Ehre und Verpflichtung gleichermaßen

Der „Förderverein Ortskern Betzingen“ wurde mit dem Bürgerpreis der Denkmalstiftung Baden-Württemberg ausgezeichnet. Gegründet hat er sich, um die Sanierung der damals eher abbruchreifen Zehntscheuer zu wagen.

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Erfreut nehmen Hagen Kluck und Thomas Keck (2. und 3. von links) als Vorsitzende des „Fördervereins Ortskern Betzingen“ am Donnerstag in der Zehntscheuer den Bürgerpreis der Landesdenkmalstiftung von Ingo Rust (2. von rechts) mit einem Scheck über 5000 Euro entgegen. Foto: Norbert Leister  Foto: 

Es brauchte nach den Worten von Oberbürgermeisterin Barbara Bosch „Mut, Liebe zum Detail, Durchhaltevermögen, Zähigkeit“ und noch einiges mehr, um sich vor rund 13 Jahren an solch ein Projekt wie die Sanierung der damals eher abbruchreifen Zehntscheuer zu wagen. „Als wir die Gründung eines ‚Fördervereins Ortskern Betzingen‘ geplant haben, war in keiner Weise klar, wie sich die Dinge entwickeln würden“, erinnerte der Vorsitzende, Bezirksbürgermeister Thomas Keck, am Donnerstagabend an die zurückliegende Zeit.

„Konkreter Anlass zur Vereinsgründung war die Idee, die seit langer, langer Zeit im ‚Dornröschenschlaf‘ schlummernde, historische Betzinger Zehntscheuer zu restaurieren und zum ‚Bürgerhaus‘ umzunutzen“, erläuterte Keck weiter. Natürlich wurde die Feierstunde zur Verleihung des Bürgerpreises 2016 der Denkmalstiftung Baden-Württemberg in Betzingens sanierter Zehntscheuer, also im „Schmuckkästchen“ der Gemeinde, abgehalten. „Die Sanierung und der Erhalt von Denkmalen ist quasi die Pflicht, um den Preis verliehen zu bekommen“, betonte Ingo Rust als Kuratoriumsvorsitzender der Stiftung. „Die Kür ist aber eine sinnvolle Nutzung im Anschluss“, so Rust. Beides sei dem Förderverein mit Bravour und Bestnoten gelungen – Grund genug also für die Stiftung, um den Bürgerpreis in Reutlingens Stadtteil zu vergeben.

Unglaubliche 4000 Stunden ehrenamtlicher Arbeit hatten die Freiwilligen in die Sanierung der Zehntscheuer gesteckt, im Gegenwert seien das 50 000 Euro, so Thomas Keck. „Das bedeutete aber keinen Befreiungsschlag angesichts einer Gesamtkostensumme von 1,45 Millionen Euro“, sagte der Vereinsvorsitzende. „Aber über einen langen Zeitraum hier jedes Wochenende auf der Baustelle zu sein – das hat was mit Identifikation mit dem Gebäude und auch mit dem Ortsteil zu tun“, lobte OB Bosch die ehrenamtlichen Handwerker.

Ansteckend sei dieser Eifer gewesen, nicht zuletzt Baubürgermeisterin Ulrike Hotz habe sich laut OB ebenfalls mit viel Leidenschaft auf das Projekt eingelassen. Einen nicht unbeträchtlichen Anteil an der Sanierung hatten die Architekten Andreas Hartmeier und Jochen Schmid, finanziell vor allem die Stadt Reutlingen, das Landessanierungsprogramm und eben auch die Denkmalpflege sowie die Denkmalstiftung des Landes.

Die freiwilligen Mitarbeiter auf den Baustellen hatten neben aller Arbeit „mit der Hand am Arm“, so Keck, obendrein noch die Frage beantworten müssen, „ob sie noch ganz gescheit sind“, wie Bosch erinnerte. Schließlich waren nicht wenige Betzinger damals der Auffassung, dass diese Ruine doch besser plattgemacht gehörte. „Heute reißt hingegen keiner mehr leichtfertig Denkmale ab, da besteht eher die Gefahr des langsamen Zerfalls“, betonte die Oberbürgermeisterin auch mit Blick auf die Oberamteistraße in Reutlingens Altstadt.

Doch am Donnerstag sollte gefeiert werden – das geschah mit dem Duo „Wooden Merge“ und „New Irish Folk“ als musikalische Umrahmung sowie einem „rustikalen schwäbischen Imbiss“, den die Männer-Kochgruppe des Fördervereins präsentierte. Was darunter zu verstehen war? „Maultaschen als Fingerfood“, verriet Martin Rupp.

Doch zuvor gab es noch mehr lobende Worte: „Wenn sich die Bürgerschaft so stark einsetzt, kann das nicht hoch genug eingeschätzt werden“, so Bosch. Zumal sich der Förderverein ja nach der Sanierung der Zehntscheuer auch noch an die Mußmehlstraße 4-6 gewagt hatte. Betzingens Ortskern habe mit der Sanierung, dem Erhalt und der jetzigen Nutzung beider Projekte „einen Quantensprung nach vorne gemacht“. Thomas Keck sagte dazu: „Der Preis ist uns Ehre und Verpflichtung, den bisherigen Weg des Vereins weiter zu gehen.“ Er sprach damit an, dass ja die „historische und vollständig erhaltene Getreidemühle noch auf eine Sanierung und neue Nutzung“ warte.

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