Durch Flüchtlingsarbeit Brücken bauen

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Die beiden Goethe-Institut-Vertreter Lena Westerbarkey und Sebastian Johna (unten rechts) unterstützten Stadt, islamische Gemeinden und Migrantenvereine bei einem sechsmonatigen Qualifizierungsprojekt zur Flüchtlingsarbeit. Foto:  Jürgen Spieß  Foto: 

Bei einem sechsmonatigen Modellprojekt des Goethe-Instituts ging es um die Qualifizierung islamischer Gemeinden und Migrantenvereine für die Flüchtlingsarbeit. Reutlingen war eine von drei Städten, die sich daran beteiligten. Jetzt wurden im Rathaus die Ergebnisse präsentiert.

Kein Zweifel, die Achalmstadt kommt mit der kulturellen Vielfalt besser klar als viele andere Städte in Deutschland. Es besteht eine gute Vernetzung mit kommunalen Vertretern und eine enge Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Migrantenvereinen und der Stadt. Auch die Bereitschaft, die Verwaltung in der Flüchtlingsarbeit zu unterstützen, ist bei vielen Migrantenorganisatoren stark ausgeprägt. Reutlingen sei „eine Mitmachstadt“, sagte Verwaltungsbürgermeister Robert Hahn bei seiner Begrüßung „und ist bei der Integrationsarbeit ganz vorne mit dabei“. Gleichwohl sei es eine besondere Auszeichnung, dass das Goethe-Institut Reutlingen für das Projekt ausgewählt habe und „eine Bestätigung für unsere bisherige Arbeit“.

Dass neben München und Dresden gerade Reutlingen für das Pilotprojekt ausersehen wurde, geht auf die Initiative von Dr. Hussein Hamdan zurück, der als Islamberater bei der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart tätig ist. Er hatte dem Goethe-Institut mehrere Migrantenvereine der Stadt aufgrund ihrer vorbildlichen Flüchtlingsarbeit ans Herz gelegt. Zwar unterscheide sich Reutlingen in der Größe zu den beiden anderen Städten, aber hinsichtlich ihres Engagements in der Flüchtlingsarbeit „kann sich die Stadt neben München und Dresden durchaus sehen lassen“, sagte Sebastian Johna, der Projektleiter vom Goethe-Institut. Er bedankte sich für „die große Offenheit“ der Stadt und lobte das Engagement der islamischen Gemeinden. Sein Fazit: Während der sechsmonatigen Projektphase wurden wichtige Themen angerissen und Strukturen für eine bessere Vernetzung aufgebaut.

Projektassistentin Lena Westerbarkey ging in ihrer Bilanz auf die Situation speziell in Reutlingen ein: Die Vernetzung zwischen Stadt und Migrantenvereinen gehöre zu den Stärken der Stadt, allerdings fehle es vor Ort noch an personellen und finanziellen Ressourcen. Während der Projektphase trafen sich bis zu zwölf Vertreter verschiedener Islamgemeinden mit Experten, um sich in drei Steuerungsworkshops über Finanzierungsmöglichkeiten, Antragstellung sowie eine bessere Vernetzung und Koordination der Vereine auszutauschen. Zwischen den Treffen sollten die erworbenen Qualifikationen dann in konkreten Projekten umgesetzt werden.

Wenn auch aufgrund der kurzen Zeit noch nichts Fassbares heraussprang, zeigten die Workshops doch, dass Unterstützung benötigt und auch gerne angenommen wurde. Oumaima Soukrat von der Internationalen Islamischen Gemeinschaft hat in den Workshops nicht nur wichtige Kontakte aufgebaut, sondern auch viel über Antragstellung  und Finanzierung gelernt: „Es ist wichtig, miteinander zu reden und aufeinander zuzugehen“, lautete ihr Fazit. Auch seien neue Projekt­ideen entstanden, betonte Sultan Braun vom Referat für Migrationsfragen, und ihre Kollegin Vera Stokic ergänzte: „Zwischen den Vereinen wurden wichtige Strukturen der Vernetzung aufgebaut“. Es habe sich aber auch gezeigt, „dass das Ehrenamt an Grenzen stößt“.

Entscheidend sei, sagte Sebastian Johna vom Goethe-Institut, dass nun viele Themen „klarer gefasst“ werden können und eine Handreichung erstellt wurde, um die Arbeit zu intensivieren. Und wie geht es nun weiter? Galina Lerner vom Reutlinger Projekt „Samo.fa“ plant für 2017 zwei Treffen, um die Zusammenarbeit mit den islamischen Gemeinden weiter zu intensivieren und sie bei der Flüchtlingsarbeit beratend und teilweise auch finanziell zu unterstützen. Die Fortführung des Projekts sei gesichert, wenn auch zunächst ohne das Goethe-Institut. Dazu Galina Lerner: „Das Wichtigste ist der Ausbau von Kontakten“. Denn: „Integrationsarbeit ist Beziehungsarbeit.“

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