Ein Ende der Hängepartie ist in Sicht

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Enrico Urbanek gilt in der Theaterszene als Langläufer. Seit 14 Jahren ist er Intendant der Tonne. Mit dieser langen, in der Bühnenbranche unüblichen Verweildauer hat er sogar den bisherigen Rekord des Theatergründers Alf André (1958 bis 1972) inzwischen getoppt. Urbanek zählt unter den Intendanten der Republik nun zur Marathon-Riege - in illustrer Gesellschaft mit prominenten Ewig-Chefs wie Claus Peymann (Berliner Ensemble) und Frank Castorf (Volksbühne).

Lange Verweildauer kann auch Stillstand bedeuten. Nicht so bei Urbanek. Der 48-jährige gebürtige Ostberliner weiß mit hoher See umzugehen: Als ausgebildeter "Vollmatrose/Maschine" hat er das sehr labile Tonne-Boot durch manch stürmische Zeiten in sichere Gewässer gesteuert.

Das Reutlinger Theater, das kürzlich gar bei den renommierten Ruhrfestspielen erfolgreich gastierte, punktet mit quirligen, vielfältigen Spielplänen. Die integrative Theaterarbeit mit Behinderten gilt als vorbildlich. Und mit dem mittlerweile fünften Treffen "Monospektakel", einem Festival der Ein-Personen-Stücke, setzt das Reutlinger Theater sogar bundesweit und darüber hinaus Akzente.

Kurz: Die Tonne dümpelt nicht vor sich hin, sondern befindet sich in einem stabilen, anhaltenden Aufwärtstrend. So gesehen, hat das unermüdliche Team um Urbanek den Theaterneubau einer dauerhaften zweiten Spielstätte redlich verdient.

Dass er erst jetzt kommt, ist eine andere Geschichte. Gut, es war eine schier endlose Hängepartie. Eine langfristige Fortführung der 2002 eröffneten zweiten Tonne-Spielstätte in der Planie, gedacht als "Provisorium", entwickelte sich planerisch zum Problemfall. Erinnert sei an das unerquickliche Parteiengezerfe um große, kleine Varianten oder gar Null-Lösungen. Erinnert sei auch an die detaillierten Entwürfe von Dieter Luz und Walter Achatz. Der erste Kostenvoranschlag von zwei Millionen war noch ziemlich unrealistisch angesetzt, bald war man bei fünf und mehr Millionen angelangt.

Schwamm drüber. Erst der neu angedachte Standort - das Gelände der abgerissenen Listhalle - brachte dann den Durchbruch. Eine weitaus freiere Planung war möglich geworden. Und der nun ausgearbeitete Entwurf eines Theaterneubaus könnte tatsächlich einen Meilenstein in der Tonne-Geschichte bilden. Er liegt mit 8,4 Millionen knapp über dem gesetzten Kostenrahmen von 7,8 Millionen.

Vor allem: Er ist fertig, mit allen Beteiligten abgesprochen und ohne weitere Hindernisse realisierbar - einen Kostenplan legte die Stadtverwaltung gestern vor. Im Herbst 2017 könnte der Neubau eröffnet werden. Jetzt fehlt nur noch das Plazet des Gemeinderats.

Klar ist: Jede weitere Verzögerung durch Bedenkenträger macht das Ganze nur noch teurer. Zudem muss die Tonne bis spätestens Ende Juli 2017 raus aus der Planie - da endet die bereits mehrfach verlängerte Nutzungsfrist dann endgültig.

"Wir wollen kein zweites LTT", beteuert OB Barbara Bosch. Nur eine dauerhafte zweite Tonne-Spielstätte. Nach mühevollen Planungsjahren ist endlich eine machbare Lösung in Sicht. Jetzt heißt es: zugreifen.

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