Ein knitzes Käpsele

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Wilhelm König überreicht dem früheren Südwest-Presse-Redakteur Henning Petershagen (rechts) die Vogt-Medaille.  Foto: 

Rund 15 Jahre kamen Leser der Südwest Presse in den Genuss einer Kolumne rund ums Schwäbische. 2001 startete der damalige Redakteur Henning Petershagen mit „Schwäbisch für Besserwisser“. Die Resonanz war überwältigend: Ein Leser beschied ihm,  dass er in der Samstagsausgabe stets als erstes diese Reihe lese, sogar noch vor den Todesanzeigen. „Mehr Lob geht nicht“, betonte Professor Hubert Klausmann, Leiter der Tübinger Arbeitsstelle Sprache in SüdwestDeutschland, grinsend in seiner Laudatio.

Schwäbisch offensiv

So folgten weitere Reihen „Dem Schwaben sein Dativ“, „Schwäbisch für Durchblicker“, „Schwäbisch auf Anfrage“ und schluss­endlich „Schwäbisch offensiv“. Das Anliegen des Journalisten und Kulturwissenschaftlers Petershagen: sprachlichen Minderwertigkeitskomplexen der Schwaben entgegenwirken. Er wollte, so Petershagen, offensiv dagegen vorgehen, dass schwäbisch als Deppendialekt abgetan wird, die Mundart oft als schlechtes Deutsch gesehen wird. Denn das, so der Autor, ist ein Irrglaube. Auch Klausmann hob dies in seiner Laudatio hervor: „Schwäbisch ist nicht falsch, sondern konsequent seinen eigenen Weg gegangen.“ Bis zu seinem Ruhestand erklärte Petershagen in 791 Folgen die Herkunft schwäbischer Worte und Redewendungen oder widmete sich der schwäbischen Grammatik. Und das wissenschaftlich fundiert: Stets recherchierte er akribisch, zog Wörterbücher zu Rate und in den Anfangszeiten befragte er Arno Ruoff, der als bester Kenner der gesprochenen Sprache in Baden-Württemberg galt. Das wirklich Bestechende, was ihm dabei gelang, war, dass die Serie keineswegs trocken, sondern stets humorvoll war.

Tiefgründig und amüsant

„Tiefgründig und amüsant“, lobte Klausmann die Kolumne, Petershagen sei ein „Käpsele“, dem es auf unterhaltsame Weise gelungen ist, wissenschaftliche Erkenntnisse zu vermitteln. Auch sonst hat er sich engagiert für diesen Dialekt, der keineswegs ein verhunztes Deutsch ist. Dafür wurde er nun mit der Friedrich-E.Vogt-Medaille ausgezeichnet. Seit 1986 wird diese alle drei Jahre von der Mundartgesellschaft Württemberg für Verdienste um die schwäbische Mundart verliehen, unter anderem an Manfred Rommel, die Landesregierung oder Gotthilf Fischer. Zwei frühere Preisträger waren am Dienstag in der Volksbank ebenfalls Gast, Dominik Kuhn alias Dodokay und Christoph Sonntag. Der hielt ebenfalls eine Würdigung, pries Petershagen als „grandiosen Nachfolger“ an  und sorgte mit kabarettistischen Spitzen für viele Lacher. Diese Medaille, erklärte er etwa,  bedeute nicht das Ende einer Laufbahn, sondern danach gehe es erst so richtig los.

Wilhelm König, Vorsitzender der Mundartgesellschaft, stellte ebenfalls den Humor des Verfassers in den Mittelpunkt, dessen Beiträge stets gewürzt seien  mit einer Portion Spott und Satire. „Es ist eine ganzheitliche Arbeit in verbraucherfreundlichen Appetithappen“, so König. Dank ging an die Südwest Presse, die Petershagen über 15 Jahre die Plattform für seine Artikel geboten hat.

Was sagte der Preisträger selbst zu seiner Arbeit und Würdigung? Zunächst einmal erzählte er unterhaltsam, wie er bereits mit seinen Laudatoren und dem Namensgeber der Medaille in Kontakt gestanden sei. So habe er Anfang der 1980er-Jahre ein Buch von Friedrich Vogt erstanden, dass es im Preis herabgesetzt war, sei ein starker Kaufanreiz gewesen, sagte er. Petershagen ist eben Schwabe durch und durch, dem der Schalk im Nacken sitzt. Von Wilhelm König las er Gedichte als er in Lima weilte, das zeige, wie weit dessen Wirkungskreis reiche. Und als er  in einer Fernsehsendung zu Gast war, seien immer wieder Einspieler von Christoph Sonntag gezeigt worden, was das Publikum bei der Stange gehalten habe.

Der Preisträger demonstrierte, dass knitzer Humor wirklich seine große Stärke ist. Aber er erklärte auch sein Anliegen: Offensiv dagegen vorgehen, dass Schwäbisch schlechtes Deutsch sei. So war es ihm all die Jahre wichtig, das Alleskönnertum der Schwaben zu stärken, ihnen Selbstbewusstsein zu vermitteln und sie gegen besserwisserische Hochdeutsche zu wappnen. Bis 2016 lief die Serie in der Südwest Presse, zudem wurden die Folgen in Buchform veröffentlicht. Damit hat sich Henning Petershagen wahrlich um die schwäbische Mundart verdient gemacht.

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