seine Schokolade schmatzte.

Die Mädchen lernten nicht nur, in kniffligen Situationen richtig zu reagieren, sondern auch wie sie mit Beleidigungen im Alltag umgehen können. "Immer zurückgeben, nie an einem kleben lassen", ist die Devise von Barbara Götz. Nach einer Beleidigung ist es wichtig, dass Freunde oder Eltern kommen und das Kind wieder aufmuntern mit einem "Du bist in Ordnung, so wie Du bist." Zum Abschluss gab es für jedes Kind eine Urkunde.

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