Dramatischer Rückgang

Zum Fest hatte der BUND seine "Kröten-Helfer" in den Listhof eingeladen. Der dramatische Rückgang der Erdkröten im Gebiet Markwasen war das bewegendste Thema. Besser sieht's in Gönningen aus.

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"Kröten-Helfer" beim Feiern im Listhof.  Foto: 

1990 übernahm der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) von der Stadt die Betreuung der Amphibien-Population im Markwasen. Insbesondere auch die der Erdkröten. Trotz allen Bemühens mit Schutzeinrichtungen, Kröten-Tunnel und Beton-Leiteinrichtungen seitens der Stadt sowie zeitlich befristeten Straßensperrungen konnte der permanente Rückgang der "Hochzeiter" nie gestoppt werden. Von noch etwa 5600 Exemplaren im Jahr 1996 waren 2011 gerade mal 528 übrig geblieben. Nach diesem massiven Rückgang war der BUND schon vor vier Jahren an die Stadt herangetreten und hatte Vorschläge zur Verbesserung der Amphibiensituation unterbreitet. Ein örtlicher Termin fand statt, dem aus finanziellen Gründen aber keine Taten folgten.

Der BUND sieht die Ursache für den "dramatischen Rückgang, insbesondere der Erdkröten im Markwasen in den Teichen". Nach mehr als 40 Jahren, die sie auf dem Buckel haben, müssten sie längst einmal komplett abgelassen und saniert werden. "Es ist höchste Eisenbahn, wir haben fast keine Jungkröten mehr, die Population könnte bald am Ende sein", so Rainer Blum beim Krötenfest des Jahres 2013. Schon da stand der Aufwand des Aufstellens eines Krötenzaunes samt täglicher Kontrolle in keinem Verhältnis mehr zum betriebenen Aufwand. Fortan verzichtete man darauf. "Nur noch 199 Erdkröten, großteils beim Gaisbühl, elf Grasfrösche, zwölf Berg- und 21 Teichmolche" hatten Edith Willmann und ihre Helfer beim nächtlichen Begehen der Straßen und Wege 2014 im Markwasen aufgespürt.

Und auch bei diesjährigen Krötenfest auf dem Listhofgelände kam unter den Amphibienfreunden, was das Markwasengebiet anbelangt, nicht wirklich Freude auf. Zumindest nicht, als Willmann Bilanz für dieses Frühjahr zog. "Das Verhältnis von Zeitaufwand zu Tier steht mittlerweile bei 2:1", hatte sie errechnet. "Die überalterten Teiche sollten umgestaltet werden, ideal wäre, wenn sie ablassbar wären", führte die engagierte Naturfreundin aus. "Bei der Stadt hat für 2014/2015 Gelder beantragt, man ist guter Hoffnung", rief sie den Besuchern des Krötenfestes am 2. Juli des vergangenen Jahres zu - doch getan hat sich bis heute noch immer nichts. Auch nicht in Sachen Unterführung an der Gönninger Landstraße - einer längst fälligen Ausgleichsmaßnahme im Zusammenhang mit dem Scheibengipfel-Tunnel. Die Begründung der Stadt, "der zur Verfügung stehende Betrag reicht nicht aus", wertet Willmann als "fadenscheinige Begründung".

Somit werden um den Listhof herum auch weiterhin streng geschützte Kröten und Frösche massenhaft überfahren. So konnten die Amphibienfreunde in diesem Jahr insgesamt nur "450 lebende und tote Tiere - zwei Drittel in Richtung Gaisbühl und ein Drittel ums Naturtheater herum" - registrieren.

Als positiv wertete sie die von der Stadt am Rand des Wasenwaldes "erfreulich neu angelegten Teiche, die teils schon angenommen wurden". Und auch die beiden neuen Teiche am Fuße des Monte Kiki und im Bereich zwischen den Tennisanlagen des TVR und PSV blieben von ihr nicht unerwähnt. "Massenhaft Tiere" sieht Willmann "oben am Holzlagerplatz", wo sie von den Listhof-Teichen aus im Winter "über die Straße latschen". Unmöglich, hier Krötenzäune aufzustellen und sie konsequent zu kontrollieren. "Dazu fehlen uns auch genügend ehrenamtliche Helfer".

Freude kam dann auf, als Andrea Scheib vom "Schwesterteam" in Gönningen über die Amphibiensituation in der oberen Roßbergstraße unterhalb des Schützenhauses berichtete. Waren es bei der "Premiere" im Jahr 2013 rund 1650 Tiere, überwiegend Erdkröten, denen nachhaltig geholfen werden konnte, stieg deren Anzahl in diesem Frühjahr auf sehr erfreuliche 2937 Erdkröten, 223 Molche, 32 Frösche und neun Salamander. Am Ortsausgang Richtung Öschingen sei es schwierig, alle Stellen zu betreuen. "Dabei ist es eigentlich Verpflichtung der Stadt" - für Andrea Scheib "eine never ending story".

Eines haben die Amphibienfreunde allesamt gemeinsam: Sie lassen sich nicht entmutigen und wollen, so sagen sie, "auf jeden Fall weitermachen".

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