Ein kluger Kopf, ein Katholik

Es war die wohl am besten besuchte Gemeinderatssitzung in der Geschichte Pfullingens: 400 Gäste kamen am Donnerstagabend zu Michael Schrenks Amtseinsetzung in die Pfullinger Hallen.

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„Ich verspreche, dass ich mein Amt nach bestem Wissen und Können führen werde“: Die Worte zur Verpflichtung als Bürgermeister sprach Michael Schrenk mit fester Stimme, gerichtet an seinen ersten Stellvertreter Martin Fink, der ihm den Eid abnahm. Dass währenddessen fast der gesamte Gemeinderat hinter ihm auf der Bühne stand – das wusste der neue Schultes zu schätzen, wie er später bekannte. Nun ist Michael Schrenk der sechste Pfullinger Bürgermeister seit dem Jahr 1900 und der elfte direkt gewählte in der Geschichte der Stadt, wie Martin Fink recherchiert hat.

Mit der Verpflichtung endete die öffentliche Sitzung des Gemeinderates in den Pfullinger Hallen – und der Festakt konnte beginnen. Eingebettet in die Auftritte von Stadtkapelle, Musikschul-Band, Eintracht und Liederkranz machten in der Folge acht Redner dem neuen Bürgermeister die Aufwartung. In Vertretung von Landrat Thomas Reumann, der einen wichtigen Termin in Berlin hatte, war der Erste Landesbeamte Hans-Jürgen Stede nach Pfullingen gekommen. „Sie haben ein tolles Team und kompetente Mitarbeiter“, macht er Schrenk Mut für seine Amtszeit, für die ja auch noch „viele unbeschriebene Seiten im Pfullinger Geschichtsbuch“ offen stehen würden. Dass die Pfullinger Zukunft zu gestalten „eine schöne und spannende Aufgabe ist“, die es jetzt anzunehmen gelte – das legte der Sonnenbühler Bürgermeister Uwe Morgenstern als Vertreter des Gemeindetags-Kreisverbands seinem neuen Kollegen ans Herz. Und Jürgen Albrecht, der geschäftsführende Pfullinger Schulleiter, offenbarte, dass er schon gleich zu Beginn des Wahlkampfs über Schrenk gedacht hatte: Das ist ein kluger Kopf. Einer, von dem Albrecht hofft, dass er den Drahtseilakt, den er vor sich hat, meistern wird. Schließlich gelte es, eigene Ideen zu verwirklichen, aber auch auf den Gemeinderat zu hören, sich durchzusetzen, gleichzeitig aber demokratisch zu handeln.

Dass Schrenk unter anderem die Konfession von seinem Vorgänger unterscheidet, das hatte zuvor schon Martin Fink erwähnt. Der Sprecher des ökumenischen Arbeitskreises, Hermann Friedl, sprach’s noch deutlicher an. „Einen katholischen Bürgermeister – das hat’s in Pfullingen ja noch gar nie gegeben. Und dann noch ein katholischer Dekan“, so Friedl über sich selbst. „Steht da etwa eine katholische Revolution bevor? Ist das nicht des Guten zu viel?“ Die Frage blieb am Donnerstag unbeantwortet im – noch – evangelisch geprägten Pfullingen.

Während sich Michael Wödl, für die musiktreibenden Vereine ans Pult getreten, darauf freut, mit Schrenk gemeinsam neue Ideen umzusetzen, wünschte Matthias Fischer, Vorsitzender der ARGE Sport, dem neuen Bürgermeister „gute Nerven, weil Sie die brauchen werden“. Ein Kistchen mit Kulturbausteinen, die die Wünsche der Kunstschaffenden transportieren sollten, hatte Felicitas Vogel dem 44-Jährigen mitgebracht – nicht ohne ihm zu sagen, dass hier zwar viel erreicht worden sei, es in Sachen Kultur aber auch noch viel zu tun gebe.

Die Vorzüge des Michael Schrenk hervorzuheben – an die Aufgabe machte sich Jürgen Kath, viele Jahre lang Wegbegleiter Schrenks in seiner Zeit als Herbertinger Bürgermeister. „Er hat sich bei der Amtsführung ins Zeug gelegt, Herbertingen zukunftsfähig gemacht“, bescheinigte Kath seinem Ex-Schultes. Und der? Erinnerte sich in seiner Antrittsrede erstmal an den 8. September 2014 – als ihm via Telefon zugetragen wurde, dass die Pfullinger einen Nachfolger für Rudolf Heß suchen. „Zwei Tage später war ich hier, um die ersten Gespräche zu führen“, so Schrenk. Dann habe das Dominospiel seinen Lauf genommen. „Bis zum 19. Oktober, als die Bürger mir ihr Vertrauen ausgesprochen haben.“

Zwar sei er noch in der Findungsphase, „aber mein offenes Ohr kann ich Ihnen schon anbieten“, versprach er den Pfullingern – um dann, wie er eingestand, seinem Vorgänger einen prägenden Satz „zu klauen“, der da lautet: „Wir für unsere Stadt.“ Den Weg, bat Schrenk die Bürger zum Schluss, sollten sie mit ihm gehen.

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