Eher unspektakulär

Was kommt heraus, wenn ein angesagter TV-Star nun auch noch singt? Rund 350 Fans wollten das genau wissen und kamen zum Konzert von Klaas Heufer-Umlaufs neuer Band Gloria ins franz.K.

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Moderator und Musiker: Klaas Heufer-Umlauf im franz.K. Foto: Jürgen Spiess

Natürlich ist die Spannung vor dem Konzert groß, wie sich das neue Projekt des Grimme-Preis-Trägers und TV-Moderators Klaas Heufer-Umlauf und Wir-Sind-Helden-Gitarrist Mark Tavassol präsentieren würde. Schließlich hat sich der 30-Jährige mit seiner krawallfreudigen Show "Circus HalliGalli" längst in die Herzen junger TV-Fans moderiert.

Der ehemalige Friseur ist heute hauptberuflich Satiriker und bildet seit 2013 ein unschlagbares Late-Night-Moderatoren-Team mit Joko Winterscheidt. Klaas Heufer-Umlauf ist aber auch Sänger der Indierock-Formation Gloria, die er mit Kumpel Mark Tavassol als Nebenprodukt und "privates Hobby- und Abhängprojekt" für die eigene Singer/Songwriter-Seele gegründet hat. Das schreit förmlich nach einem Album ("Endlich kombinieren") und einer Tournee, die das Sextett - drei Gitarren, E-Bass, Drums, Gesang - nun auch nach Reutlingen führte. Natürlich ist der bärtige Sänger Zentralfigur und Trumpfkarte dieser angesagten Indierock-Band.

Er dominiert die Show musikalisch und unterhält mit lockeren Geschichten das Publikum. Dazu spielt die Band aus sechs Freunden manchmal sehr zart und leise, um dann bei instrumentalen Passagen haushohe Gitarren-Wände hochzuziehen. Heufer-Umlaufs Versuchen in der Rockmusik muss man zugute halten, dass er sie mit Herzblut verfolgt. Auch seine Stimme kann sich hören lassen. Die schlichten Lieder, meist in Deutsch, sind gefärbt von britischem und amerikanischem Indierock. Sie leben in der Regel von einer einzigen Idee - oder: einer Pop-Konvention. Damit treten sie kompositorisch mehr oder weniger auf der Stelle, während die Arrangements der Band versuchen, Dynamik zu erzeugen.

Das ist in den ruhigen Takten recht eingängig. Wenn"s lauter wird - live häufiger als auf dem Album - offenbart sich allerdings ein eher eintöniger musikalischer Background mit standardisierten Gitarrensoli und durchschnittlicher Dramaturgie. Da ist es schon netter, auf Heufer-Umlaufs Charme bei den Ansagen hereinzufallen. Auch hier bleibt er bei den kleinen Gesten: ironische Kommentare über Gegenspieler Joko, über Reutlingen und sein Image zum Thema "auch ein TV-Moderator weiß nun, wie eine Gitarre aussieht". Das kriegt er als gelernter Schauspieler und Satiriker natürlich hin. Man ertappt sich aber schon bald dabei, die Musikbeiträge kürzen zu wollen und ihn lieber etwas mehr plappern zu lassen, etwa über seine Oma, die "Reutlingen wegen seiner einzigartigen Wallfahrtskirche ganz super findet".

Die Fans erleben ein cooles, aber musikalisch unspektakuläres Konzert, mit 80 Minuten auch recht kurz. Gloria hält an dem fest, was beim Rockkonzert letztlich zählt: das Gefühl gemeinsamen Erlebens. Ob das reicht, wenn ein Konzert vorwiegend vom Promi-Bonus lebt?

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