Ein besinnlicher Abend

Es gibt Musiker, die sind Poeten. Wie im Konzert zwischen den Jahren, veranstaltet von KuRT im franz.K mit Niklas Bohnert, Polaroad, Vivien Vanessa.

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Besinnliches Konzert unter anderem mit Vivien Vanessa aus Dettingen.  Foto: 

Der beschlaulichen Stimmung in diesen Tagen passen sich die drei Acts, eingeladen vom KuRT-Verein zum Konzert zwischen den Jahren, nahtlos an. Den Anfang machen der aus Achern im Schwarzwald stammende Niklas Bohnert und seine Mitspieler Marius Föll, Joris Wetzel und Luca Haas. Mit einem schlichten, fast schon geflüsterten "Hallo" begrüßt Leadsänger Niklas Bohnert das überschaubare Publikum, um kurz darauf mit kräftiger Stimme Lieder wie "Herr Lehmann" oder "Worte auf Papier" zu intonieren. Sehr charmant machen die vier Jungs das, unaufdringlich, selbstbewusst sogar. Bohnert hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht auf die Ironie der Hamburger Schule zu setzen, sondern seinen Fans Hoffnung zu geben. Eine Deutschpop-Ballade nach der anderen erklingt. Saloon-Songs für Loser und Gewinner, von Bohnert mit kratziger Stimme geraunt wie ein Scott Walker unter Schwachstrom.

Noch poetischer und leiser wird es dann mit dem Auftritt von Polaroad, normalerweise als Duo Julia & Anders unterwegs. Da Julia kurzfristig ausgefallen ist, muss Gitarrist und Sänger Anders alleine antreten. Er tut das im Stil eines Liedermachers, der seine Familie zu einer weihnachtlichen Session eingeladen hat. Entspannt, träumerisch, fast ein wenig andächtig - so kommen seine englischsprachigen Songs daher. Kein technischer Schnickschnack, keine aufgesetzten Posen, nur ein paar gebrochene Akkorde. Der aus Koblenz stammende Anders ist ein sanfter, unaufgeregter, oft auch ausgesprochen zärtlicher Tagträumer, dessen leise Lieder auf die Suche gehen und nicht davor zurückschrecken, sich auch mal ins Offene zu verlaufen.

Auch das abschließende Konzert mit der in Dettingen an der Erms beheimateten Vivien Vanessa folgt keinen ausgelatschten Pfaden. Unterstützt von ihrer akustischen Gitarre, besingt die erst 21-jährige Songwriterin die Liebe, die Suche nach sich selbst, das Gelingen und das Scheitern von Beziehungen. Sie kann auch schon mal härter und unprätentiös in die Gitarrenseiten greifen oder ihre Stimme erheben.

In immer neuen Facetten besingt sie im poppigen Singer-Songwriter-Stil die Liebe als Form des Trosts durch Wandel. Mit Popsternchen, die den schnellen Aufstieg über alles stellen, will die junge Frau nichts zu tun haben. Vielmehr stellt sie ihre Musik in den Mittelpunkt und weiß um die Wichtigkeit der Aussagen zwischen den Zeilen. Ihr spielerischer Umgang mit den tragischen Seiten des Lebens ist so charmant, so treffend und entwaffnend, als erfrische ein lauer Sommerwind die Seele.

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