Dreieinhalb Jahre Haft nach Kindesmissbrauch

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Zu einer Haftstrafe in Höhe von drei Jahren und sechs Monaten wegen schwerem sexuellen Missbrauchs von Kindern und der Erstellung kinderpornografischer Schriften wurde ein 55-Jähriger vor dem Amtsgericht Reutlingen verurteilt. Vor zwei Jahren hatte der Dachdecker die damals neunjährige Enkelin seiner Partnerin erst begrabscht und ist dann später auch mit dem Finger in das Kind eingedrungen.

Der weitgehend geständige 55-Jährige hatte das nackte Kind erst beim Baden in einem aufblasbaren Pool beobachtet, später auch Fotos „für den Hausgebrauch“, so Richter Eberhard Hausch in seiner Urteilsverkündung, angefertigt. Zu den schlimmsten Übergriffen kam es, als der schlaksige Mann das Kind in den Keller bat. Unter einer Decke kam es dort zu weiteren sexuellen Handlungen durch den Angeklagten. „Dass sie drin waren, daran haben wir keinen Zweifel“, formulierte Richter Hausch die Meinung des Schöffengerichtes mit den Schöffen Robert Widmann und Bernd Steinhilber. Außerdem hatte der Mann die Hand des Kindes an sein Geschlechtsteil geführt.

Bewusstsein für Verbotenes

Von einer verminderten Schuldfähigkeit ging Richter Hausch nicht aus, schließlich habe der Angeklagte etwa die Speicherkarten mit den angefertigten Bildern gut versteckt. „Das es grundsätzlich verboten war, haben sie gewusst“, so Hausch. Zugleich sei zumindest die letzte Tat geplant gewesen – Kamera und Decke lagen im Keller bereit. „Der massive Vertrauensbruch gegenüber dem Kind und der Partnerin war durchorganisiert und geplant“, so Hausch weiter. Auch habe das „aufgeweckte, intelligente Mädchen“ keine sexuellen Signale ausgesandt. „Sie war acht Jahre alt und nicht wie in einem vermeintlichen Lolita-Fall dreizehndreiviertel“, machte Hausch deutlich. „Das Mädchen hat sie nicht angemacht, sie hat es erduldet.“

Glücklicher Weise seien die Eltern und die Großmutter hellhörig geworden, beschrieb Richter Hausch, wie das Kind sich offenbarte. Zuvor hatte es nicht mehr zur Großmutter gehen wollen, deren Partner der Angeklagte über 15 Jahre gewesen sei. Gegenüber einer erfahrenen Polizeibeamtin habe das Kind anschließend die Situationen beschrieben. Vor Gericht konnte unter anderem deshalb und aufgrund der Aussagen des Angeklagten auf eine Anhörung es Mädchens verzichtet werden. Mit den Aussagen des Angeklagten zeigte sich Richter Hausch allerdings nicht zufrieden: „Sie haben versucht das Geschehene kleinzureden.“

Offener Bericht des Kindes

Das Kind dagegen habe gegenüber den Eltern und der Ermittlungsbeamtin „offen berichtet“. Was ihr zugestoßen ist, habe das Mädchen glücklicher Weise wohl noch nicht in seiner ganzen Tragweite erkannt, bilanzierte Richter Hausch. Dennoch sei eine weitere Verarbeitung des Missbrauches notwendig. Die Familie hat einen Therapeuten zu Rate gezogen und wird wohl noch längere Zeit brauchen, um den Missbrauch verarbeiten zu können.

Dem Angeklagten dagegen attestierte Hausch, dass „die Tragweite der Vorwürfe nicht bei ihnen angekommen“ sei. Ob sich der Mann das Geschehene schönreden wolle, oder aber intellektuell nicht dazu in der Lage sei, könne er nicht einschätzen, sagte Hausch. So hatte der Angeklagte etwa den Wunsch geäußert, seine Kamera und die Speicherkarten zurück zu erhalten.

Letztere nutzte Richter Hausch auch für Kritik an der Ermittlungsbehörde: Es habe über ein Jahr gedauert, ehe der Staatsanwältin Rotraud Hölscher die Auswertung der kinderpornografischen Bilder vorgelegt wurde. Dies seien zwar „scheußliche Bilder“, so Hausch, dennoch müsse die Polizei diese prioritär auswerten. „Man sollte lieber Fälle von Kindesmissbrauch behandeln als alkoholisierte Mofafahrer zu fangen“, sagte Richter Hausch plakativ und ergänzte: „Vielleicht reagiert der Polizeipräsident darauf ja wirklich.“

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